Die Universität Regensburg setzt ihren erfolgreichen Weg in der Gleichstellungsförderung fort: Im Rahmen des Professorinnenprogramms 2030 erhält sie Fördermittel in Höhe von mehr als einer Million Euro. Damit können zentrale Angebote für Wissenschaftlerinnen weiterentwickelt, neue Strukturen aufgebaut und die Genderforschung an der UR gezielt gestärkt werden. Über die Bedeutung des Programms, die geplanten Maßnahmen und die langfristigen Ziele der Gleichstellungsarbeit sprechen die Universitätsgleichstellungsbeauftragte für Frauen in Wissenschaft und Kunst, Prof.in Dr. Astrid Ensslin, und ihre Amtsvorgängerin Prof.in Dr. Isabella von Treskow.
Frau Prof.in Ensslin und Frau Prof.in von Treskow, die Universität Regensburg war mit drei Anträgen im Professorinnenprogramm 2030 erfolgreich. Wie ordnen Sie diesen Erfolg aus Sicht der Gleichstellungsarbeit an der UR ein?
Wir blicken tatsächlich auf eine nahtlose Historie erfolgreicher Förderanträge im Professorinnenprogramm (PP) seit 2008. Von besonderer Bedeutung war schon der Antrag im Jahr 2018 durch unsere Kollegin Prof.in Dr. Ursula Regener. Der Folge-Antrag von 2023 ist der, mit dem jetzt, aufgespaltet in drei Anträge, Gelder im Wert von über einer Million Euro eingeworben werden konnten, die bislang höchste Fördersumme überhaupt. Dadurch stehen Mittel für wichtige zusätzliche gleichstellungsfördernde Maßnahmen zur Verfügung. Zugleich gewinnt die Gleichstellungsarbeit an der UR weiter an Sichtbarkeit und wird damit strukturell noch stärker verankert. Dauerhaftigkeit der Maßnahmen und ihrer Erfolge ist und bleibt das Ziel.
Sie beide sind federführend für die drei erfolgreichen Anträge verantwortlich. Mit dem Programm fließen bis Herbst 2029 insgesamt 1.156.163 Euro an die UR. Welche zusätzlichen gleichstellungsfördernden Maßnahmen werden im Rahmen des Professorinnenprogramms 2030 an der Universität Regensburg gefördert?
Die Maßnahmen basieren überwiegend auf dem Gleichstellungskonzept der UR, das von Prof.in Dr. Isabella von Treskow während ihrer zweiten Amtszeit als Universitätsgleichstellungsbeauftragte für Frauen in Wissenschaft und Kunst zur ersten Antragsphase des PP 2030 auf den Weg gebracht wurde. Durch die bewilligten finanziellen Mittel können wir bestehende Projekte weiterentwickeln und neue Programme an der UR initiieren. Neben der Fortführung des erfolgreichen Mentoring-Programms, das bereits durch PP I und PP II finanziert wurde, ist unter anderem die stark nachgefragte Kindernotfall- und -ferienbetreuung an der UR bis September 2029 gesichert. Der Bereich Genderconsulting, der sich seit 2024 im Aufbau befindet, kann durch die Fördermittel weiter professionalisiert werden. Besondere Highlights sind zum einen die Konsolidierung der Verwaltungsstelle in den Bereichen Gendermonitoring und -controlling sowie im emergenten Onboarding-Programm für neuberufene Professorinnen. Zum anderen konnten wir eine Position zur gezielten Weiterentwicklung der Genderforschung an der UR einwerben. Mit diesem Schritt stärken wir im dynamisch anwachsenden Forschungsbereich „Frauengesundheit und Geschlechtersensible Medizin“ ein besonderes transdisziplinäres Profilmerkmal unserer Universität.
Wie profitieren insbesondere Early Career-Wissenschaftlerinnen und Postdoktorandinnen von den geplanten Maßnahmen?
Insbesondere die Möglichkeit, das sehr beliebte Mentoring-Programm weiterhin durchzuführen, das die Kollegin Prof.in Dr. Miriam Banas als stellv. Gleichstellungsbeauftragte verantwortet, kommt Early Career-Wissenschaftlerinnen und Postdoktorandinnen zugute. Es kann durch die eingeworbenen Mittel weiterhin koordiniert werden und wird seit der letzten Staffel auch auf Englisch angeboten – eine wichtige Öffnung für die internationalen Forscherinnen an der UR.
Das Programm unterstützt nicht nur die individuelle Förderung, sondern auch strukturelle Veränderungen. Welche langfristigen Effekte erhoffen Sie sich für die Universität Regensburg?
Wir erhoffen uns eine stärkere Verankerung von Gendermainstreaming als Selbstverständlichkeit in allen Bereichen der Universität sowie allgemein größere Sichtbarkeit der Gleichstellungsarbeit. Dies wird langfristig zu einem Anstieg des Professorinnenanteils an der UR beitragen und Wissenschaftlerinnen insgesamt bessere Möglichkeiten eröffnen, ihre Karrierepläne im akademischen System zu verwirklichen. Mit der neuen Stelle im Bereich der Genderforschung setzen wir zudem einen Impuls zur Konsolidierung bestehender Projekte und Themen mit dem Ziel, die Genderforschung an der UR nachhaltig zu etablieren und langfristig weiter auszubauen.
Inwiefern trägt das Professorinnenprogramm 2030 dazu bei, die Attraktivität der UR als Arbeitgeberin im nationalen und internationalen Wettbewerb zu stärken?
Mit der Entwicklung eines Onboarding-Programms für neuberufene Professorinnen haben wir ein einzigartiges Angebot geschaffen, das zur Steigerung und Erhaltung des Frauenanteils auf professoraler Ebene beitragen kann. Damit stärkt die UR ihre Attraktivität als Arbeitgeberin im nationalen und internationalen Wettbewerb und positioniert sich klar als Hochschule, die die Förderung und Sichtbarmachung von Frauen in Professuren konsequent verfolgt. Das auf Englisch angebotene Mentoring-Programm stärkt zudem die internationale Ausrichtung der UR und trägt dazu bei, die Universität als attraktive Arbeitgeberin für Wissenschaftlerinnen aus aller Welt zu profilieren.
Gleichstellung ist eine Querschnittsaufgabe. Wie sind Fakultäten, Universitätsleitung und weitere Akteurinnen und Akteure in die Umsetzung der Maßnahmen eingebunden?
Dank der Unterstützung der Universitätsleitung sowie der Fakultätsgleichstellungsbeauftragten ist Gleichstellungsarbeit auf allen Ebenen der UR systemisch verankert. Die Universitätsgleichstellungsbeauftragte für Wissenschaft und Kunst und die Koordinationsstelle Chancengleichheit stehen im regen Austausch mit den Fakultäten, die die Mittel aus dem Anreizsystem zur Gleichstellungsförderung gezielt einsetzen und individuelle Initiativen fördern. Forschungsverbünde und andere wissenschaftliche Netzwerke, die an der UR verankert sind, werden kontinuierlich bei der Umsetzung von Gleichstellungsstrategien beraten und miteinander vernetzt, um den Austausch zu fördern.
Im Bereich der Sensibilisierungsarbeit führen wir regelmäßig Veranstaltungen sowohl mit internen Partner*innen wie dem Familienservice und der Antidiskriminierungsstelle als auch mit unserer Nachbarhochschule, der OTH Regensburg, durch. Darüber hinaus sind wir mit der Stadt Regensburg und weiteren Akteur*innen in der Region sehr gut vernetzt. Am 8. März (Weltfrauentag) sowie anlässlich des Equal Pay Day sind wir zum Beispiel seit 2020 jedes Jahr an gemeinsamen Aktionen beteiligt.
Woran wird sich der Erfolg der geförderten Maßnahmen messen lassen – welche Kriterien sind Ihnen dabei besonders wichtig?
Hierfür ist unsere Investition ins Gendermonitoring und -controlling von entscheidender Bedeutung. Erstmals können einzelne Maßnahmen systematisch evaluiert werden, um den Bedarfen unserer Zielgruppen besser gerecht zu werden und die Mittel zielgenauer einzusetzen. Unser zentrales Kriterium ist und bleibt jedoch die Anzahl von Wissenschaftlerinnen auf allen Qualifikationsstufen und insbesondere in unbefristeten, akademischen Führungspositionen. Mit dem jährlichen Datenreport beobachten wir kontinuierlich, wie sich die Situation von Frauen an der UR entwickelt, und erfreulicherweise bewegt sich der Trend an der Universität Regensburg momentan innerhalb von Bayern am dynamischsten aufwärts.
Abschließend gefragt: Welche Botschaft möchten Sie Wissenschaftlerinnen mitgeben, die eine Karriere an der Universität Regensburg in Betracht ziehen?
Die Universität Regensburg versteht ihren gesetzlichen Gleichstellungsauftrag als zentrale Voraussetzung guter Wissenschaft. Forschung gewinnt dort an Qualität, wo unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden, Talente faire Chancen erhalten und akademische Laufbahnen nicht an strukturellen Hürden scheitern. Deshalb gehört die Förderung von Wissenschaftlerinnen zu den strategischen Entwicklungszielen der Universität – von der Nachwuchsförderung bis zur Professur.
Wissenschaftlerinnen, die eine Karriere an der UR in Betracht ziehen, werden an unserer Hochschule ihren eigenen wissenschaftlichen Weg mit einem Höchstmaß an Autonomie und Gestaltungsfreiheit verfolgen können. An der UR verbinden wir wissenschaftliche Exzellenz mit Offenheit, Respekt, internationaler Vernetzung und planbaren Karriereperspektiven. Gleichstellung bedeutet dabei als strategische Priorität die aktive Schaffung fairer Bedingungen für wissenschaftliche Entfaltung und ein transparentes, auf kollegialen Austausch und internationale Exzellenz ausgerichtetes Forschungsumfeld.
Die Universität Regensburg hat das im Hochschulvertrag mit dem Wissenschaftsministerium vereinbarte Ziel einer Professorinnenquote von 27 Prozent bei W2-/W3-Professuren bereits Ende 2025 übertroffen. Welche Bedeutung hat diese Entwicklung für die Gleichstellungsstrategie der Universität?
Wir freuen uns sehr über diesen Zuwachs, geben uns aber damit nicht zufrieden. Die positive Entwicklung der Statistiken ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die UR Gleichstellung sehr ernst nimmt. Im bundesweiten Vergleich sind wir jedoch noch nicht dort, wo wir hinwollen, und der Gleichstellungsauftrag ist erst erfüllt, wenn Parität in allen strukturellen Bereichen dauerhaft erreicht ist. Daher ist es uns ein großes Anliegen, die Gleichstellung an der UR konsequent weiter voranzutreiben und sie als selbstverständlichen Bestandteil universitärer Strukturen zu festigen. Nur so können wir diese Entwicklung nachhaltig konsolidieren und weiter ausbauen.
Am 1. Juli endet die Bewerbungsfrist für den Gleichstellungspreis der Universität Regensburg. Welche Projekte oder Initiativen sollen mit dem Preis besonders sichtbar gemacht und gefördert werden?
Mit dem Gleichstellungspreis der UR werden herausragende Verbund- oder Gruppenprojekte in den Bereichen Forschung, akademische Lehre und Selbstverwaltung, Wissenstransfer sowie studentisches Engagement ausgezeichnet, sofern sie einen zentralen Bezug zu Gleichstellung aufweisen und zur Herstellung von Chancengleichheit und/oder Geschlechtergerechtigkeit beitragen. Darüber hinaus werden in einer eigenen Kategorie auch einzelne Dissertationen oder Habilitationen an der UR im Bereich Gender Studies und/oder Women’s Studies ausgezeichnet. In den vergangenen Jahren konnten durch den Gleichstellungspreis herausragende Initiativen wie das MINT-Projekt Girls Go Science, die AG Medical Students for Choice und die AG Diversität des Zentrums für Sprache und Kommunkation (ZSK) gewürdigt werden.
Im Juli ist die Universität Regensburg zudem Gastgeberin der Tagung der Landeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an bayerischen Hochschulen (LaKoF). Welche Bedeutung hat dieses Treffen für den hochschulübergreifenden Austausch in Gleichstellungsfragen?
Als Gastgeberin der diesjährigen LaKoF freut sich die Universität Regensburg sehr, diesen zentralen Austausch der bayerischen Gleichstellungsakteur*innen auf unserem Campus zu ermöglichen. Die LaKoF ist ein wichtiges landesweites Austauschforum auf gleichstellungspolitischer Ebene der bayerischen Hochschulen. Als eigenständiges Gremium verfolgt sie das Ziel, strukturelle Hindernisse für Frauen im Hochschul- und Wissenschaftssystem sichtbar zu machen und abzubauen sowie Wissenschaftlerinnen durch gezielte Maßnahmen in ihrer wissenschaftlichen Karriere zu unterstützen. Durch Stellungnahmen, Empfehlungen und Konzepte wirkt sie zudem in die gleichstellungspolitische Diskussion an Hochschulen und in der Hochschulpolitik in Bayern hinein. Auch wenn die LaKoF als eigenständiges Gremium arbeitet, wird durch die Gastgeberschaft der UR die hohe Relevanz von Gleichstellungsthemen sichtbar und die enge Zusammenarbeit im bayerischen Hochschulraum ermöglicht.
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