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Beschreibung und Ziele

Wie können Kinder in der Grundschule frühzeitig die Unterstützung erhalten, die sie für erfolgreiches Lernen brauchen? Und wie kann der Mobile Sonderpädagogische Dienst (MSD) Schulen dabei bestmöglich unterstützen? Diese Fragen gewinnen zunehmend an Bedeutung: Der Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung wächst, während die personellen Ressourcen begrenzt bleiben, sodass für die Begleitung einzelner Kinder oft nur wenig Zeit bleibt.

Mit genau diesen Fragen beschäftigt sich das Forschungsprojekt MSD-pro. Es begleitet verschiedene systemisch-präventive Konzepte des MSD in Bayern wissenschaftlich und untersucht, wie diese in der Praxis umgesetzt werden und welche Wirkungen sie entfalten. Im Mittelpunkt stehen dabei die frühe Unterstützung von Kindern, bevor sich Schwierigkeiten verfestigen, die Zusammenarbeit zwischen Grundschulen und dem MSD sowie die Frage nach den Bestandteilen, Gelingensbedingungen, Grundsätzen und Prämissen der verschiedenen Konzepte.

Die im Rahmen des Projekts gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, den MSD in Bayern evidenzbasiert weiterzuentwickeln, vorhandene Ressourcen gezielter einzusetzen und Schulen langfristig bei der inklusiven Förderung von Kindern zu unterstützen.

Das Projekt beginnt im September 2026 und ist auf zwei Jahre angelegt.


Projektteam

Prof. Dr. Elke Inckemann

  • Standort: Ludwig-Maximilians-Universität München
Kontaktseite LMU

Prof. Dr. Sonja Ertl

  • Standort: Universität Augsburg
Kontaktseite Univ. Augsburg

Dr. Saskia Liebner

  • Standort: Friedrich-Alexander-Universität Nürnberg
Kontaktseite FAU

Dr. Stephanie Lutz

  • Standort: Universität Regensburg
UR/Julia Dragan

Dr. Kathrin Gietl

  • Standort: Universität Augsburg
Kontaktseite Univ. Augsburg

Prof. Dr. Astrid Rank

  • Standort: Universität Regensburg
UR/N.N.

Prof. Dr. Bärbel Kopp

  • Standort: Friedrich-Alexander-Universität Nürnberg
Kontaktseite FAU

Konzeption

Hintergrund

  • Der MSD unterstützt Grundschulen dabei, Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf zu begleiten. Zu seinen Aufgaben gehören Diagnostik, Beratung, Förderung, Fortbildung sowie die Zusammenarbeit mit Lehrkräften und Erziehungsberechtigten (BayEUG §21, Abs. 1, Satz 2).
  • In der Praxis steht der MSD vor verschiedenen Herausforderungen. Die individuelle Förderung beginnt häufig erst nach der Feststellung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs. Gleichzeitig erfordert der Diagnoseprozess einen intensiven Austausch zwischen verschiedenen Beteiligten und nimmt Zeit in Anspruch. Der Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung wächst, während die personellen Ressourcen begrenzt sind. Dadurch bleibt für die Begleitung einzelner Kinder oft nur wenig Zeit.
  • Um diesen Herausforderungen zu begegnen, wird der MSD in Bayern stärker systemisch und präventiv ausgerichtet. Ziel ist es, Kinder frühzeitig zu unterstützen, bevor sich Schwierigkeiten verfestigen, und die Zusammenarbeit zwischen Grundschulen und MSD zu stärken. So können vorhandene Ressourcen gezielter eingesetzt und förderliche Lernbedingungen für alle Kinder geschaffen werden.
  • Das Forschungsprojekt MSD-pro begleitet diese Entwicklung wissenschaftlich.

Umsetzung

  • Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Begleitung steht zunächst das Konzept MSDpräventiv, das 2022 in der Inklusiven Region Landshut entwickelt wurde. Ziel des Konzepts ist es, Kinder bereits zu Beginn ihrer Grundschulzeit frühzeitig zu unterstützen. Dazu werden in Screeningstunden mithilfe eigens entwickelter Beobachtungsbögen die Lern- und Entwicklungsstände in den Bereichen Sprache, Schriftspracherwerb, mathematische Vorläuferfertigkeiten, basale Wahrnehmungsbereiche sowie die emotionale und soziale Entwicklung aller Kinder erfasst. Auf dieser Grundlage können Förderbedarfe früh erkannt und individuelle Unterstützungsmaßnahmen abgeleitet werden.
  • MSD-pro begleitet dieses Konzept wissenschaftlich und untersucht, wie es in der Praxis umgesetzt wird und welche Wirkungen es entfaltet. Anschließend werden weitere systemisch-präventive Konzepte aus ausgewählten Regionen Bayerns betrachtet und miteinander verglichen. Ziel ist es, erfolgreiche Ansätze und Gelingensbedingungen zu identifizieren und so eine evidenzbasierte Weiterentwicklung des MSD in Bayern zu unterstützen. Die Auswahl der Regionen erfolgt in Abstimmung mit dem Arbeitskreis „Systemische Weiterentwicklung des MSD Lernen in Bayern" des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB).

Roadmap


Ziele


Perspektive der Kinder

Im Mittelpunkt von MSD-pro steht die Frage, wie Kinder durch den MSD bestmöglich unterstützt werden können. Dabei untersucht das Projekt unter anderem,

  • welche Unterstützung Kinder im Rahmen des MSD erhalten,
  • wie sich Kinder durch eine individuelle und bedarfsgerechte Förderung entwickeln,
  • welche Auswirkungen die Förderung auf ihre Lernentwicklung, ihre persönliche sowie emotionale und soziale Entwicklung hat.

Perspektive der Schulen und Lehrkräfte

Im Fokus der wissenschaftlichen Begleitung steht die Zusammenarbeit zwischen Grundschulen und dem MSD. Untersucht wird unter anderem,

  • wie die systemisch-präventiven MSD-Konzepte an Schulen angenommen werden,
  • wie die Zusammenarbeit in den inklusiven Beratungsteams gestaltet wird,
  • welche Faktoren die Kooperation fördern oder erschweren,
  • wie Lehrkräfte und der MSD ihre unterschiedlichen Expertisen einbringen und voneinander profitieren sowie
  • welche Kompetenzen für eine gelingende Zusammenarbeit wichtig sind.

Perspektive der Eltern

Die Sichtweise von Eltern und Erziehungsberechtigten ist ein wichtiger Bestandteil von MSD-pro. Das Projekt untersucht,

  • wie Eltern die Unterstützung durch den MSD erleben und
  • wie sie die Zusammenarbeit in den inklusiven Beratungsteams wahrnehmen.

Publikationen und weiterführende Links

Literatur

JahrAngabe
2014Inckemann, E. & Dworschak, W. Gestaltung gemeinsamen Unterrichts von Kindern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf in Klassen mit festem Lehrertandem – Dokumentation anhand eines Unterrichtstagebuchs. In M. Lichtblau, D. Blömer, A.-K. Jüttner, K. Koch, M. Krüger & R. Werning (Hrsg.), Forschung zu inklusiver Bildung (S. 261-274). Klinkhardt.
2015Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB). Mobiler Sonderpädagogischer Dienst – Aufgaben konkret.
2018Inckemann, E. & Dworschak, W. Kooperation zwischen Grundschullehrkräften und Lehrkräften für Sonderpädagogik in Klassen mit festem Lehrertandem. In S. Miller, B. Holler-Nowitzki, B. Kottmann, S. Lesemann, B. Letmathe-Henkel, N. Meyer, R. Schroeder & K. Velten (Hrsg.), Profession und Disziplin – Grundschulpädagogik im Diskurs (S. 224-229). Springer VS.
2020Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus (StMUK). Weiterentwicklung des MSD-Einsatzes an Grund- und Mittelschulen. (KMS vom 03.11.2020). München.
2022Beckstein, G. & Sroka, G. Ein Erfahrungsbericht aus Bayern – Mobiler Sonderpädagogischer Dienst Sprache, Lernen, emotionale und soziale Entwicklung. In M. Gebhardt, D. Scheer & M. Schurig (Hrsg.), Handbuch der Sonderpädagogischen Diagnostik. Grundlagen und Konzepte der Statusdiagnostik, Prozessdiagnostik, und Förderplanung (S. 773-782). Universitätsbibliothek Regensburg.
2022Liebner, S., Wagner, S., Kobs, S., Rogge, F., Krauskopf, K. & Knigge, M. Kollegiale Fallberatung in der inklusionsorientierten Lehrkräftebildung – ein Instrument zur Förderung der Selbstwirksamkeit angehender Lehrkräfte? In A. Schröter, M. Kortmann, S. Schulze, K. Kempfer, S. Anderson, G. Sevdiren, J. Bartz & C. Kreutchen (Hrsg.), Inklusion in der Lehramtsausbildung – Lerngegenstände, Interaktionen und Prozesse (S. 131-146). Waxmann.
2022Lutz, S. Mobile Sonderpädagogische Dienste (MSD) in Bayern. In M. Gebhardt, D. Scheer & M. Schurig (Hrsg.), Handbuch der Sonderpädagogischen Diagnostik. Grundlagen und Konzepte der Statusdiagnostik, Prozessdiagnostik, und Förderplanung (S. 765-772). Universitätsbibliothek Regensburg.
2022Rank, A., Quante, A., Sroka, S. & Munser-Kiefer, M. Professionalisierung für ein inklusives Schulsystem – Ergebnisse aus dem Projekt P-ink. In F. Buchhaupt, J. Becker, D. Katzenbach, D. Lutz, A. Strecker & M. Urban (Hrsg.), Qualifizierung für Inklusion – Grundschule (S. 23-45). Waxmann.
2024Liebner, S., Elting, C. & Ertl, S. Von wissenden Zweiflern und unwissenden Überzeugten. Eine latente Klassenanalyse anhand des inklusionsbezogenen pädagogischen Wissens und der inklusionsbezogenen Überzeugungen angehender Grundschullehrkräfte. Zeitschrift für Grundschulforschung 17, 349-366.
2024Rank, A. Inklusion von Anfang an. Kohlhammer.
2024Regierung von Niederbayern. Beratung 19 - Mobile Sonderpädagogische Dienste im Wandel.
2025Flötner, E. & Kammermeier, S. MSDpräventiv. Entwicklung eines kooperativen und präventiven förderdiagnostischen Konzepts zur Umsetzung durch die MSD-Lehrkraft und die Grundschul-Lehrkräfte mit Beginn der ersten Jahrgangsstufe. Spuren 1.2025, 4-9.
2025Niedermeier, I. MSD-Ressourcen systemisch einsetzen. Spuren 1.2025, 20-24.
o.J.Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB). Mobile Sonderpädagogische Dienste (MSD).
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