Henri Brunner wurde am 4. Oktober 1935 in Burkhardtsdorf/Erzgebirge geboren. Im Jahr 1956 legte er an der Oberrealschule Deggendorf das Abitur ab, anschließend nahme er das Studium der Chemie an der Universität München auf, das er 1960 als Diplom-Chemiker erfolgreich abschloss.
An der Universität München wurde er im Jahr 1963 zum Thema „Untersuchungen über die Metallierung und die damit zugänglichen Derivate des Di-benzol-chroms“ promoviert. Nach einem Forschungsaufenthalt als Postdoktorand an der University of California in Los Angeles kehrte er an die Technische Universität München zurück, wo er sich im Jahr 1969 zum Thema „Der Nitrosyl-Ligand in Metall-Komplexen“ habilitierte. Sein Mentor war der spätere Nobelpreisträger Ernst Otto Fischer.
Im Jahr 1971 folgte Professor Dr. Brunner dem Ruf auf den Lehrstuhl für Anorganische Chemie an der Universität Regensburg. Hier übernahm er den Aufbau und die Entwicklung des Fachgebiets und prägte dieses über mehr als drei Jahrzehnte hinweg. 1983 übernahm er kurzzeitig das Amt als Dekan der Fakultät. Mit Ablauf des Monats März 2004 wurde er emeritiert.
Die Forschung von Professor Dr. Brunner war der stereoselektiven Katalyse und der Chemie chiraler metallorganischer Verbindungen gewidmet. Wegweisend war seine Erkenntnis, dass Übergangsmetallkomplexe eine stabile Chiralität am Metallatom aufweisen können. Mit seinen Arbeiten zur asymmetrischen Metallkatalyse schuf er wesentliche Grundlagen für die gezielte Herstellung enantiomerenreiner Wirkstoffe und trug dazu bei, die Bedeutung von Bild- und Spiegelbildstrukturen in der Chemie sichtbar zu machen. Viele seiner wissenschaftlichen Konzepte fanden Eingang in Lehrbücher und industrielle Anwendungen.
Henri Brunners Forschungsleistungen wurden durch zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen gewürdigt, darunter der Carl-Duisberg-Gedächtnispreis, der Horst-Pracejus-Preis, der Alexander-von-Humboldt-Preis, der Max-Planck-Forschungspreis sowie die Ehrendoktorwürde der Technischen Universität München.
Darüber hinaus setzte er sich mit großem Engagement für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ein und führte rund 150 akademische Schülerinnen und Schüler zur Promotion.
Mit Professor Dr. Henri Brunner verliert die Universität Regensburg einen der bedeutendsten deutschen Chemiker seiner Generation und den Begründer der Anorganischen Chemie an der Universität. Sie wird ihm stets ein ehrendes Gedenken bewahren.