Rückblick & Eindrücke
Wir konnten tolle Gäste für unser Programm des Early Career Forums 2025 gewinnen: Als Direktorin des PUR eröffnete Frau Prof. Dr. Schiltz gemeinsam mit dem Vizepräsidenten für Forschung und Nachwuchsförderung, Prof. Dr. Tamm die Veranstaltung.
Den Auftakt machte dann Frau Jowita Fuchshofer von UR Science Outreach (ehem. FUTUR) mit einem Gastbeitrag zum Thema Personal Branding und Wissenschaftskommunikation. Danach folgten Präsentationen der aktuellen Dissertationsprojekte und gemeinsame Diskussionen derselben von Christian Sigl (Internationale Beziehungen), Paul Schillinger (Geschichte), Jakob Berg (Politikwissenschaft), Sebastian R. Richter (Medienwissenschaft), Bernhard Fuchs (Geschichte) und Silvia Donzelli (Philosophie) sowie eine Musterdisputatio von Viktoria Taboga-Strauss (Kunstgeschichte).
Programm
09:00–09:15h | Begrüßung: PROF. ERNST R. TAMM
09:15–10:45h | Gastvortrag
JOWITA FUCHSHOFER (UR Science Outreach) “Ich als Marke? Personal Branding und Positionierung im Wissenschafts- und Berufsfeld”
Jowita Fuchshofer ist Referentin für Wissenschaftskommunikation bei UR Science Outreach der Universität Regensburg (ehem. FUTUR). In ihrer Rolle entwickelt sie Formate zur Sichtbarkeit der wissenschaftlichen Aktivitäten und setzt sich aktiv für den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft ein. Ihr akademischer Hintergrund in Germanistischer Linguistik und Marketing sowie ihre langjährige Erfahrung als Business Coach prägen ihre interdisziplinäre Perspektive.
Ich als Marke? Personal Branding und Positionierung im Wissenschafts- und Berufsfeld
In diesem Vortrag beleuchtet Jowita Fuchshofer, wie Personal Branding für Wissenschaftler*innen zu einem strategischen Werkzeug für die eigene Karriereplanung werden kann. Mit dem Titel „Ich als Marke?“ werden die Teilnehmer*innen zur Reflexion und Diskussion eingeladen: Wie viel Marke ist in der Wissenschaft sinnvoll, und wie kann man sich authentisch und wirkungsvoll präsentieren?
Neben der Auseinandersetzung mit den Grundlagen und der Bedeutung von Personal Branding geht es auch um praktische Schritte, wie Wissenschaftler*innen ihre Forschung und Karriere gezielt positionieren können – sowohl im akademischen Kontext als auch darüber hinaus. Der Vortrag vermittelt, wie man ein überzeugendes Profil aufbaut und sichtbar wird, sei es auf Konferenzen, in Publikationen oder in der beruflichen Netzwerkarbeit.
10:45 – 11:15h | Kaffeepause
11:15 – 12:15h | Panel I (Chair: Franziska Weigert)
CHRISTIAN SIGL (Internationale Beziehungen) “In Feindschaft vereint? Die USA und der iranische Nukleardeal”
Die bilateralen Beziehungen zwischen den USA und Iran sind durch offene, konstante und wechselseitige Feindschaft gekennzeichnet. Seitdem Irans Ambitionen zur Entwicklung einer Atomwaffe Anfang der 2000er Jahre aufgedeckt wurden, haben die USA verschiedene Versuche unternommen, Iran daran zu hindern, ein Atomwaffenstaat und damit eine Hegemonialmacht im Nahen Osten zu werden; bis jetzt haben weder die Strategie des „maximalen Drucks“ (einschließlich Sanktionen) noch der diplomatische Ansatz rund um den iranischen Nukleardeal eine langfristige Lösung gebracht. Die Inkonsistenz, die bei der Aushandlung des JCPOA unter der Obama-Administration 2015 und dem Rückzug unter der Trump-Administration 2018 im Mittelpunkt stand, zeigt eine Diskontinuität in der US-Außenpolitik. Kontrastiert man dazu noch die Biden-Administration und die neusten Entwicklungen in Trumps zweiter Amtszeit und die Ankündigung neuer Verhandlungen, stellt sich die Frage, wie die starken Schwankungen in der US-Außenpolitik in den letzten 10 Jahren zu erklären sind.
In diesem Vortrag wird argumentiert, dass – innerhalb des Forschungsfeldes der internationalen Politik – die (Dis)Kontinuität der US-Außenpolitik mit einem Streben nach Ontologischer Sicherheit erklärt werden kann: Die USA brauchen Iran als Feindbild, um ihre außenpolitische zu stabilisieren. Obwohl sich die Strategien der verschiedenen US-Administrationen unterscheiden, blieb und bleibt die Feindschaft bestehen. Der Konflikt um das iranische Atomprogramm muss somit als pars pro toto verstanden werden: Er ist Ausdruck der zugrundeliegenden komplexen sozialen Beziehungen zwischen den beiden Staaten, die sich in ihrem Selbstverständnis, ihrer regionalen Rolle und ihrer geopolitischen Macht stark unterscheiden. Im Kern wird in diesem Vortrag die Spannung zwischen den verheerenden Konsequenzen einer militärischen (nuklearen) Eskalation und der öffentlich zur Schau gestellten Konstruktion des Anderen als Feind beleuchtet.
PAUL SCHILLINGER (Geschichte) “An Austrian Orientalist in India: Aloys Sprenger, Translating Urdu, and Shifting Colonial Visions”
Aloys Sprenger (1813-1893) war österreichischer Orientalist, der im britischen Indien dazu beitrug, westliche wissenschaftliche Texte in lokale Sprachen wie Urdu zu übersetzen. Generell wird Sprenger hierfür auch heute noch gelobt, aber durch spätere Schriften und Taten wird dieses positive Bild etwas gestört, da er in einer Veröffentlichung z.B. empfahl, dass die deutsche Regierung Babylonien beschlagnahmen sollte, u.a. weil es Erdölquellen hätte. In diesem Kurzvortrag werde ich anhand Sprengers Arbeiten vorstellen, welche Rolle Übersetzung in der Wissenschaft hat und wie das helfen kann, Sprengers Motivation aufzudecken.
12:15 – 13:45h | Mittagspause
13:45 – 14:00h | Neuwahl der Promovierendenvertreter:innen
14:00 – 15:00h | Panel II (Chair: Viola Melzner)
JAKOB BERG (Politikwissenschaft) “Politische Botschaften in sozialen Medien zwischen viralen Memes und komplexen Erklärungen: Eine Performanzanalyse”
Das im ersten Teil des Vortrags im Überblick vorgestellte Dissertationsprojekt untersucht die Viralität politischer Botschaften in sozialen Medien mit dem Ziel, Erfolgsfaktoren und ihre Auswirkungen auf die politische Kommunikation zu analysieren. Im Fokus stehen dabei Unterschiede zwischen populistischen und komplexen Botschaften sowie der Einfluss technischer und inhaltlicher Faktoren auf die Verbreitung. Methodisch wird ein breites Spektrum angestrebt, darunter quantitative Inhaltsanalysen, Netzwerkanalysen und Machine Learning, ergänzt durch qualitative Interviews und Eye-Tracking-Experimente.
Im zweiten Teil des Vortrags werden erste vorläufige Ergebnisse aus dem ersten Projektteil der Dissertation vorgestellt, der sich damit beschäftigt, welchen Einfluss Prominente und Stars auf den politischen Diskurs in Sozialen Medien haben und wie sie die Performance von politischen Posts verändern.
SEBASTIAN R. RICHTER (Medienwissenschaft) “Die Macht der Passivität – The Longing und das Warten”
Stellen wir uns vor, unser Leben beginnt in einer Höhle und unsere einzige Aufgabe besteht darin, 400 Tage zu warten, bis unser König ausgeschlafen hat und erwacht ist. Dann haben wir unsere Aufgabe erfüllt und unser Leben ist zu Ende. Obwohl nichts weiter nötig ist, um das Spiel The Longing (Studio Seufz 2020) zu bewältigen, führt diese Aufgabe die Mechanik des Computerspiels ad absurdum. Denn die Spieler:innen warten genau diese Zeit. Warten wird in The Longing zu einer besonderen Form des Handelns, bei der ein Scheitern unmöglich sein soll. Es ist zudem mit dem Zwang des Nichthandelns verbunden. Der gottgleiche König erschafft einen Schatten, den wir als Spieler:Innen kontrollieren. Um schlafen zu können, erschafft er ein Wesen, das an seiner Stelle handelt und das wiederum von uns gesteuert wird. Diese absurde Grundsituation macht deutlich, worum es in dem Spiel tatsächlich geht, nämlich um ein Aufbegehren gegen die Sinnlosigkeit. Mit dem Schatten als Avatar können wir die Höhle erkunden, wir können uns gegen den eigentlich sinnlosen Auftrag auflehnen und können innerhalb dessen doch passiv Scheitern. In meinem Vortrag möchte ich diese merkwürdige Zeitlichkeit des „Wartens“ veranschaulichen und mit Thesen zur interaktiven Passivität (in sogenannten „Idle Games“) und einer existenzphilosophischen Brille einrahmen.
15:00 – 15:30h | Kaffeepause
15:30 – 16:30h | Panel III (Chair: Lisa Finn-Hampel)
BERNHARD FUCHS (Geschichte) “Die Bewältigung von Brandkatastrophen in bayerischen Städten im 19. Jahrhundert”
Die Gefahr großer Stadtbrände war in bayerischen Kleinstädten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts allgegenwärtig. Insbesondere in den nordöstlichen Regionen Bayerns traten große Feuerkatastrophen häufig auf. In einem ersten Teil der Arbeit werden deshalb statistisch die Ursachen und Verteilungen der Brandkatastrophen untersucht. Der zweite Teil stellt den Umgang der Menschen mit diesen Extremsituationen in den Vordergrund und versucht, die Bewältigungsstrategien der Betroffenen sowie der staatlichen Verwaltung aufzuzeigen. Dazu zählen die Lösch- und Hilfsmaßnahmen am Brandtag, die bayernweiten Kollektensammlungen, das staatlich organisierte Versicherungswesen und der materielle Wiederaufbau. Hier zeigen sich konkurrierende Interessen der Abbrändler, die möglichst kostengünstig auf ihren angestammten Grundstücken wiedererbauen wollten, und der Behörden, die möglichst feuersicher nach modernen Gesichtspunkten eine schöne und gesunde Stadt errichten wollten.
SILVIA DONZELLI (Philosophie) “Komplizenschaft durch Sprache und durch Schweigen”
In diesem Beitrag wird der Begriff Komplizenschaft verwendet um die Unterstützung, Hilfe oder Förderung von Verbrechen und Gewalttaten, die von Dritten begangen werden, zu bezeichnen. Man kann Gewalttaten auf unterschiedliche Art und Weise unterstützen, zum Beispiel durch die Lieferung physischer Mittel, wie Waffen und Logistik. Wie Geschichte und Aktualität zeigen, wird Gewalt aber nicht lediglich auf der materiellen, sondern erheblich auch auf der psychischen, motivationalen Ebene gefördert. Dies kann Sprache bewirken, durch explizite und auch subtilere Formen verbaler und bildlicher Kommunikation. Während anstiftende Rede, Verhetzung und Propaganda durchaus erforscht und trotzdem herausfordernd bleiben, wird oft missachtet, dass auch das Schweigen eine gewaltfördernde Wirkung entfalten kann.
Dieser Beitrag befasst sich mit phänomenologischen, sowie mit normativen Aspekten der Komplizenschaft durch Rede und durch Schweigen. Es wird einen normativen Zusammenhang zwischen beiden Formen der Komplizenschaft umrissen und abschließend die politische und ethische Effektivität sanktionsfreier Lösungen erwogen. Berücksichtig werden sowohl analoge kommunikative Kontexte als auch die Spezifika digitaler Interaktion.
16:30 – 17:00h | Kaffeepause
17:00 – 18:30h | Musterdisputatio
VIKTORIA TABOGA-STRAUSS (Kunstgeschichte) “Schloss Taxis. Zur Umgestaltung des ehemaligen Schlosses Trugenhofen durch Ludwig Foltz 1858–1867”
Die Promovendin der Kunstgeschichte verteidigt ihre Dissertation gegenüber einer „Scheinkommission“ mit Frau Prof. Dr. Schiltz, Frau Prof. Dr. Heibach und Frau Prof. Dr. Odzuck.
Schloss Taxis (bis 1819 ‚Schloss Trugenhofen‘) liegt in der Nähe Neresheims an der Grenze Baden-Württembergs zu Bayern und befindet sich seit 1734 in Privatbesitz der Fürsten von Thurn und Taxis. Es besteht aus mehreren Gebäuden; die Herrschaftsgebäude (Hohes Schloss, Fürstenbau, Prinzen- und Theaterbau, Cavalierbau) sind um einen Oberen und einen Unteren Schlosshof gruppiert. Ein großer Hofgarten und Ökonomiegebäude schließen sich an, seit 1789 lädt auch ein Englischer Wald mit diversen Parkarchitekturen zum Lustwandeln ein. Neben Musik und Theater waren Jagden ein fester Bestandteil des höfischen Gesellschaftslebens im fürstlichen Sommerschloss. Ab 1858 wurden Um- und Neubauten durch den Architekten Ludwig Foltz ausgeführt, das Schloss sollte für Erbprinz Maximilian Anton Lamoral und seine Frau Helene (Schwester Kaiserin Elisabeths von Österreich) im neogotischen Stil modernisiert werden.
Die Dissertation legt ein umfassendes Forschungsbild über die Schlossanlage Taxis unter den Aspekten der Architekturhistorie vor. Zentrale Fragen nach Geschichte, Funktion, Nutzung und Form wurden in drei primären Abschnitten vertieft, wobei eine Fokussierung auf die baumonographische Darlegung der Einzelgebäude zwischen 1858 und 1867 erfolgt. Mögliche Intentionen des Bauherrn werden aufgeführt, beteiligte Architektenfiguren erfasst sowie der organisatorische Planungs- und Bauprozess analysiert. Untersuchungen des OEuvres von Foltz und der Nutzungshistorie münden in der typologischen Erfassung der neogotischen Umbauten sowie deren Kontextualisierung im romantischen Schlossbau des 19. Jahrhunderts, der Burgenrenaissance und des Maximilianstils.
Durch damit einhergehende stilistische Vergleiche kann aufgezeigt werden, dass Schloss Taxis ein Sonderfall bleibt: Die unvollendete neogotische Umformung bewahrt den Einblick in die historische Bausubstanz und Genese des Schlosses, dessen lang zurückreichende Geschichte bleibt an der Architektur ablesbar. Um Aussagen über die Intention des Bauherrn und dessen Einfluss auf die Typologie treffen zu können, wurden die in Auftrag gegebenen Umbauten von Schloss Taxis im sozialen Ranggefüge des Adelsstandes und seiner herrschaftlichen Bauaufgaben im 19. Jahrhundert diskutiert. Hinsichtlich der Nutzung ist festzustellen, dass Schloss Taxis im 19. Jahrhundert vielfältig genutzt wurde: Eine Funktion als Sommerresidenz, Jagdschloss, Witwensitz oder inszenierter Familiensitz war möglich und überlagerte sich teilweise. Die Ansprüche an die Architektur wechselten mit seinen Bewohnern, es handelt sich um einen multifunktionalen Schlossbau.
Ab 18:30h | Gemeinsames Abendessen bei Da Tino (Am Haidplatz 4)
Was ist das Early Career Forum?
Das Early Career Forum (ehem. “Tag des wissenschaftlichen Nachwuchs”) ist die Jahrestagung des PUR.
Neben promotionsrelevanten Gastvorträgen durch geladene Expert:innen bietet das Early Career Forum den Teilnehmenden die Gelegenheit, das eigene Forschungsprojekt vor interdisziplinären Promotionskolleg:innen zu präsentieren. Außerdem bietet das ECF die Möglichkeit zur Vorbereitung auf die Abschlussprüfung durch eine Musterdisputation vor einer ‘Scheinkommission’.