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fiktive Erfahrungsberichte

Hinweis: Die folgenden Berichte sind fiktiv. Sie wurden auf Grundlage bayerischer Rechtsgrundlagen, wissenschaftlicher Untersuchungen zur Inklusion in Bayern und typischer schulischer Rahmenbedingungen gestaltet. Die beschriebenen Personen und die Schulen sind nicht real.

Bericht einer Lehrkraft an einer Mittelschule 

Ich unterrichte seit mittlerweile einigen Jahren an einer Mittelschule in Bayern. Als ich zum ersten Mal eine Klasse mit einem Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf übernommen habe, war ich ehrlich gesagt zunächst unsicher.

 

Natürlich hatte ich im Studium und im Referendariat etwas über Inklusion gelernt. Aber zwischen theoretischem Wissen und der Frage, wie ich am Montagmorgen tatsächlich vor 25 Schülerinnen und Schülern stehe und gleichzeitig den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden soll, besteht doch ein Unterschied.

Heute würde ich sagen: Inklusion ist für mich eine der anspruchsvollsten, aber auch interessantesten Aufgaben meines Lehrerberufs geworden.

Der Anfang war nicht ganz einfach

In meiner Klasse war unter anderem ein Schüler, den ich hier „Lukas“ nennen möchte. Lukas hatte einen festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich Lernen. Er war fachlich vor allem beim Lesen, Schreiben und in Mathematik deutlich langsamer als viele seiner Mitschülerinnen und Mitschüler.

Was mir am Anfang besonders auffiel, war gar nicht seine fachliche Leistung. Es war seine Haltung zum Lernen.

Lukas meldete sich kaum. Wenn eine Aufgabe länger als eine Seite war, legte er den Stift teilweise schon nach wenigen Minuten weg. Bei Arbeitsblättern mit vielen Aufgaben sagte er häufig: „Das kann ich sowieso nicht.“

Für mich war das zunächst schwierig einzuschätzen. Sollte ich ihm dieselben Aufgaben geben wie den anderen? Sollte ich die Anforderungen reduzieren? Wie viel Unterstützung ist sinnvoll, ohne dass er von den anderen Kindern abgehängt wird?

Genau an diesem Punkt war die Zusammenarbeit mit der Sonderpädagogin sehr hilfreich.

Die Zusammenarbeit mit der Sonderpädagogin war entscheidend

An unserer Schule gibt es feste Zeiten, in denen wir uns über einzelne Schülerinnen und Schüler austauschen können. Das klingt zunächst nach etwas Selbstverständlichem. In der Praxis merkt man aber schnell, dass solche Zeiten wichtig sind, weil man im normalen Schulbetrieb kaum die Ruhe für ausführliche Gespräche findet.

Wir haben uns deshalb zunächst gefragt: Was kann Lukas eigentlich schon gut?

Das war für mich eine wichtige Veränderung der Perspektive.

Wir haben nicht mit der Frage begonnen, welche Defizite er hat, sondern damit, welche Kompetenzen vorhanden sind und an welcher Stelle wir ansetzen können.

Die Sonderpädagogin schlug beispielsweise vor, Aufgaben stärker zu strukturieren und größere Arbeitsaufträge in kleinere, überschaubare Schritte aufzuteilen. Außerdem bekam Lukas teilweise Aufgaben mit weniger Text, ohne dass das Lernziel der Stunde grundsätzlich verändert wurde.

Das war für mich zunächst ungewohnt.

Ich hatte früher manchmal gedacht, Differenzierung bedeute, dass ich für jedes Kind einen komplett eigenen Unterricht vorbereiten müsste. Das wäre im normalen Schulalltag kaum zu leisten.

Mit der Zeit habe ich aber gelernt, dass kleine Veränderungen häufig schon einen großen Unterschied machen.

Ein Arbeitsauftrag auf zwei statt auf einer Seite. Ein Beispiel, bevor die Schülerinnen und Schüler selbstständig beginnen. Eine zusätzliche Möglichkeit, Ergebnisse mündlich zu erklären. Ein klarer Ablauf an der Tafel.

Solche Dinge helfen übrigens nicht nur Lukas.

Die Klasse hat sich schneller daran gewöhnt als ich

Interessant war auch die Reaktion der Klasse.

Ich hatte anfangs die Sorge, dass die anderen Schülerinnen und Schüler die unterschiedlichen Aufgaben als „ungerecht“ empfinden könnten.

Das war tatsächlich gelegentlich der Fall.

Ein Schüler fragte einmal: „Warum muss Lukas weniger Aufgaben machen als wir?“

Das war zunächst eine schwierige Situation. Ich wollte Lukas nicht vor der Klasse bloßstellen, gleichzeitig wollte ich auch keine Sonderrolle schaffen.

Wir haben deshalb allgemein darüber gesprochen, dass nicht jeder Mensch dieselbe Unterstützung benötigt, um ein Ziel zu erreichen.

Ich habe den Schülerinnen und Schülern das mit einem einfachen Beispiel erklärt: Wenn jemand eine Brille braucht, bekommt er auch nicht gesagt, dass das unfair gegenüber denjenigen sei, die keine Brille benötigen.

Danach war das Thema erstaunlich schnell erledigt.

Was mich besonders gefreut hat, war, dass Lukas im Laufe des Schuljahres immer stärker Teil der Klassengemeinschaft wurde.

Bei Gruppenarbeiten wurde er nicht mehr automatisch dem Mitschüler zugeteilt, der ihn „mitziehen“ sollte. Stattdessen übernahm er selbst Aufgaben.

Gerade im praktischen Unterricht konnte er seine Stärken zeigen.

Bei einem Projekt im Technikunterricht war er beispielsweise einer der Schüler, die besonders geduldig und sorgfältig gearbeitet haben. Ein Mitschüler, der sonst häufig sehr schnell fertig war, musste sich plötzlich von Lukas erklären lassen, wie ein bestimmter Arbeitsschritt funktionierte.

Solche Situationen waren für mich besonders wertvoll.

Denn dort wurde Inklusion nicht mehr als pädagogisches Konzept sichtbar. Sie war einfach Teil des normalen Schulalltags.

Natürlich gibt es auch schwierige Tage

Ich möchte den Eindruck vermeiden, dass Inklusion bei uns immer problemlos funktioniert.

Das wäre nicht meine Erfahrung.

Es gibt Stunden, in denen ich merke, dass meine Aufmerksamkeit eigentlich gleichzeitig an fünf verschiedenen Stellen gebraucht wird.

Ein Schüler braucht fachliche Unterstützung, eine andere Schülerin hat gerade einen Konflikt mit ihrer Sitznachbarin, zwei Schüler sind mit der Aufgabe bereits fertig und Lukas kommt bei seinem Arbeitsauftrag nicht weiter.

In solchen Situationen kann man nicht jedem Kind fünf Minuten Einzelbetreuung geben.

Auch die Zusammenarbeit mit anderen Fachkräften funktioniert nicht immer so, wie man es sich wünschen würde. Termine müssen koordiniert werden, Informationen müssen weitergegeben werden und manchmal fällt eine eingeplante Unterstützung kurzfristig aus.

Das gehört meiner Meinung nach zu einer ehrlichen Darstellung von Inklusion dazu.

Inklusion bedeutet nicht, dass plötzlich mehr Zeit zur Verfügung steht.

Im Gegenteil: Die Abstimmung zwischen verschiedenen Personen kann zunächst zusätzlichen Aufwand verursachen.

Eine bayerische Untersuchung zur inklusiven Schulentwicklung beschreibt genau diese Erfahrung: Kooperation wird von vielen Beteiligten als wichtig angesehen, gleichzeitig werden Zeitaufwand, zusätzliche Abstimmungen und teilweise komplizierte organisatorische Wege als Belastungen beschrieben. Besonders deutlich wird das dort, wo mehrere Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in einer Klasse lernen.

Trotzdem hat sich meine Sicht auf Unterricht verändert

Das Entscheidende ist für mich, dass ich meinen Unterricht durch die Inklusion insgesamt verändert habe.

Früher habe ich häufiger überlegt:

„Wie bringe ich den Stoff möglichst gut an die Klasse?“

Heute frage ich mich häufiger:

„Wie können möglichst viele Schülerinnen und Schüler einen Zugang zu diesem Lerngegenstand bekommen?“

Das ist ein Unterschied.

Ich arbeite inzwischen häufiger mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, visualisiere Arbeitsaufträge stärker und lasse den Schülerinnen und Schülern teilweise unterschiedliche Wege, um ein Ergebnis zu zeigen.

Dabei profitieren nicht nur Kinder mit Förderbedarf.

Auch Schülerinnen und Schüler, die zwar keinen sonderpädagogischen Förderbedarf haben, aber beispielsweise Schwierigkeiten mit längeren Texten, Konzentration oder selbstständigem Arbeiten, profitieren davon.

Ich habe deshalb irgendwann aufgehört, Differenzierung ausschließlich als „Maßnahme für Lukas“ zu sehen.

Sie ist mittlerweile Bestandteil meines normalen Unterrichts.

Ein besonders wichtiger Moment

Ein Erlebnis ist mir besonders im Gedächtnis geblieben.

Gegen Ende des Schuljahres sollten die Schülerinnen und Schüler kurze Präsentationen vorbereiten. Lukas hatte große Angst davor.

Er sagte mir: „Ich kann nicht vor der Klasse reden.“

Wir haben deshalb gemeinsam überlegt, was möglich wäre.

Er musste nicht zehn Minuten frei sprechen. Stattdessen durfte er seine Präsentation mit Bildern unterstützen und sich Stichwortkarten vorbereiten.

Am Tag der Präsentation stand er schließlich vorne.

Er war nervös. Er hat sich zweimal versprochen und an einer Stelle länger nach dem richtigen Wort gesucht.

Aber er hat die Präsentation zu Ende gebracht.

Als er wieder an seinen Platz ging, haben mehrere Mitschüler geklatscht.

Lukas hat dabei so breit gegrinst, dass ich diesen Moment wahrscheinlich nicht vergessen werde.

Für mich war das ein wichtiger Moment, weil er gezeigt hat, worum es bei Inklusion eigentlich geht.

Es ging nicht darum, Lukas exakt dieselbe Leistung abzuverlangen wie jedem anderen Schüler.

Es ging darum, ihm eine echte Möglichkeit zu geben, seine Leistung zu zeigen und Teil der gemeinsamen Lerngruppe zu sein.

Was ich heute anders sehe

Wenn mich heute jemand fragt, ob Inklusion an einer Regelschule funktioniert, würde ich deshalb nicht einfach mit „Ja“ antworten.

Ich würde sagen:

Sie kann funktionieren – aber sie funktioniert nicht automatisch.

Entscheidend sind meiner Erfahrung nach mehrere Dinge.

Erstens braucht es eine Schulleitung, die Inklusion tatsächlich als gemeinsame Aufgabe versteht und nicht als zusätzliches Problem, das einzelne Lehrkräfte lösen müssen.

Zweitens braucht es die Bereitschaft, sich mit anderen Professionen abzustimmen. Die Zusammenarbeit mit Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen empfinde ich inzwischen als große fachliche Unterstützung.

Drittens braucht es im Kollegium eine Kultur, in der man auch sagen darf: „Ich weiß gerade nicht weiter.“

Das habe ich selbst lernen müssen.

Und viertens braucht man realistische Erwartungen.

Nicht jede Unterrichtsstunde wird perfekt differenziert sein. Nicht jedes Kind wird durch inklusive Beschulung automatisch bessere Leistungen erzielen. Und es wird Situationen geben, in denen man an Grenzen stößt.

Aber das bedeutet nicht, dass Inklusion gescheitert ist.

 

Bericht einer Lehrkraft an einer Grundschule mit Schulprofil Inklusion

Ich unterrichte an einer Grundschule mit dem Schulprofil „Inklusion“. In meinem täglichen Unterricht erlebe ich, dass Inklusion vor allem bedeutet, mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen umzugehen und für jedes Kind passende Möglichkeiten zu schaffen, am gemeinsamen Unterricht teilzunehmen.

 

In meiner Klasse gibt es Kinder, die sehr schnell arbeiten und zusätzliche Herausforderungen benötigen, ebenso wie Kinder, die mehr Zeit, klare Strukturen oder wiederholte Erklärungen brauchen. Manche Kinder benötigen Unterstützung beim Lesen und Schreiben, andere bei der Konzentration, beim Arbeitsverhalten oder im sozialen Miteinander. Für mich bedeutet Inklusion deshalb nicht, dass alle Kinder immer das Gleiche machen müssen. Vielmehr versuche ich, einen gemeinsamen Lernrahmen zu schaffen, innerhalb dessen unterschiedliche Wege möglich sind.

Konkrete Umsetzung im Unterricht

Eine Maßnahme, die ich häufig einsetze, ist die Aufteilung von Aufgaben in kleinere, überschaubare Schritte. Ein umfangreicher Arbeitsauftrag wird beispielsweise gemeinsam besprochen und anschließend in einzelne Arbeitsschritte gegliedert. Die Kinder können diese Schritte auf einem kleinen Arbeitsplan abhaken. Das hilft insbesondere Kindern, die bei längeren oder offenen Aufgaben schnell den Überblick verlieren.

Auch Visualisierungen haben sich in meinem Unterricht bewährt. Arbeitsaufträge werden nicht nur mündlich erklärt, sondern zusätzlich an der Tafel oder auf dem Arbeitsblatt dargestellt. Symbole, Farben oder kurze Stichpunkte helfen den Kindern, sich während der selbstständigen Arbeitsphase zu orientieren.

Bei manchen Aufgaben stelle ich unterschiedliche Materialien oder Schwierigkeitsstufen zur Verfügung. Die Kinder können beispielsweise zwischen einer Aufgabe mit Hilfestellungen und einer anspruchsvolleren Variante wählen. So können auch leistungsstärkere Kinder weiterarbeiten, ohne dass andere Kinder unter zusätzlichen Zeitdruck geraten.

Eine weitere Möglichkeit ist die Veränderung der Arbeitsform. Nicht jedes Kind kann seine Leistungen in Einzelarbeit gleichermaßen zeigen. Deshalb wechseln sich Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit ab. Bei Gruppenarbeiten achte ich darauf, dass Aufgaben und Rollen klar verteilt sind und jedes Kind eine sinnvolle Aufgabe übernehmen kann.

Auch Bewegungs- und Rückzugsmöglichkeiten spielen eine Rolle. Manche Kinder arbeiten zeitweise besser an einem ruhigeren Arbeitsplatz oder benötigen kurze Bewegungspausen. Wenn dies im Unterricht möglich ist, versuche ich solche Bedürfnisse zu berücksichtigen, damit die Kinder anschließend wieder konzentriert am Unterricht teilnehmen können.

Mögliche Maßnahmen im inklusiven Unterricht

Aus meiner Erfahrung können unter anderem folgende Maßnahmen hilfreich sein:

  • differenzierte Aufgaben mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden,
  • Aufgaben in kleinere Arbeitsschritte aufteilen,
  • visualisierte und klar strukturierte Arbeitsaufträge,
  • zusätzliche Bearbeitungszeit,
  • reduzierte Aufgabenmenge, wenn dies pädagogisch sinnvoll ist,
  • unterschiedliche Lernmaterialien und Anschauungsmittel,
  • digitale und technische Hilfsmittel,
  • Partner- und Gruppenarbeit,
  • Lernstationen und offene Lernformen,
  • zusätzliche Erklärungen oder Wiederholungen,
  • feste Arbeits- und Tagesstrukturen,
  • Bewegungs- und kurze Entlastungspausen,
  • ruhige Arbeitsplätze oder Rückzugsmöglichkeiten,
  • individuelle Lernziele,
  • regelmäßige kurze Rückmeldungen,
  • zusätzliche Herausforderungen für leistungsstärkere Kinder.

Nicht jede Maßnahme ist für jedes Kind sinnvoll. Deshalb beobachte ich, welche Unterstützung tatsächlich hilft, und passe sie bei Bedarf an.

Individuelle Unterstützung und Ziele

Bei einzelnen Kindern vereinbare ich konkrete Ziele, die über einen bestimmten Zeitraum beobachtet werden. Ein Ziel kann beispielsweise sein, eine Aufgabe zunehmend selbstständig zu beginnen, länger bei einer Tätigkeit zu bleiben oder Arbeitsmaterialien selbstständig zu organisieren.

Dabei versuche ich zunächst herauszufinden, warum eine Schwierigkeit entsteht. Wenn ein Kind beispielsweise häufig nicht mit einer Aufgabe beginnt, kann die Ursache ein fehlendes Verständnis des Arbeitsauftrags, eine zu große Aufgabenmenge oder eine fehlende Struktur sein. Die Unterstützung kann entsprechend ganz unterschiedlich aussehen.

Manchmal reicht eine kurze zusätzliche Erklärung. In anderen Fällen hilft ein visualisierter Arbeitsplan, eine reduzierte Aufgabenmenge oder ein festgelegter erster Arbeitsschritt. Nach einiger Zeit überprüfe ich, ob die Unterstützung noch benötigt wird oder wieder reduziert werden kann. Ziel ist möglichst immer, dass die Kinder zunehmend selbstständig mit den vorhandenen Hilfen umgehen können.

Zusammenarbeit mit der Sonderpädagogik

Die Zusammenarbeit mit der sonderpädagogischen Lehrkraft ist dabei eine wichtige Unterstützung. Durch den regelmäßigen Austausch können Beobachtungen aus dem Unterricht gemeinsam betrachtet und einzelne Fördermaßnahmen abgestimmt werden.

Dabei geht es beispielsweise darum, welche Unterstützung bei einem Kind hilfreich ist und wie diese im Unterricht umgesetzt werden kann. Die Verantwortung für die Klasse bleibt dabei eine gemeinsame Aufgabe.

Meine Erfahrungen mit Inklusion

Ich erlebe, dass viele Maßnahmen, die ursprünglich für einzelne Kinder eingeführt wurden, letztlich der gesamten Klasse zugutekommen. Klare Arbeitsaufträge, visualisierte Abläufe, unterschiedliche Materialien oder kurze Bewegungspausen erleichtern nicht nur einzelnen Kindern das Lernen.

Gleichzeitig habe ich gelernt, dass nicht jede Unterstützung bei jedem Kind funktioniert. Deshalb ist es wichtig, Maßnahmen auszuprobieren, ihre Wirkung zu beobachten und gegebenenfalls zu verändern.

Für mich ist Inklusion daher weniger ein festes Konzept als ein fortlaufender Prozess. Ich muss immer wieder überlegen: Was braucht dieses Kind, um möglichst selbstständig und gemeinsam mit den anderen lernen zu können?

Dabei geht es nicht darum, für jedes Kind einen vollkommen eigenen Unterricht zu gestalten, sondern darum, Barrieren zu erkennen und passende Möglichkeiten zur Teilnahme zu schaffen.

Inklusion bedeutet für mich deshalb vor allem, Unterschiedlichkeit als normalen Bestandteil einer Klasse wahrzunehmen und den Unterricht so flexibel zu gestalten, dass möglichst alle Kinder ihre individuellen Möglichkeiten nutzen und sich weiterentwickeln können.

Bericht eines Schülers an einer Mittelschule

Ich heiße Leon, bin 13 Jahre alt und gehe in die 7. Klasse einer Mittelschule in Bayern. Ich habe ADHS.

Das bedeutet, dass ich mich manchmal nur schwer konzentrieren kann, schnell abgelenkt werde und oft das Gefühl habe, dass mein Kopf gar nicht stillsteht.

Besonders schwierig finde ich es, wenn die Lehrkraft lange erklärt oder wir sehr lange still sitzen müssen. Manchmal fange ich eine Aufgabe an und merke nach kurzer Zeit, dass ich gar nicht mehr weiß, was ich machen sollte. Es passiert auch, dass ich einfach etwas sage, obwohl ich eigentlich warten wollte. Wenn ich dann ermahnt werde, ärgere ich mich über mich selbst. Manchmal denken andere, ich würde mich absichtlich nicht anstrengen. Dabei möchte ich gute Noten schreiben und zeigen, was ich kann.

In meiner Klasse lernen Kinder mit ganz unterschiedlichen Stärken und Schwierigkeiten gemeinsam. Das finde ich eigentlich gut, denn jeder kann etwas anderes besonders gut. Wir arbeiten oft in Gruppen, und manchmal können wir Aufgaben auf verschiedene Arten lösen. Ich mag es, wenn wir etwas praktisch ausprobieren dürfen. Dann kann ich mich besser konzentrieren als bei langen Texten.

Meine Lehrerinnen und Lehrer versuchen, mir den Schulalltag leichter zu machen. Sie geben mir klare Arbeitsaufträge und teilen größere Aufgaben in kleinere Schritte auf. Wenn wir zum Beispiel einen längeren Text bearbeiten, hilft es mir, wenn ich zuerst nur eine Aufgabe bekomme und danach die nächste. Wichtige Dinge stehen zusätzlich an der Tafel, damit ich sie nachlesen kann. Manchmal fragt meine Lehrerin nach einer Weile, ob ich noch weiß, was ich machen soll. Das hilft mir, wieder in die Aufgabe hineinzufinden.

Auch mein Sitzplatz ist wichtig. Ich sitze möglichst dort, wo mich nicht so viele Dinge ablenken. Wenn ich bei einer Aufgabe unruhig werde, helfen mir kurze Bewegungspausen. Es tut mir gut, wenn meine Lehrkräfte nicht nur sagen, was ich falsch gemacht habe, sondern auch bemerken, wenn etwas gut klappt. Dann traue ich mir mehr zu und gebe nicht so schnell auf.

Trotzdem klappt nicht jeder Tag gleich gut. Vor allem bei Klassenarbeiten werde ich manchmal nervös. Wenn ich viele Aufgaben sehe, weiß ich oft nicht, womit ich anfangen soll. Dann hilft es mir, wenn ich mir die Aufgaben nacheinander vornehme und mir meine Zeit gut einteile. Meine Lehrkräfte überlegen mit mir, welche Unterstützung sinnvoll ist und welche Regeln bei Leistungsnachweisen gelten. Ich finde es wichtig, dass ich zeigen kann, was ich gelernt habe, auch wenn ich manchmal mehr Hilfe beim Organisieren brauche.

Mit meinen Mitschülerinnen und Mitschülern verstehe ich mich meistens gut. In den Pausen spielen wir Fußball oder reden miteinander. Manchmal bin ich zu laut oder unterbreche andere. Dann gibt es auch Streit. Ich wünsche mir, dass meine Freunde verstehen, dass ich das nicht immer absichtlich mache. Gleichzeitig muss ich selbst lernen, besser zuzuhören und Rücksicht zu nehmen. Wir versuchen, uns gegenseitig zu helfen.

Ich finde es gut, dass ich mit den anderen Kindern zusammen lernen kann und nicht ausgeschlossen werde, nur weil ich ADHS habe. Inklusion bedeutet für mich, dass alle dazugehören und jeder die Unterstützung bekommt, die er braucht. Das heißt nicht, dass alle genau dasselbe machen müssen. Manchmal brauche ich andere Erklärungen oder mehr Hilfe beim Planen. Meine Mitschüler brauchen vielleicht bei anderen Dingen Unterstützung.

Ich gehe gerne auf meine Schule, auch wenn es manchmal anstrengend ist. Ich wünsche mir, dass meine Lehrkräfte genug Zeit haben, auf uns alle einzugehen, und dass meine Mitschüler nicht nur sehen, was mir schwerfällt, sondern auch, was ich gut kann. Wenn wir gemeinsam Lösungen finden, kann ich viel besser lernen und fühle mich als Teil der Klasse.

Bericht einer Schülerin an einer Mittelschule

Mein Name ist Lena, ich bin 14 Jahre alt und besuche die 7. Klasse einer Mittelschule. Ich bin nach war bis zur vierten Klasse an einem sonderpädagogischen Förderzentrum, weil ich oft Schwierigkeiten habe, mir Dinge schnell und langfristig zu merken. 

Meine Mutter sagt, das nennt man einen “sonderpädagogischen Förderbedarf”. Da ich mich aber im Laufe meiner Schulzeit am Förderzentrum weiterentwickelt und verbessert habe, wollte ich an eine Mittelschule wechseln. 

Als ich an die Mittelschule kam, war vieles neu für mich. Ich musste mich an andere Lehrkräfte, neue Fächer, größere Klassen und einen veränderten Schulalltag gewöhnen. Am Anfang war ich deshalb manchmal unsicher. Ich fragte mich, ob ich im Unterricht mithalten könnte und wie meine Mitschülerinnen und Mitschüler auf mich reagieren würden.

Mit der Zeit habe ich mich immer besser zurechtgefunden. Einige meiner Mitschülerinnen und Mitschüler haben mir von Anfang an geholfen, andere mussten mich erst kennenlernen. Heute arbeite ich bei Gruppenarbeiten mit verschiedenen Kindern zusammen, verbringe die Pausen mit meinen Freunden und nehme an gemeinsamen Aktivitäten teil. Ich finde es schön, dass ich nicht von der Klassengemeinschaft getrennt bin, sondern dazugehöre.

Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Manchmal ist der Unterricht sehr schnell, und ich brauche mehr Zeit, um Aufgaben zu verstehen oder zu bearbeiten. Besonders bei schwierigen Arbeitsaufträgen fällt es mir nicht immer leicht, selbstständig anzufangen. In solchen Situationen helfen mir klare Erklärungen, zusätzliche Zeit oder eine Lehrkraft, die mir einen Arbeitsschritt noch einmal zeigt. Es ist wichtig, dass ich Unterstützung bekomme, ohne dass mir alles abgenommen wird. Schließlich möchte ich selbstständig werden und eigene Erfolge erleben.

Auch die Zusammenarbeit zwischen den Lehrkräften und den Personen, die mich zusätzlich unterstützen, spielt eine wichtige Rolle. Wenn sich alle gut absprechen, funktioniert der Unterricht für mich besser. Manchmal ist das im Schulalltag nicht einfach, weil viele Dinge gleichzeitig organisiert werden müssen. Ich merke jedoch, dass es für mich einen großen Unterschied macht, wenn die Erwachsenen gemeinsam überlegen, wie ich möglichst gut lernen kann.

Nicht immer ist es leicht, wenn ich bei bestimmten Aufgaben länger brauche als andere. Dann vergleiche ich mich manchmal mit meinen Mitschülerinnen und Mitschülern und bin enttäuscht, wenn mir etwas nicht sofort gelingt. Inzwischen habe ich aber gelernt, dass jeder Mensch unterschiedliche Stärken und Schwierigkeiten hat. Ich bin beispielsweise gut darin, anderen zuzuhören, kreative Ideen einzubringen und bei praktischen Aufgaben mitzuarbeiten. Wenn ich merke, dass ich etwas geschafft habe, woran ich vorher gezweifelt habe, macht mich das stolz.

Für mich bedeutet Inklusion vor allem, dass ich die Möglichkeit bekomme, gemeinsam mit anderen zu lernen und am Schulleben teilzunehmen. Ich kann Freundschaften schließen, neue Erfahrungen sammeln und mich als Teil einer Gemeinschaft erleben. Gleichzeitig lernen meine Mitschülerinnen und Mitschüler, Rücksicht zu nehmen, geduldig zu sein und unterschiedliche Sichtweisen zu verstehen. Auch ich lerne von ihnen, zum Beispiel bei Gruppenarbeiten oder wenn wir uns gegenseitig etwas erklären.

Ich glaube, dass Inklusion nicht immer von allein funktioniert. Es braucht Zeit, passende Unterstützung, verständnisvolle Lehrkräfte und die Bereitschaft aller Beteiligten, aufeinander zuzugehen. Nicht jede Unterrichtsstunde läuft problemlos, und manchmal müssen Lösungen erst gefunden werden. Das bedeutet für mich aber nicht, dass Inklusion nicht gelingen kann. Vielmehr zeigt es, wie wichtig es ist, gemeinsam an Verbesserungen zu arbeiten.

Wenn ich auf meine bisherige Schulzeit zurückblicke, bin ich froh, dass ich diese Schule besuche. Ich kann hier lernen, meine Fähigkeiten weiterentwickeln und Teil einer Klassengemeinschaft sein. Ich wünsche mir, dass auch andere Schülerinnen und Schüler die Chance bekommen, gemeinsam mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern zu lernen – unabhängig davon, welche Unterstützung sie benötigen.

Mein Fazit: Inklusion bedeutet nicht, dass alle Menschen gleich lernen oder alles gleich gut können müssen. Sie bedeutet, dass jeder Mensch dazugehört und die Möglichkeit erhält, sich entsprechend seiner Fähigkeiten zu entwickeln. Dafür braucht es Offenheit, gegenseitigen Respekt und die passenden Rahmenbedingungen. Wenn diese Voraussetzungen geschaffen werden, kann eine inklusive Schule für alle Beteiligten eine wertvolle Erfahrung sein.

Bericht aus der Sicht einer Grundschülerin mit motorischer Beeinträchtigung

Hallo, ich bin Mia und gehe in die dritte Klasse einer Grundschule.

Ein Erfahrungsbericht 

Hallo, ich bin Mia und gehe in die dritte Klasse einer Grundschule. Ich bin acht Jahre alt und gehe gerne zur Schule. Am liebsten mag ich Kunst, Sachunterricht und die Pausen mit meinen Freundinnen. Ich lache gerne, spiele gerne und lerne neue Dinge. Manchmal ist mein Schulalltag aber etwas anders als der meiner Mitschülerinnen und Mitschüler, denn ich habe eine Schwierigkeiten mit manchen Bewegungen. Ich glaube das genaue Wort heißt “Motorik”.

Das bedeutet, dass ich manche Bewegungen nicht so gut oder so schnell machen kann wie andere Kinder. Besonders meine Hände und Beine machen mir manchmal Schwierigkeiten. Ich kann laufen, aber ich bin langsamer und schneller erschöpft als andere Kinder. Auch beim Schreiben, Schneiden und Basteln brauche ich manchmal mehr Zeit und Unterstützung.

Morgens beginnt mein Schultag damit, dass ich gemeinsam mit meiner Mama zur Schule komme. Der Weg vom Eingang bis zu meinem Klassenzimmer ist manchmal ganz schön anstrengend. Wenn viele Kinder gleichzeitig durch den Flur laufen, ist es für mich schwierig, mich sicher zu bewegen. Ich muss besonders aufpassen, damit mich niemand aus Versehen anrempelt.

In meinem Klassenzimmer sitze ich an einem Tisch, der extra für mich angepasst wurde. Mein Stuhl gibt mir guten Halt, damit ich bequem sitzen kann. Meine Schulsachen liegen so, dass ich sie gut erreichen kann. Das hilft mir, möglichst viele Dinge selbstständig zu machen.

Besonders schwierig ist für mich manchmal das Schreiben. Meine Hand wird schnell müde und ich kann die Buchstaben nicht immer so ordentlich schreiben, wie ich möchte. Wenn die anderen Kinder schon mit einer Aufgabe fertig sind, brauche ich manchmal noch etwas länger. Dann bin ich manchmal traurig oder ärgere mich, weil ich gerne genauso schnell wäre wie die anderen.

Meine Lehrerin hilft mir dabei. Ich bekomme manchmal mehr Zeit für Aufgaben und darf bei längeren Texten auch den Computer benutzen. Manchmal kann ich Aufgaben mündlich beantworten, anstatt alles aufzuschreiben. So kann ich zeigen, dass ich den Unterrichtsstoff verstanden habe, auch wenn mir das Schreiben schwerfällt.

Auch im Sportunterricht merke ich, dass ich manches nicht so gut kann wie meine Mitschülerinnen und Mitschüler. Beim Rennen, Springen oder Klettern bin ich langsamer und brauche manchmal Unterstützung. Besonders schwierig finde ich es, wenn alle Kinder gleichzeitig Mannschaften bilden und ich Angst habe, als Letzte ausgewählt zu werden.

Meine Sportlehrerin versucht deshalb, die Spiele so zu verändern, dass alle Kinder mitmachen können. Manchmal gibt es andere Regeln oder unterschiedliche Möglichkeiten, eine Aufgabe zu lösen. Ich darf beispielsweise einen Ball rollen, wenn Werfen für mich zu schwierig ist. Bei manchen Übungen bekomme ich mehr Zeit oder kann eine Pause machen, wenn ich erschöpft bin.

Das finde ich schön, denn ich möchte nicht immer nur zuschauen. Ich möchte genauso dazugehören wie alle anderen Kinder.

Auch beim Basteln und Malen brauche ich manchmal Hilfe. Eine Schere zu benutzen oder kleine Teile festzuhalten, ist für mich schwierig. Meine Lehrerin stellt mir deshalb eine spezielle Schere zur Verfügung und hilft mir, wenn ich etwas nicht alleine schaffe. Trotzdem darf ich möglichst viel selbst ausprobieren.

Am liebsten mag ich die Pausen, weil ich dort mit meinen Freundinnen zusammen sein kann. Wir unterhalten uns, lachen und spielen gemeinsam.

Manchmal ist es aber schwierig, bei den Spielen mitzumachen. Wenn meine Freundinnen Fangen spielen oder schnell über den Schulhof laufen, kann ich nicht immer mithalten. Auch der Schulhof ist an manchen Stellen uneben, sodass ich besonders vorsichtig sein muss.

Zum Glück habe ich zwei Freundinnen, die mich oft fragen, ob ich mitspielen möchte. Gemeinsam überlegen wir uns manchmal andere Spiele, bei denen alle mitmachen können. Wir spielen zum Beispiel ein Ratespiel oder werfen uns einen Ball zu.

Ich finde es toll, wenn meine Freundinnen mich nicht einfach nur schonen, sondern mich ganz selbstverständlich in ihre Spiele einbeziehen.

Meine Lehrerin weiß, dass ich manche Dinge anders machen muss. Sie versucht, mir zu helfen, ohne mir alles abzunehmen.

Manchmal kommt auch eine Physiotherapeutin in die Schule oder ich habe außerhalb der Schule Therapietermine. Dort übe ich Bewegungen, die mir im Alltag helfen können.

Besonders wichtig ist mir, dass meine Lehrerin mich fragt, was ich selbst kann und wobei ich Hilfe brauche. Denn ich möchte möglichst viel allein schaffen.

Am Anfang wussten einige Kinder nicht genau, warum ich manche Dinge anders mache. Manche haben gefragt, warum ich so langsam laufe oder warum ich länger für meine Aufgaben brauche.

Meine Lehrerin hat mit der Klasse darüber gesprochen, dass jeder Mensch unterschiedlich ist und jeder andere Stärken und Schwierigkeiten hat. Wir haben gemeinsam überlegt, wie wir uns gegenseitig helfen können.

Meine Mitschülerinnen und Mitschüler haben gelernt, dass sie mich fragen sollen, bevor sie mir helfen. Denn manchmal brauche ich Unterstützung und manchmal schaffe ich etwas ganz alleine.

Ich möchte nämlich nicht, dass die anderen Kinder alles für mich erledigen. Ich möchte selbst entscheiden dürfen und zeigen, was ich kann.

Ich wünsche mir, dass alle Kinder gemeinsam lernen und spielen können. Es wäre schön, wenn niemand ausgelacht wird, nur weil er etwas nicht so gut kann wie andere.

Ich möchte, dass meine Mitschülerinnen und Mitschüler verstehen, dass ich zwar manchmal länger brauche, aber genauso gerne lerne und Spaß habe wie sie.

Ich möchte nicht immer als das Mädchen gesehen werden, das Hilfe braucht. Ich bin nämlich auch gut im Rechnen, kann toll malen, erzähle gerne Geschichten und bin eine gute Freundin.

Für mich bedeutet Inklusion, dass ich dazugehören darf, so wie ich bin. Ich möchte nicht ausgeschlossen werden, sondern gemeinsam mit allen anderen Kindern lernen, spielen und lachen.

Bericht eines Mittelschülers mit dem Förderschwerpunkt Hören

Hallo, ich bin Leon und bin 14 Jahre alt. Ich gehe in die 8. Klasse einer Mittelschule.

Ich wohne mit meinen Eltern und meiner jüngeren Schwester zusammen. In meiner Freizeit spiele ich gerne Fußball auf der Konsole, treffe mich mit Freunden und fahre Fahrrad.

Ich habe eine Hörbeeinträchtigung. Das bedeutet, dass ich nicht alles hören und verstehen kann, was andere Menschen sagen. Besonders schwierig ist es für mich, wenn mehrere Menschen gleichzeitig sprechen, wenn es laut ist oder wenn jemand weit von mir entfernt steht.

Ich trage auf beiden Ohren Hörgeräte. Diese helfen mir dabei, Geräusche und Sprache besser wahrzunehmen. Trotzdem kann ich damit nicht genauso hören wie Menschen ohne Hörbeeinträchtigung. Besonders Hintergrundgeräusche machen mir zu schaffen. Wenn beispielsweise im Klassenzimmer viele Schüler durcheinanderreden, fällt es mir schwer, die Stimme meiner Lehrkraft herauszufiltern.

Manchmal ist das ganz schön anstrengend. Andere denken vielleicht, dass ich nicht aufpasse oder absichtlich nicht antworte. Dabei habe ich die Frage manchmal einfach nicht richtig verstanden.

Morgens gehe ich gemeinsam mit meinen Freunden in unser Klassenzimmer. Ich sitze möglichst weit vorne, damit ich die Lehrkräfte gut sehen kann. Das ist für mich wichtig, denn ich kann nicht nur über meine Ohren Informationen aufnehmen, sondern muss auch genau auf die Lippenbewegungen und die Mimik meines Gegenübers achten.

Wenn die Lehrkraft etwas erklärt, versuche ich, aufmerksam zuzuhören und gleichzeitig von ihrem Mund abzulesen. Das ist manchmal ziemlich schwierig. Wenn sie beispielsweise während des Schreibens an der Tafel weiterspricht oder sich zur Klasse umdreht, kann ich sie schlechter verstehen.

Besonders anstrengend finde ich es, wenn wir Arbeitsaufträge bekommen und die Lehrkraft diese nur mündlich erklärt. Während meine Mitschüler schon mit der Aufgabe anfangen, versuche ich manchmal noch herauszufinden, was genau wir machen sollen.

Es kommt auch vor, dass ich einzelne Wörter falsch verstehe. Dann bearbeite ich eine Aufgabe vielleicht anders als meine Mitschüler und merke erst später, dass ich etwas falsch verstanden habe.

Meine Lehrer versuchen deshalb, wichtige Arbeitsaufträge zusätzlich an die Tafel zu schreiben oder auf einem Arbeitsblatt festzuhalten. Wenn ich etwas nicht verstanden habe, darf ich nachfragen. Das hilft mir sehr.

In manchen Fächern habe ich größere Schwierigkeiten als in anderen.

Deutsch: Wenn wir gemeinsam Texte lesen und anschließend darüber sprechen, fällt es mir manchmal schwer, den Gesprächen zu folgen. Besonders schwierig ist es, wenn mehrere Schüler ihre Meinung gleichzeitig äußern. Bei Diktaten habe ich ebenfalls Schwierigkeiten, weil ich manche Laute und Wörter nicht eindeutig unterscheiden kann.

Mathematik: Hier komme ich meistens gut zurecht, wenn die Lehrkraft die Rechenwege an der Tafel zeigt. Schwierig wird es, wenn neue Aufgaben nur mündlich erklärt werden oder wichtige Informationen in einer längeren Erklärung vorkommen.

Englisch: Dieses Fach ist für mich manchmal besonders anstrengend. Ich muss neue Wörter lernen und ihre Aussprache verstehen. Manche englischen Laute kann ich nur schwer unterscheiden. Hörverstehensaufgaben sind deshalb eine besondere Herausforderung. Wenn wir beispielsweise eine Aufnahme anhören und anschließend Fragen beantworten sollen, verstehe ich nicht immer alle Informationen.

Gruppenarbeit: Gruppenarbeiten finde ich eigentlich toll, weil ich gerne mit meinen Mitschülern zusammenarbeite. Allerdings ist es schwierig, wenn alle durcheinanderreden. Dann weiß ich manchmal nicht, wer gerade spricht oder worüber gesprochen wird. Manchmal ziehe ich mich deshalb etwas zurück, obwohl ich eigentlich gerne mitarbeiten würde.

In den Pausen treffe ich mich meistens mit meinen Freunden. Wir unterhalten uns, machen Witze oder sprechen über Computerspiele und Fußball.

Allerdings ist es auf dem Pausenhof oft sehr laut. Viele Kinder reden durcheinander, andere rufen oder spielen Fußball. In dieser Umgebung kann ich Gespräche nur schwer verstehen.

Manchmal bekomme ich einen Witz nicht mit oder verstehe nicht, worüber meine Freunde gerade sprechen. Das ist mir manchmal unangenehm. Ich möchte nicht ständig nachfragen müssen, weil ich Angst habe, dass andere irgendwann genervt sind.

Einige meiner Freunde wissen inzwischen, worauf sie achten müssen. Sie sprechen mich direkt an, schauen mich dabei an und wiederholen etwas, wenn ich es nicht verstanden habe. Das finde ich sehr hilfreich.

Trotzdem wünsche ich mir manchmal, dass andere besser verstehen, wie anstrengend es sein kann, den ganzen Tag aufmerksam zuhören zu müssen.

Was viele Menschen nicht wissen: Für mich ist ein Schultag manchmal besonders anstrengend, obwohl ich körperlich gar nicht viel gemacht habe.

Ich muss mich ständig konzentrieren, um möglichst viele Informationen mitzubekommen. Dabei achte ich auf die Stimme, die Lippenbewegungen, die Mimik und den Zusammenhang des Gesprächs.

Wenn ich den ganzen Vormittag so aufmerksam sein muss, bin ich nach einigen Schulstunden oft erschöpft. Manchmal bekomme ich Kopfschmerzen oder kann mich nicht mehr so gut konzentrieren.

Besonders schwierig ist es, wenn ich etwas nicht verstanden habe und mich nicht traue, noch einmal nachzufragen. Dann versuche ich manchmal, aus dem Zusammenhang zu erraten, was gemeint war. Das klappt nicht immer.

Meine Klassenlehrerin hat deshalb mit mir besprochen, dass ich jederzeit nachfragen darf. Außerdem kann ich mich bei Bedarf kurz zurückziehen oder eine kleine Pause machen.

Damit ich möglichst gut am Unterricht teilnehmen kann, gibt es verschiedene Möglichkeiten, mich zu unterstützen.

Meine Lehrkräfte achten beispielsweise darauf, dass sie beim Sprechen zu mir gewandt sind. Sie versuchen, deutlich und in normalem Sprechtempo zu sprechen. Besonders wichtig ist, dass sie nicht gleichzeitig zur Tafel sprechen oder während des Erklärens durch den Klassenraum laufen.

Manchmal bekomme ich auch zusätzliche Unterstützung durch eine Lehrkraft aus dem Mobilen Sonderpädagogischen Dienst (MSD) mit dem Förderschwerpunkt Hören. Diese Fachkraft berät meine Lehrer und unterstützt dabei, den Unterricht an meine Bedürfnisse anzupassen.

Ich wünsche mir, dass meine Lehrer verstehen, dass ich nicht unaufmerksam bin, wenn ich etwas nicht mitbekomme. Ich muss mich oft viel stärker konzentrieren als andere, um den Unterricht vollständig zu verstehen.

Von meinen Mitschülern wünsche ich mir, dass sie mich direkt ansprechen und nicht von hinten mit mir reden. Wenn ich etwas nicht verstanden habe, hilft es mir, wenn sie es einfach noch einmal wiederholen.

Ich möchte nicht, dass andere ständig Rücksicht auf mich nehmen müssen oder mich anders behandeln. Ich möchte einfach dazugehören und gemeinsam mit allen anderen lernen.

Bericht eines Realschülers im Autismus-Spektrum

Hallo, ich bin Ben und bin 13 Jahre alt. Ich gehe in die 7. Klasse einer Realschule.

Meine Lieblingsfächer sind Mathematik und Informatik. Ich interessiere mich besonders für Computer, Zahlen und Technik. In meiner Freizeit beschäftige ich mich gerne mit Computerspielen und baue Modelle aus Klemmbausteinen. Dabei kann ich mich stundenlang konzentrieren.

Ich habe Autismus. Das bedeutet, dass ich manche Dinge anders wahrnehme und verarbeite als andere Menschen. Besonders schwierig sind für mich manchmal Situationen, in denen viele Dinge gleichzeitig passieren. Laute Geräusche, unerwartete Veränderungen oder unklare Situationen können mich schnell überfordern.

Manchmal verstehen andere nicht, warum ich auf bestimmte Dinge so stark reagiere. Dabei ist es für mich tatsächlich sehr anstrengend, wenn beispielsweise alle durcheinanderreden, jemand plötzlich etwas von mir möchte oder sich der gewohnte Tagesablauf verändert.

Ich möchte genauso wie meine Mitschüler lernen, dazugehören und Freundschaften schließen. Allerdings brauche ich dafür manchmal etwas mehr Unterstützung.

Morgens komme ich meistens gerne in die Schule. Ich mag es, wenn der Tag nach einem festen Ablauf beginnt. Ich weiß dann, welche Fächer wir haben und was auf mich zukommt.

Besonders schwierig finde ich es, wenn sich der Stundenplan plötzlich verändert. Wenn beispielsweise eine Lehrkraft krank ist und wir spontan in einem anderen Raum Unterricht haben, macht mich das nervös. Ich brauche Zeit, um mich auf solche Veränderungen einzustellen.

Im Unterricht sitze ich am liebsten an einem ruhigen Platz, möglichst weit vorne oder am Rand. So kann ich mich besser konzentrieren und werde nicht so leicht durch andere Schüler abgelenkt.

Wenn viele Kinder gleichzeitig sprechen, Stühle verrückt werden oder jemand laut lacht, fällt es mir schwer, mich auf die Lehrkraft zu konzentrieren. Manchmal höre ich dann zwar die Worte, kann sie aber nicht richtig verarbeiten.

Besonders anstrengend finde ich offene Aufgabenstellungen. Wenn meine Lehrerin beispielsweise sagt: „Bearbeitet das Thema kreativ und überlegt euch selbst etwas“, weiß ich manchmal nicht genau, was von mir erwartet wird. Wie viel soll ich schreiben? Muss ich Bilder verwenden? Soll ich alleine oder mit anderen arbeiten?

Mir hilft es sehr, wenn Aufgaben genau erklärt und in einzelne Schritte unterteilt werden. Dann weiß ich, was ich machen soll, und kann viel selbstständiger arbeiten.

Gruppenarbeiten finde ich oft schwierig. Ich weiß manchmal nicht, wie ich mich in ein Gespräch einbringen soll. Wenn mehrere Mitschüler gleichzeitig reden, kann ich nicht immer erkennen, wann ich etwas sagen darf.

Manchmal sage ich Dinge sehr direkt. Ich meine das nicht böse, aber andere fühlen sich dadurch manchmal angegriffen. Wenn ich beispielsweise finde, dass eine Lösung falsch ist, sage ich das sofort. Ich denke dabei nicht immer daran, dass meine Mitschüler sich dadurch verletzt fühlen könnten.

Auch Ironie, Witze oder Redewendungen verstehe ich manchmal anders als andere. Wenn jemand beispielsweise sagt: „Na, das hast du ja wieder toll gemacht!“, weiß ich nicht immer, ob das ernst gemeint ist oder ob sich jemand über mich lustig macht.

Meine Klassenlehrerin unterstützt mich dabei, soziale Situationen besser zu verstehen. Sie erklärt mir manchmal, wie bestimmte Aussagen gemeint sein könnten. Außerdem helfen mir klare Absprachen innerhalb der Gruppe. Wenn jeder eine feste Aufgabe bekommt, weiß ich genau, was ich tun soll.

Manchmal gibt es Tage, an denen mir alles zu viel wird. Besonders schwierig ist es für mich in der Pause. Auf dem Pausenhof ist es laut und unübersichtlich. Überall laufen Kinder herum, jemand ruft meinen Namen und gleichzeitig unterhalten sich viele Gruppen.

Manchmal ziehe ich mich deshalb lieber zurück. Ich gehe dann an einen ruhigeren Ort oder beschäftige mich alleine. Das bedeutet nicht, dass ich keine Freunde haben möchte. Ich brauche einfach manchmal Ruhe.

Wenn ich überfordert bin, kann es passieren, dass ich sehr unruhig werde, wütend reagiere oder mich zurückziehe. Manchmal kann ich dann nicht mehr richtig erklären, was gerade mit mir los ist.

Meine Lehrerin hat mit mir besprochen, dass ich in solchen Situationen einen vereinbarten Rückzugsort nutzen darf. Dort kann ich mich beruhigen und wieder Kraft sammeln.

Es hilft mir auch, wenn Erwachsene nicht sofort schimpfen, sondern versuchen herauszufinden, was mich gerade überfordert hat.

Ich mag es, wenn Dinge vorhersehbar sind. Deshalb helfen mir feste Regeln und klare Abläufe. Auch Vertretungsstunden oder spontane Änderungen sind für mich schwierig. Wenn eine Lehrkraft beispielsweise kurzfristig entscheidet, dass wir heute in einer anderen Reihenfolge arbeiten, bringt mich das manchmal durcheinander.

Meine Lehrer versuchen deshalb, mir Veränderungen möglichst früh mitzuteilen. Ein übersichtlicher Stundenplan und ein kurzer Hinweis auf besondere Ereignisse helfen mir dabei sehr.

Autismus bedeutet nicht nur, dass mir manche Situationen schwerfallen. Ich habe auch Fähigkeiten und Interessen, die mir besonders leichtfallen.

Wenn mich ein Thema interessiert, kann ich mich sehr intensiv damit beschäftigen. Ich merke mir viele Einzelheiten und erkenne manchmal Zusammenhänge, die anderen nicht sofort auffallen.

In Mathematik bin ich recht gut. Ich arbeite gerne mit Zahlen und logischen Aufgaben. Auch am Computer kenne ich mich gut aus und helfe meinen Mitschülern manchmal bei technischen Problemen.

Ich bin außerdem ehrlich und zuverlässig. Wenn ich jemandem etwas verspreche, versuche ich, mich daran zu halten. Ich wünsche mir, dass meine Mitschüler nicht nur die Dinge sehen, die mir schwerfallen, sondern auch meine Stärken erkennen.

Meine Lehrer wissen inzwischen, was mir im Schulalltag Schwierigkeiten bereitet. Sie versuchen, den Unterricht so zu gestalten, dass ich möglichst selbstständig und erfolgreich lernen kann.

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