Der Lehrstuhl für Alte Geschichte der Universität Regensburg blickt sehr positiv auf seine Tagung zur Ambiguität in der Antike am 26./27. Februar 2026 zurück. Die Themen reichten von Kulten und Religionen über Ambiguität in literarischen Quellen hin zu Widersprüchen in der Politik, Repräsentation, Geschlechtlichkeit und Identität.
Wie die Dekanin der Fakultät für Philosophie, Kunst-, Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften der Universität Regensburg, Professorin Dr. Harriet Rudolph, in ihrem inhaltlich bereits wegweisenden Grußwort herausstellte, konnte das Haus der Begegnung als Tagungsort sprichwörtlich genommen werden: Nicht nur kamen hier Forscherinnen und Forscher aus verschiedenen Bereichen der klassischen Altertumswissenschaften zusammen, sondern es trafen auch inhaltlich verschiedene Phänomene der Ambiguität in der antiken Welt aufeinander.
Die Themen reichten von Kulten und Religionen über Ambiguität in literarischen Quellen hin zu Widersprüchen in der Politik, Repräsentation, Geschlechtlichkeit und Identität. Im Zentrum standen dabei die Fragen, inwiefern in der Antike Ambiguität wahrgenommen wurde, wann sie irritierte oder nur latent anzutreffen war und wie man produktiv mit Widersprüchen umging. Zudem galt zu erörtern, wie die Antike sich im Vergleich zur Moderne mit ambigen Phänomenen auseinandersetzte. Dabei wurde wichtige Begriffsarbeit geleistet und gezeigt, dass eine derartige Forschungsperspektive viel Potenzial für weitere Untersuchungen bietet sowie anschlussfähig für ein breites Spektrum an Bereichen ist.
Nachdem im ersten Panel Kulte in Griechenland und Rom betrachtet worden waren – im Fokus standen das Grenzheiligtum von Oropos, Venus Erycina und der Gott Merkur −, richtete sich der Blick im zweiten Panel auf literarische Ambiguität. Horatius bei Livius und der persische Großkönig Xerxes bei Herodot wurden im Hinblick auf Widersprüche in ihrer Person und der Mehrdeutigkeit ihres Handelns und Denkens analysiert. Bilder, Geschlechter und Identitäten bestimmten das dritte Panel. Während Athleten griechischer Poleis Zugehörigkeit auf verschiedenen Ebenen zu bespielen vermochten, widmeten sich zwei Beiträge der Frage nach der Geschlechtlichkeit – einmal in der Rezeption des antiken Rom in modernen Videospielen und ein andermal der Person des Sporus als Ehefrau von Kaiser Nero.
Aus archäologischer Perspektive wurde die visuelle Ambiguität im Kontext der Darstellung hellenistischer Herrscher anhand von Kleinbronzen näher studiert. Die Beiträge im vierten Panel widmeten sich den Phänomenen und Veränderungen in der Spätantike. Hierbei wurde der Fokus auf christliche Autoren, Konzilien und die Selbstrepräsentation der spätantiken Amtsaristokratie gelegt. Auf der Ebene der politischen Ambiguität beleuchteten Beiträge des fünften Panels die Eide in der Innenpolitik griechischer Poleis, die strukturellen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Sparta und Rom sowie die Herausforderungen antiker und moderner Demokratien angesichts politischer Widersprüche.
Insgesamt war es möglich die verschiedenen Themen breit zu diskutieren und bei aller Vielfältigkeit in den analysierten Aspekten zahlreiche Gemeinsamkeiten auf konzeptioneller Ebene zu finden. Die Tagung kann damit auf zukünftige Projekte verweisen und wird es ermöglichen, wichtige Impulse für Forschung und Lehre zu geben.
Foto: UR / Maike Baier Weitere Informationen
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Adrian Linz
Alte Geschichte
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