Mit einem Festakt an der Universität Regensburg ist am Montag, 22. Juni 2026, Prof. Dr. Klaus P. Hansen als wissenschaftlicher Vorstand der Hansen-Stiftung verabschiedet worden. Zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter, Stiftungsmitglieder, Fellows sowie Gäste aus dem In- und Ausland würdigten das Lebenswerk des Gründers der Hansen-Stiftung und Vordenkers der Kultur- und Kollektivwissenschaft. Zugleich markierte die Veranstaltung den Übergang zu einer neuen Phase der Stiftungsarbeit: Die Nachfolge im wissenschaftlichen Vorstand übernimmt Dr. habil. Georg Trautnitz von der Andrássy Universität Budapest.
Unter dem Titel „Kollektivität als neue Disziplin“ beleuchteten die Referentinnen und Referenten die Entwicklung der Kollektivwissenschaft, ihre Bedeutung für aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen und die Perspektiven des Forschungsfeldes. Wissenschaftliche Vorträge von Fellows und langjährigen Partnern der Forschungsstelle, deren Themenspektrum von der Rezeption digitaler Social Media über klassische Sozialtheorie bis zu methodologischen Fragen prähistorischer Archäologie reichten, machten deutlich, wie nachhaltig die von Prof. Hansen begründeten Forschungsansätze heute in unterschiedlichen Disziplinen wirken.
„Klaus P. Hansen hat die Kultur- und Kollektivwissenschaft weit über die Grenzen einzelner Fächer hinaus geprägt. Dass die von der Hansen-Stiftung mitfinanzierte Forschungsstelle seit 2014 an der Universität Regensburg ihre wissenschaftliche Heimat gefunden hat, ist für unsere Universität ein großer Gewinn und Ausdruck des besonderen Vertrauens, das Prof. Hansen der Universität Regensburg entgegengebracht hat“, betonte Universitätspräsident Prof. Dr. Udo Hebel.
Wegbereiter einer neuen wissenschaftlichen Disziplin
Prof. Dr. Klaus P. Hansen gehört zu den prägenden Persönlichkeiten der deutschen Kulturwissenschaft. Im Rahmen seiner Professur für Amerikanistik und Kulturtheorie an der Universität Passau wandte er sich verstärkt der Erforschung menschlicher Kollektivität zu. Mit seinen Arbeiten legte er wesentliche theoretische Grundlagen für die Kollektivwissenschaft und entwickelte einen kulturwissenschaftlich geprägten Begriff des Kollektivs. Seit 2003 fördert die von ihm gegründete Hansen-Stiftung die wissenschaftliche Erforschung von Kollektivität. Seit 2014 wirkt Hansen als Direktor der Forschungsstelle Kultur- und Kollektivwissenschaft an der Universität Regensburg, seit 2015 zudem als Honorarprofessor der Fakultät für Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften.
Sein wissenschaftliches Anliegen war es stets, Kollektivität als grundlegende Form menschlichen Zusammenlebens zu erforschen und damit einen Beitrag zum Verständnis gesellschaftlicher Herausforderungen zu leisten. Die von ihm entwickelte Perspektive verbindet Fragestellungen aus Kulturwissenschaft, Soziologie, Geographie, Rechtswissenschaft, Wirtschaftswissenschaft und weiteren Disziplinen.
Kontinuität und neue Impulse
Mit der Übergabe des wissenschaftlichen Vorstands und damit der Stiftungsleitung an Dr. habil. Georg Trautnitz stellt die Hansen-Stiftung die Weichen für die Zukunft. Trautnitz, der den Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbes. Unternehmensführung, Organisation und CSR an der Andrássy Universität Budapest leitet und bereits seit Jahren in die Forschungsstelle eingebunden ist, wird die Arbeit der Stiftung künftig maßgeblich mitgestalten.
In seiner Rede hob Trautnitz einerseits die theoretischen Potentiale hervor, die mit der von Hansen entwickelten Kollektivwissenschaft verbunden sind und er skizzierte mögliche Entwicklungslinien. Andererseits ging er auf die institutionelle Konstruktion und die Governance von Stiftung, Forschungsstelle und Stiftungsprofessur ein: „Die 23-jährige Erfahrung der Stiftung zeigt: Die institutionelle Struktur des akademischen Öko-Systems Kultur- und Kollektivwissenschaft an der Universität Regensburg ist stabil und sie hat sich bewährt. Deshalb wird es vor allem um die Fortführung des bestehenden, fein austarierten Systems von checks and balances gehen.“
Die Universität Regensburg und die Hansen-Stiftung verbindet eine langjährige und enge Zusammenarbeit. Mit der Stiftungsprofessur für Kollektiv- und Kulturwissenschaften, die seit 2023 Prof.in Dr. Heike Delitz innehat, ist die wissenschaftliche Weiterentwicklung des Forschungsfeldes dauerhaft an der Universität verankert. Die Professur stärkt Forschung und Lehre im Bereich der transdisziplinären Kollektivitätsforschung (Collectivity Studies) und verankert an der Universität Regensburg eine genuin sozialwissenschaftliche Perspektive. „Wir verstehen collectivity studíes als den Ort, um all jene Disziplinen zu verbinden, die es mit Kollektiven zu tun haben, die – konzentriert auf je bestimmte Formen kollektiven Lebens, auf je andere Regionen, Zeiten oder Aspekte (wie das Politische; Macht und Wissen; oder Ungleichheit) – ihrerseits Begriffe, Theorien und Methoden dafür entfalten. Dabei sind Diskurse ebenso einzubeziehen wie die materielle Kultur; es sind auch andere, außereuropäische Bedeutungssysteme mit ihren Kollektivbegriffen im Blick zu halten; und ebenso halten wir all jene Theorien und Forschungen im Blick, die – wie die postcolonial und subaltern studies – für eine allgemeine Theorie und Erforschung von Kollektivität ihrerseits und empirische Materialien und neue Begriffe zur Verfügung stellen: Begriffe wie Hybridität und Mimikry, kulturelle Verschränkung und Diaspora oder Subalternität.“
Über die Hansen-Stiftung
Die Hansen-Stiftung wurde 2003 von Prof. Dr. Klaus P. Hansen gegründet. Ihr Ziel ist die Förderung der Erforschung menschlicher Kollektivität. Die Stiftung unterstützt insbesondere Promotionsprojekte, wissenschaftliche Konferenzen sowie Publikationen im Bereich der Kultur- und Kollektivwissenschaft. Sie arbeitet eng mit der Forschungsstelle Kultur- und Kollektivwissenschaft der Universität Regensburg zusammen. Sämtliche Entscheidungen über Fördermaßnahmen werden auf Grundlage eines interdisziplinären Begutachtungsprozesses getroffen.
Die Hansen-Stiftung an der Universität Regensburg
Seit dem Umzug der Forschungsstelle von Passau nach Regensburg im Jahr 2014 bildet die Universität Regensburg das institutionelle Zentrum der Kultur- und Kollektivwissenschaft. Die Forschungsstelle bündelt Forschungsaktivitäten zum Thema Kollektivität, betreut von der Stiftung geförderte Projekte und trägt deren Ergebnisse durch Publikationen, Konferenzen und Lehrangebote in die wissenschaftliche Öffentlichkeit. Zu den sichtbaren Ergebnissen der Zusammenarbeit zählen unter anderem die „Zeitschrift für Kultur- und Kollektivwissenschaft“, die Schriftenreihe „Kultur und Kollektiv“, die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie innovative Studienangebote im Bereich der Collectivity Studies.
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