Die unter dem Motto „Erinnerung und Demokratie“ stehende Konferenz fand vom 28. Juli bis zum 1. August an der Universidad Torcuato Di Tella statt. Sie brachte Forscher:innen, Aktivist:innen und Künstler:innen aus aller Welt zusammen, die sich mit Erinnerung als politischem, sozialem und kulturellem Phänomen beschäftigen. Die Konferenz fand im Jahr des 50. Jahrestags des Staatsstreichs von 1976 statt, durch den die letzte Militärdiktatur Argentiniens an die Macht kam – ein Jahrestag, der vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Lage in Lateinamerika den Debatten eine besondere Bedeutung verlieh.
Im Rahmen des Panels „Ästhetik des Horrors in Lateinamerika und Osteuropa“ stellten Anne Brüske und Bárbara Aranda am 30. Juli ihre Forschungsergebnisse vor. Anne Brüske sprach über Apuntes para un viaje a Alemania (2016) von Carlos Aguilera und Aldito Menéndez. In diesem autobiografischen Comic werden Horror, Gore und Humor genutzt, um die Erinnerung an den kubanischen und ostdeutschen Staatssozialismus in den größeren historischen Kontext des Totalitarismus des 20. Jahrhunderts einzuordnen. Bárbara Aranda, deren Teilnahme durch das DAAD-Programm „Kongressreisen“ gefördert wurde, präsentierte ihren Beitrag zu Mónica Ojedas 2024 erschienenem Roman Chamanes eléctricos en la fiesta del sol. Sie untersuchte, wie Andengothik und Weird Fiction angesichts von Drogengewalt und kolonialem Erbe im heutigen Ecuador als mnemonische Strategien funktionieren. Abgerundet wurde das Panel durch Satarupa Nandi (SRM University AP, Indien). Sie interpretierte Malik Sajads Graphic Novel Munnu: A Boy from Kashmir (2015) als grafisches Zeugnis, das autoritären Narrativen entgegenwirkt. Gemeinsam untersuchten die drei Beiträge, wie Horror nicht nur als ästhetische Kategorie, sondern auch als politisches und mnemonisches Instrument fungiert. Im Zusammenspiel sprachen sie sich für einen transregionalen Ansatz bei Horrorgeschichten aus, der gemeinsame Anliegen verschiedener Regionen wie politische Übergänge, Migration und instabile Demokratien in den Blick rückt.
Über ihre eigene Podiumsdiskussion hinaus nahmen die beiden an einer Reihe weiterer Podiumsdiskussionen und Vorträge teil. Bárbara Aranda, die an der Arbeit der „Early Career Initiative“ (ECA) der MSA beteiligt ist, moderierte zudem als Gast die ECA-Versammlung mit. Zu den Veranstaltungen, an denen sie teilnahmen, gehörte die transregionale Podiumsdiskussion „Die Erinnerung an die Demokratie in Gefahr: Lehren aus Lateinamerika, Südafrika und Osteuropa“ mit Paweł Machcewicz (Polnische Akademie der Wissenschaften), Dubravka Stojanović (Universität Belgrad), Mariana Tello Weiss (CONICET) und Heike Becker (Universität des Westkaps), die von Aline Sierp (Universität Maastricht) geleitet wurde. Darüber hinaus nahmen sie am Rundtischgespräch „Erinnerung und das Digitale: Politik und Erkenntnistheorien“ teil. In diesem wurde untersucht, wie digitale Infrastrukturen und KI die Praktiken des Erinnerns neugestalten. Dabei wurde besonderes Augenmerk auf die Ungleichheiten zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden gelegt. Als Referent:innen traten Jordana Blejmar (Universität Liverpool), Motti Neiger (Bar-Ilan-Universität), Silvana Mandolessi (KU Leuven) und Victoria Walden (Universität Sussex) auf. Die Sitzung wurde von Johanna Vollmeyer (Universidad Complutense de Madrid) geleitet.
Im Rahmen der Konferenz hielt Anne Brüske am Dienstag, dem 28. Juli, an der Universidad de Buenos Aires einen Vortrag mit dem Titel „Narrativas gráficas y ecocronotopos del Caribe“ (Grafische Erzählungen und karibische Öko-Chronotope). Die Veranstaltung wurde vom „Grupo de Estudios Caribeños“ des Instituto de Literatura Hispanoamericana (ILH) organisiert und von Irina Garbatzky (Universidad Nacional de Rosario) moderiert, die im Wintersemester 2025/26 als Gastwissenschaftlerin am DIMAS und am Leibniz Science Campus “Europa und Amerika in der modernen Welt” tätig war. Bei dieser Gelegenheit konnten Anne Brüske und Bárbara Aranda sich auch mit Kolleg*innen wie Francisco Aiello (Universidad Nacional de Mar del Plata), Guadalupe Silva (ILH-UBA) und Ana Eichenbronner (UBA) austauschen.
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