Henning von Philipsborn wurde am 11. März 1934 in Freiberg (Sachsen) geboren. Als jüngster Sohn des renommierten Mineralogen Hellmut von Philipsborn kam er bereits in jungen Jahren mit der Welt der Mineralogie und geowissenschaftlichen Forschung in Berührung. Seine Schulzeit führte ihn über mehrere Stationen in Deutschland sowie als Stipendiat des American Field Service in die Vereinigten Staaten nach Mobile, Alabama.
Zwischen 1953 und 1959 studierte er Chemie, Physik, Geowissenschaften und Mineralogie an den Universitäten Bonn, Paris (Sorbonne), Zürich und an der ETH Zürich. Seine Diplomarbeit legte er 1959 an der ETH Zürich ab. Im Jahr 1964 promovierte er bei dem Kristallographen Fritz Laves über A15-Phasen. Die Arbeit trug den Titel „Mischsystem von Verbindungen des Cr3 Si-Typs und deren Polymorphie-Erscheinungen“. Die anschließende Zeit nutze Henning von Philipsborn für verschiedene Reisen durch Afrika und Asien, um mineralogische Feldstudien durchzuführen. Von 1965 bis 1971 arbeitete er bei den Bell Telephone Laboratories sowie bei der Radio Corporation of America in den USA und in Zürich. Im Jahr 1971 habilitierte er sich an der ETH Zürich zum Thema „Zur Kristallchemie von Sulfid- und Selenidspinellen“.
1972 folgte Prof. Dr. von Philipsborn dem Ruf an die Universität Regensburg, wo er eine Professur für Physik übernahm. Hier widmete er sich insbesondere der Erforschung von Werkstoffen für die Mikroelektronik und arbeitete eng mit den Forschungslaboren von Siemens zusammen. Über viele Jahre hinweg prägte er die Ausbildung zahlreicher Studierender und Nachwuchswissenschaftler.
Ein zweites Arbeitsgebiet beschäftigte sich mit der natürlichen Radioaktivität. Bereits lange vor der öffentlichen Aufmerksamkeit für dieses Thema forschte Prof. Dr. von Philipsborn an radioaktiven Prozessen in Mineralen und der Umwelt. Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 widmete er einen großen Teil seiner Arbeit der Messung von Radioaktivität in der Umwelt sowie der sachlichen Information der Bevölkerung. Von 1986 bis 2019 organisierte er insgesamt siebzig Radiometrische Seminare im Schloss Theuern bei Amberg. Ein Meilenstein seiner Arbeit war die Entwicklung des sogenannten Philion-Experimentier-Sets im Jahr 1998. Mit diesem leicht zugänglichen Lehr- und Messsystem machte er insbesondere Schülerinnen und Schülern die natürliche Radioaktivität begreifbar.
Zum 1. April 1999 trat Professor von Philipsborn in den Ruhestand, blieb der Universität aber weiterhin eng verbunden.
Die Universität Regensburg wird Herrn Professor Dr. Henning von Philipsborn stets ein ehrendes Gedenken bewahren.
Foto: UR / Julia Dragan