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Aktuelles: Das Erbe nuklearer Landschaften in Europa

Mit der Erforschung der vielen Facetten des nuklearen Erbes in Europa setzt sich die von der EU geförderte COST-Aktion ‘Terra Atomica: Exploring the Afterlives of Nuclear Landscapes in Europe’ auseinander, die im September 2026 in Brüssel startete. Juliane Tomann, Juniorprofessorin für Public History an der Universität Regensburg, war maßgeblich an der Ausarbeitung des Antrags beteiligt und vertritt nun Deutschland im Lenkungsausschuss dieses auf vier Jahre angelegten internationalen Forschungsnetzwerks. Zudem leitet sie eine Arbeitsgruppe zum Thema Zeitlichkeiten, Geografien und Akteure des nuklearen Erbes.

06. November 2026, von Dr. Tanja Wagensohn

  • Philosophie, Kunst-, Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften
  • Förderung
  • Forschung
  • Nachhaltigkeit
  • Science Outreach & Transfer

Das EU-finanzierte COST-Programm (European Cooperation in Science and Technology) unterstützt internationale Forschungskooperationen durch die Finanzierung von Netzwerkaktivitäten, die Forschende in ganz Europa und darüber hinaus verbinden, um Wissenschaft und Innovation voranzutreiben.

Am 29. September 2026 wurde die neue COST-Aktion Terra Atomica: Exploring the Afterlives of Nuclear Landscapes in Europe offiziell in Brüssel vorgestellt. 

DIe Mitglieder stammen aus 29 europäischen Ländern. Die erste Sitzung des Lenkungsausschusses der Initiative markierte den Beginn der Tätigkeit eines vierjährigen internationalen Forschungsnetzwerks, das sich der Intensivierung des interdisziplinären Forschungsfeldes zum nuklearen Erbe in Europa widmet.

Gruppenbild mit mindestens 20 Personen, die meisten stehen, einige in der Hocke vor der Gruppe by COST
Lenkungsausschuss der EU-COST-Aktion “Terra Atomica” im September 2026 in Brüssel.

Erforschen, dokumentieren, neu interpretieren

Terra Atomica verbindet Forscherinnen und Künstler, Pädagogen und politische Entscheidungsträgerinnen sowie Gemeinden mit nuklearen Hinterlassenschaften in ganz Europa. Ihr Ziel: das Vermächtnis nuklearer Aktivitäten zu erforschen, zu dokumentieren und neu zu interpretieren. „Vom Uranabbau über Atomtests bis hin zur Energieerzeugung und zur Entsorgung radioaktiver Abfälle – die Entwicklung und Nutzung nuklearer Technologien hat Landschaften, Gemeinden und das kollektive Gedächtnis nachhaltig geprägt,“ erklärt Juliane Tomann, die seit längerem zu der Thematik forscht. 

Vor dem Hintergrund wieder aufkeimender nuklearer Aktivitäten und damit verbundener Ängste, Umweltunsicherheit und Fehlinformationen „will dieses Projekt einen gerechteren, regionalübergreifenden Dialog über eines der umstrittensten und dauerhaftesten Vermächtnisse in Europa fördern. Es untersucht, wie dieses Erbe weiterhin Gegenwart und Zukunft prägt", sagt die Wissenschaftlerin.

Terra Atomica hat sich zum Ziel gesetzt, gemeinsame methodische und pädagogische Werkzeuge zu entwickeln und Verbindungen über die Grenzen fachlicher Disziplinen hinweg zu stärken. 

Die Verantwortlichen planen, politische Empfehlungen für das verantwortungsvolle Management von nuklearen Hinterlassenschaften durch gemeinsame Forschung, virtuelle Ausstellungen, (Schul-)Bildungsstätten und Aktivitäten zur öffentlichen Beteiligung zu formulieren.

Die COST-Aktion wird von Professorin Jovana Janinovic (externer Link, öffnet neues Fenster) von der Universität Montenegro geleitet. Professorin Magdalena Banaszkiewicz (externer Link, öffnet neues Fenster) (Jagiellonen-Universität Krakau, Polen) ist stellvertretende Vorsitzende. 

In seiner Gründungssitzung legte der Lenkungsausschuss die Grundlagen für die zukünftige Zusammenarbeit fest, etablierte die Führungsstruktur und diskutierte die Prioritäten und Aktivitäten der sechs Arbeitsgruppen. 

Die von Juliane Tomann geleitete Arbeitsgruppe trägt den Titel Zeitlichkeiten, Geografien und Akteure des nuklearen Erbes.

Ziel der Arbeitsgruppe ist es unter anderem, ein interaktives und partizipatives Online-Repositorium europäischer Orte mit nuklearer Vergangenheit aufzubauen. Es soll räumliche Verbindungen zwischen diesen Orten abbilden und zugleich sichtbar machen, wie unterschiedlich mit dem oftmals toxischen Erbe umgegangen wird. „Analog zum Begriff der nuklearen Kette arbeiten wir für die Erbwerdung mit dem Begriff der ‚nuclear chain of heritagization‘, um auch im gesellschaftlichen Umgang mit der Vergangenheit die engen Verbindungen und Zusammenhänge herauszustellen“, erklärt Juliane Tomann.

Weitere Arbeitsgruppen behandeln Themen wie Governance, Richtlinien oder Management des nuklearen Erbes, nukleare Kulturen, Bildung zum nuklearen Erbe oder Verbreitung, Wirkung und Nachhaltigkeit.

Aus der Reihe “Tschornobyl 1986-2026: Schatten einer Ära". Fotografiert von Julia Drahan

Weitere Informationen

Kontakt aufnehmen

Prof. Dr. Juliane Tomann

Juniorprofessur für Public History
Institut für Geschichte
Universität Regensburg
E-Mail: juliane.tomann@ur.de

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