Vergangene Ringvorlesungen
Wintersemester 2025/6
Homerisches Gelächter? Lachen in der und über die Antike
Ein eher überschaubares Echo hat in den Altertumswissenschaften das nicht enden
wollende, „unauslöschliche“ Gelächter erzeugt, in das die olympischen Götter, Homer zufolge, aus Spottsucht und Schadenfreude ausbrachen. Die
Taten und Werke der Antike, der Apoll von Belvedere oder die Feldzüge Cäsars, scheinen wenig Anlass zu universeller Heiterkeit zu geben. Und doch ist in den klassischen Mittelmeerkulturen ein beeindruckendes Spektrum an pointierten
thematischen Facetten von Humor zu fassen.
Diese reichen von philosophischen Konzepten über rhetorische und politische Strategien, die Komödie, Epigramme und Theatermasken bis hin zu Graffiti und Tierkarikaturen. Dem Selbstverständnis des Zentrums für Klassikstudien folgend soll auch im Winter 2025/26 die fachspezifisch-altertumswissenschaftliche Perspektive interdisziplinär erweitert werden. Daher fragen 12 Beiträge einerseits nach Formen des Komischen in der Antike und der Rezeption des Altertums unter humorvollem Vorzeichen. Zur Debatte stehen anderseits interdisziplinäre Forschungen zu dieser Kategorie, insbesondere in Gestalt der Differenzierungen innerhalb der ‚Humor studies‘ und philosophischer Reflexionen.
Wintersemester 2024/5
Fremdheit - Faszination und Angst
Die wissenschaftliche Diskussion über Vorstellungen vom Fremden und von Fremdheit, die aus einer eurozentrischen Perspektive tendenziell zu einer Mythisierung, Mystifizierung oder Abqualifizierung von Menschen und Kulturen führen, ist seit den 1970er Jahren nicht mehr abgerissen. Forschungen, die um das ‚kulturell Andere‘ kreisen, trugen dazu bei, epochenübergreifend auf zwiespältige Verhaltensmuster in der Konfrontation mit Fremden und dem Fremdem hinzuweisen. So wird der ‚unzivilisierte Wilde‘ schon seit Tacitus einerseits wegen einer gleichsam naturwüchsigen moralischen Unbedarftheit oder Unschuld geschätzt, aber eben deswegen zu einem Objekt für erzieherische Maßnahmen. Hingegen schwanken gegenüber alteingewurzelten Hochkulturen die Gefühle seit den Tagen Herodots häufig zwischen Faszination und Unbehagen, ja Angst: Soll man die weit zurückreichenden Traditionen etwa von Religion und Weisheit bewundern oder deren starren und abergläubischen Charakter verurteilen? Soll man den großen Leistungen fremder Herrscher nacheifern oder deren Brutalität, Despotismus und Prunksucht fürchten? Jedenfalls wird das Andere, Fremde fast immer nach eigenen Erfahrungen, Maßstäben und Normen beurteilt und behandelt. In der Ringvorlesung wollen wir uns dieser Problematik in einer Reihe disziplinär, methodisch und vom konkreten Gegenstand her vielfältiger Einzelvorträge stellen.
Im Wintersemester 2024/25 soll dieses Themenfeld in zwölf Vorträgen einschlägiger Experten und Expertinnen erkundet werden. Der Auftakt erfolgt am Mittwoch, den 23. Oktober 2023. Die Vorträge finden immer am Mittwoch um 18:15 Uhr im Hörsaal H22 statt.
Wintersemester 2023/4
Antike Weltuntergänge - Zur Resilienz des Klassischen
Schon gestern ging die Welt unter, und wird sie auch morgen zuverlässig untergehen? Angesichts der Dringlichkeit existenzieller globaler Probleme scheint es zunächst zynisch, Katastrophen durch einen Blick in die Geschichte zu kontextualisieren oder gar zu relativieren. Gerade das klassische Altertum birgt jedoch eine Fülle an erlittenen und imaginierten, befürchteten und erinnerten Schicksalsschlägen, deren Bewältigung relevante Strategien und wertvolle Überlegungen zu erkennen gibt. Vordergründig ist dabei an die Dauerhaftigkeit von Elementen antiker Kultur zu denken, welche den fortlaufenden Wandel institutioneller und sozialer Strukturen bis heute in erstaunlicher Weise überdauert haben. Dadurch, dass sich das Altertum von einer vergänglichen historischen Epoche zu einem scheinbar überzeitlichen, 'klassischen' Ideal wandelte, das zumindest Europa von den Sprachen über die Selbstbezeichnung bis hin zu politischen Systemen und dem Fächerkanon der Hochschulen prägt, kann sich hier das Moment der sogenannten Resilienz idealtypisch manifestieren. Der seit den 1970er Jahren in der Psychologie etablierte Begriff ist längst zu einer wichtigen Kategorie in den Geisteswissenschaften geworden. Er hilft, nach Aspekten der Widerstandsfähigkeit auf sozialer, politischer und kultureller Ebene zu fragen, nach Konzepten der Dauerhaftigkeit, nach Praktiken, die lange Zeiträume überbrücken.
Vor allem aber bietet die Vielfalt von Krisenerfahrungen in der Antike ein unerschöpfliches Reservoir kritischer Themen für die Gegenwart: von philosophischen und literarischen Zerstörungsvisionen wie dem Untergang Atlantis‘ oder dem Brand Trojas über den Zerfall und die Eroberung mehrerer Weltreiche bis hin zu Naturkatastrophen und Epidemien. Durch historiographische Modelle und die Endzeiterwartungen des Christentums fanden derartige Ereignisse ihren Ort in wirkmächtigen Sinnkonstruktionen. Im Wintersemester 2023 soll dieses Themenfeld in zwölf Vorträgen einschlägiger Experten und Expertinnen erkundet werden. Neben Entwicklungen in Antike und Spätantike selbst steht dabei auch der Rückblick auf historische Zäsuren im Vordergrund, sei es in der Literatur oder den Bildkünsten. Der Auftakt erfolgt am Mittwoch, den 25. Oktober 2023 (18.15 Uhr, H6).
Wintersemester 2022/3
Innovation, Nachhaltigkeit, Antike? Klassikstudien im digitalen Zeitalter
Spätestens seit der Verbreitung von Personal Computern Mitte der 1980er-Jahre an den Universitäten weltweit, und sodann der Etablierung des Internets als eines akademischen Arbeitsinstruments um die Jahrtausendwende, wurden vielfältigste digitale Anwendungen in altertumswissenschaftlichen Kontexten eingeführt und gehören heute zur selbstverständlichen Arbeitsgrundlage moderner Antikenforscher/innen. Die entsprechenden digitalen Anwendungsbereiche firmieren gegenwärtig unter dem Namen Digital Classics (Digitale Altertumswissenschaften) und markieren an den Universitäten weltweit die innovativsten und nachhaltigsten wissenschaftlichen Betätigungsfelder, welche in den letzten 10 Jahren zur Gründung und Etablierung verschiedener Einrichtungen, Arbeitsbereiche oder gar Institute geführt haben.
Die Ringvorlesung möchte in Anbetracht dieser neueren und neuesten Entwicklungen zunächst einen Überblick geben über die Vielfalt und den Nutzen digitaler Anwendungsmöglichkeiten und Instrumente im Bereich der Altertumswissenschaften und ihrer Nachbardisziplinen. Neben einführenden und überblickshaften Vorträgen sowie solchen, welche sich mit der ethischen Dimension der Digitalität im Bereich der Klassikstudien beschäftigen, wird sich die größte Zahl der Vorlesungen zum einen der Vorstellung verschiedener digitaler Tools widmen, die auch mit Blick auf ihre nachhaltige Anwendbarkeit und ihren wissenschaftlichen Nutzen untersucht werden sollen; zum anderen werden einzelne Vorträge auch auf die digitale Schnittstelle zwischen Universität und Gesellschaft (z.B. Schule, Tourismus) eingehen, um von hier aus besonders innovative Zugriffsmöglichkeiten auf altertumswissenschaftliche Gegenstände zu beleuchten. Die technischen Grundlagen werden dabei kontextbezogen thematisiert, ohne aber im Mittelpunkt zu stehen. Daher richtet sich die Vorlesung insbesondere auch an Anfänger im Bereich „Digital Classics“.
Die Ringvorlesung beschäftigt sich in einer Folge von dreizehn Vorträgen verschiedener Referentinnen und Referenten aus verschiedenen Fachbereichen. Der Auftakt erfolgt am Donnerstag, den 26. Oktober 2022 (18.15 Uhr, H 22).
Wintersemester 2021/2
Nichts als die Wahrheit? Sein und Schein in Philosophie, Literatur und Kunst
Das Spannungsfeld von Sein und Wahrheit auf der einen Seite sowie Schein, Täuschung und Lüge ist ein Grundproblem der europäischen Philosophie, Literatur und Kunst. Seit der griechischen Antike, als zum ersten Mal ein dezidierter Wahrheitsbegriff formuliert wurde, zeigte sich das, was für Wahrheit gilt, stets vor dem Hintergrund seines Zusammenhangs mit den Phänomenen des Scheins, der Täuschung und Lüge. Platon und Aristoteles rückten den Unterschied von Sein und Schein in das Zentrum ihres Philosophierens und zugleich das Kunstschöne in einen expliziten Zusammenhang mit dem Wahren und Guten. Dieses Verständnis gerät spätestens in der Moderne in eine Krise, als einerseits so etwas wie eine Ästhetik des Hässlichen aufkommt, die nicht mehr im Schönen, sondern im Entstellten das Wahre entdeckt, andererseits die Phänomenologie als neue philosophische Denkströmung entsteht, die im Schein als solchem Sein und Wahrheit erkennt. Konfrontiert mit dem exklusiven Wahrheitsanspruch empirischer und mathematisch fundierter Naturwissenschaft, aber auch dem grundlegenden Hinterfragen der Möglichkeit von Erkenntnis in dekonstruktivistischen und poststrukturalistischen Strömungen, steht die Vorstellung einer ‚Wahrheit‘ heute vor existentiellen Herausforderungen.
Die Ringvorlesung beschäftigt sich in einer Folge von zwölf Vorträgen verschiedener Referentinnen und Referenten aus den Bereichen der Philosophie, Literatur- und Kunstwissenschaften mit dem seit der Antike virulenten Problem. Den Auftakt macht am Donnerstag, den 28. Oktober 2021 (18.15 Uhr, H 22), ein Gastvortrag von Christoph Horn, Professor an der Universität Bonn und durch zahlreiche Publikationen ausgewiesener Kenner der antiken wie nachantiken Philosophie. Er beschäftigt sich mit der grundlegenden Frage „Was ist Wahrheit? Eine kurze Geschichte philosophischer Wahrheitstheorien“. Die übrigen Vorträge folgen ab dem 10. November im wöchentlichen Rhythmus jeweils mittwochs, 18.15 Uhr, im Hörsaal H 4 (zentrales Hörsaalgebäude der Universität), mit Ausnahme des ersten Vortrags am Donnerstag den 28.10.21 im H 6.
Wintersemester 2020/1
Entfernte Verwandte. Mensch und Tier
Seit der Antike kommt kaum eine Definition ‚des Menschen‘ oder des ‚Menschseins‘ ohne eine Auseinandersetzung mit der Relation zum Tier aus. Daraus hervorgegangen ist beispielsweise das von in der antiken Philosophie entwickelte, aber danach immer wieder aufgegriffene Konzept der scala naturae, einer Rangordnung der unterschiedlichen Formen von Lebewesen und unbelebter Natur. Das Verhältnis von Mensch und Tier spielt aber nicht nur in Philosophie und Religion eine große Rolle. Es berührt ganz aktuell Fragen des rechtlichen Rahmens, der Ethik und Praxis von Jagd, Tierhaltung und Fleischkonsum, Probleme der Verwendung von Tieren zur Schaustellung in Zoo und Zirkus oder als Versuchsobjekte wissenschaftlicher Forschung. Nicht zuletzt sind ‚vermenschlichte Tiere‘ und Mischwesen aus Mensch und Tier ein Dauerthema von Literatur und Bildkunst – Vorstellungen und Motive, mit denen zugleich oft Ängste und Widerstände assoziiert sind. Verschiedene Aspekte dieses vielfältigen Themas werden in den einzelnen Beiträgen zur Ringvorlesung präsentiert.
Wintersemester 2018/9
Demokratie - die beste Form der Herrschaft?
Ist die Demokratie tatsächlich die beste Regierungsform? Und was versteht man überhaupt unter einer ‚Volksherrschaft‘, in welchen direkten oder vermittelten Formen ist sie realisierbar? Bereits in der Antike ist darüber, namentlich am Beispiel Athens, zuweilen heftig gestritten worden. Feierten die einen die Demokratie als Übertragung aller Entscheidungsgewalt auf die gesamte Bürgerschaft, sahen andere in der ‚Verführbarkeit der Masse‘ und dem Auftreten von ‚Demagogen‘ die Gefahr der tyrannischen Mehrheits- bzw. Parteienherrschaft aufscheinen. Solche Diskussionen wurden und werden im Grunde immer wieder aktualisiert, sei es in der Französischen Revolution, als die Warnungen Voltaires und anderer vor einem „gouvernement de la canaille” zu einer engeren Orientierung an der römischen Adelsrepublik als am demokratischen Athen führte, sei es heute, wo das Hervortreten populistischer Strömungen und Führer das Bekenntnis zur Demokratie ‚westlichen Typs‘ auf die Probe zu stellen scheint. Vor diesem Hintergrund sollen im Zyklus der Ringvorlesung demokratische Ideen und Verfassungsentwürfe, Bruchstellen und Gefährdungen demokratischer Systeme sowie die Selbstdarstellung demokratisch verfasster Gesellschaften thematisiert werden.
Wintersemester 2017/8
Irrfahrt ins Wissen. Expedition - Bildungsreise - Odyssee
Die Vorlesungsreihe thematisiert Entdeckungs- und Bildungsreisen sowie, auf einer abstrakteren Ebene, die Reise als Metapher des Erkenntnisgewinns und schließlich fiktive und utopische Reisen. Ein zentrales Interesse gilt dabei der wechselseitigen Abhängigkeit von sachlicher und räumlicher Ordnung von Wissen. In den einzelnen Vorträgen werden Reiseerfahrungen von Abenteurern, Wissenschaftlern, Künstlern und Architekten vor allem der Zeit des 16. bis 19. Jhs. behandelt, daneben auch antike Reflexe und Darstellungen von Reisen in der Literatur ebenso wie in gebauten Erinnerungslandschaften.
Wintersemester 2016/7
Begriffe der Liebe. Freundschaft - Eros - Sympathie
Die Liebe ist einerseits in all ihren Facetten eine bestimmende Wirklichkeit des Menschen und zugleich eine Erfahrung, die immer schon mit einer Deutung verbunden ist. Die Prägungskraft der Antike – in Dichtung, in bildender Kunst – zeigt sich sowohl in den Sprachen der Liebe wie in ihren Darstellungen ganz unverkennbar. Die Philosophie der Antike hat versucht, die Erfahrungen des Menschen weniger darzustellen als vielmehr zu verstehen. Auch dieses Verständnis – in Wahrheit eine Pluralität konkurrierender Deutungen – ist in positiver Orientierung wie in Versuchen der Transformation oder der Abstoßung präsent geblieben.
Diese Ringvorlesung will die Prägungswirkung des antiken Denkens vergegenwärtigen. Für dieses Vorhaben haben sich prominente Vertreter der jeweiligen Forschungsgebiete gewinnen lassen, die im frühen Christentum, in der Renaissance, aber auch im Denken der Moderne die Anknüpfungen ebenso wie die Suche nach Alternativen vorführen. Dabei stellt sich aber auch die Frage, ob es überhaupt einen die ganze Antike bestimmenden Begriff der Liebe gibt. Naturgemäß stehen daher im ersten Teil der Vorlesung die großen Entwürfe des antiken Denkens zur Debatte.
Wintersemester 2015/6
Vom Grund des Tragischen. Ansätze zur Interpretation der Tragödie
Die modernen Interpretationen der griechischen Tragödie fragen vor allem nach deren Ursprung, Geschichte und Wirkung bzw. Rezeption. In ihnen kommt eine Vielfalt von konstitutiven Elementen zu Wort (u.a. Mythos, Poetik, Kult, Recht, Kultur, Philosophie, Theater, Musik, Kunst, Psychologie) und sie werden im Kontext verschiedener Fächer gewonnen und untersucht (v.a. Klassisch Philologie, Religionsgeschichte, Alte Geschichte, Archäologie, Rechtsgeschichte, Kulturwissenschaften, Theaterwissenschaften, Musikwissenschaft, Kunstgeschichte, Psychologie, Philosophie, versch. moderne Philologien). Die Interpretation der griechischen Tragödie als ganzer in all ihren möglichen und notwendigen Hinsichten ist somit eine interdisziplinäre Angelegenheit. Dem trägt die am fächerübergreifenden Zentrum für Klassikstudien geplante Ringvorlesung Rechnung. Sie soll den vielfältigen modernen Ansätzen zur Interpretation der Tragödie ebenso wie den verschiedenen daran beteiligten Fächern ein geeignetes Forum bieten.
Wintersemester 2014/5
Wintersemester 2013/4
‚Die Ehre des Menschen ist antastbar.’ Ehrkonflikte von der Antike bis in die Gegenwart
Dass die Würde des Menschen unantastbar sei, wie das Grundgesetz am 23. Mai 1949 in seinem ersten Artikel versichert, ist in der letzten Zeit zum Gegenstand ausführlicher Diskussionen geworden, und das nicht nur unter Verfassungsrechtlern. In Frage steht der Absolutheitsanspruch der Würde in rechtlicher wie ethischer und ästhetischer Hinsicht. Die Ringvorlesung möchte dem normativen Wert der Menschenwürde nachgehen, indem sie ihn historisiert und dabei insbesondere der Überlagerung der Begriffe der Ehre und der Würde in den Blick rückt. Aus dieser Perspektive stellt sich die Frage, ob der normative Wert der Menschenwürde nicht immer schon angetastet ist und erst aus der Verletzung von Ehre und Würde heraus überhaupt fassbar wird. Die Ringvorlesung wird dieser Frage auf einer interdisziplinären Grundlage nachgehen, die Literaturwissenschaftler, Rechtswissenschaftler, Historiker und Philosophen verbindet.
Die Ringvorlesung wird veranstaltet vom Zentrum für Klassikstudien in Kooperation mit Herrn Prof. Dr. Geisenhanslüke (Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft 2), der das Programm federführend gestaltet hat.
Wintersemester 2011/2
Maß, Messen und Gemessenheit
09.11.2011
Prof. Dr. Christoph Wagner (Kunstgeschichte)
"Von Zahlen besessen. Zum Neopythagoreismus in der Kunst der Klassischen Moderne"
16.11.2011
Prof. Dr. Dirk Steuernagel (Klassische Archäologie)
"Arithmetik und Funktionalität. Zu ‚rationalen‘ Planungsmustern antiker Städte"
Ein orthogonales Straßenraster und eine klare Unterscheidung von für sakrale, öffentliche und private (Wohn-) Zwecke ausgewiesenen Arealen gilt als Charakteristikum einer Traditionslinie der antiken Urbanistik, auf die sich auch neuzeitliche Stadtplaner berufen haben. Wie kann man sich den Planungsvorgang für solchermaßen 'rational' organisierten Städte vorstellen? Welche ästhetischen Ideale, welche sozialen Bedingungen und politischen Entscheidungen haben dabei eine Rolle gespielt? Diese Themen werden an Hand von Beispielen römischer und vor allem griechischer Städte des 6. bis 3. Jhs. v. Chr. diskutiert.
23.11.2011
Prof. Dr. Bernhard Zimmermann (Gräzistik, Universität Freiburg)
"Das Maß der Dichtung - Die griechische Verskunst"
Gemeinhin gilt die Metrik als eine spröde und langweilige Hilfswissenschaft. In dem Vortrag wird der Versuch unternommen, die Metrik als Verskunst zu rehabilitieren und die Möglichkeiten aufzuzeigen, die eine interpretative Metrik für die inhaltliche Erschließung von Texten besitzen kann.
30.11.2011
Prof. Dr. Burkhard Wesenberg (Klassische Archäologie)
"Maß und Proportion auf der Akropolis. Wozu Metrologie in der Architekturforschung?"
Zwischen dem antiken Bauentwurf und den mordernen Interpreten tritt als schwer zu überwindende Grenze das unbekannte antike Baumaß. Am - nicht zufällig gewählten - Beispiel der klassischen Bauten auf der Athener Akropolis soll gezeigt werden, dass das antike Baumaß aus metrischen Aufmessungen kaum zuverlässig ermittelt werden kann, seine Kenntnis für die Interpretation des Bauentwurfs aber unverzichtbar ist. Dabei wird versucht, einen Zugang zum Bauentwurf des Parthenon zu finden.
07.12.2011
Prof. Dr.-Ing. Wolf Koenigs (TU München)
Winckelmann-Vortrag:
"Lehrjahre in Ägypten. Ägyptische Vorbilder und griechische Architektur"
14.12.2011
Prof. Dr. Peter Herz (Alte Geschichte)
"Zählen und Messen als Grundlage staatlicher Macht in der Antike"
11.01.2012
Prof. Dr. Wolfgang Horn (Musikwissenschaft)
"Intervall und Proportion. Elementare Mathematik in der Musiktheorie"
18.01.2012
Prof. Dr. Eberhard Knobloch (Wissenschaftsgeschichte, TU Berlin)
"Philosophie des Maßes und der Harmonie" - Alexander von Humboldts Denken und Handeln im Banne des Pythagoreismus"
25.01.2012
Prof. Dr. Georg Rechenauer (Gräzistik)
"Zwischen Maß und Vermessenheit - Leben im antiken Griechenland"
01.02.2012
Prof. Dr. Thomas Buchheim (Philosophie – Wissenschaftstheorie, LMU München)
"Der Mensch als Maß? Protagoras in der Sicht des Aristoteles"
08.02.2012
Prof. Dr. Ulrich Volp (Ev. Theologie – Kirchengeschichte, JGU Mainz)
"Der Mensch als Maß aller Dinge. Die Schöpfung im Lichte christlicher Anthropologie des späten 4. Jahrhunderts"
Im Denken der christlichen Kirchenväter des späten 4. Jahrhunderts –
bis heute oft als „goldene Zeit“ der antiken Theologie wahrgenommen –
treffen die universalen Aussagen über den Menschen aus der Philosophie
und aus der biblischen Überlieferung gewissermaßen zum Showdown
aufeinander: Ob Gott die Welt für den Menschen geschaffen hat, ob der
Mensch ein Mikrokosmos des Makrokosmos ist, nach welchen Maßstäben
Mensch und Welt zusammengesetzt sind, und welche Folgen das für ein
angemessenes menschliches Handeln haben sollte – dies sind einige der
kontroversen Fragen dieser Zeit, die der Vortrag exemplarisch skizziert.