Was ist das Early Career Forum?
Das Early Career Forum (ehem. “Tag des wissenschaftlichen Nachwuchs”) ist die Jahrestagung des PUR.
Dieser Tag steht voll im Zeichen der interdisziplinären Vernetzung der Promovierenden der Philosophischen Fakultäten der Universität Regensburg. Neben promotionsrelevanten Gastvorträgen durch geladene Expert:innen bietet das Early Career Forum den Teilnehmenden die Gelegenheit, das eigene Forschungsprojekt vor interdisziplinären Promotionskolleg:innen zu präsentieren. Dabei steht das gegenseitige Kennenlernen und die Vernetzung im Vordergrund, weshalb umfangreiche Pausen und ein abschließendes Get-Together eingeplant sind.
Rückblick & Eindrücke
Prof. Katelijne Schiltz (Geschäftsführende Direktorin des PUR) eröffnete die Jahrestagung mit wertschätzenden Worten gegenüber den spannenden Projekten der Promovierenden und dem - im besten Sinne des Wortes - bunten Programm, das sich aus den Beiträgen ergeben hat. Prof. Schiltz begrüßte und dankte außerdem ‘festen externen Größen’ des Promotionskollegs, wie Dr. Angela Weil-Jung (WIN), die die Veranstaltung durch ihre Anwesenheit ebenfalls bereicherte und für Fragen der Promovierenden zur Verfügung stand.
Roundtable "Publizieren und Finanzieren: Von der Dissertation zur Veröffentlichung"
Den inhaltlichen Auftakt machte ein Roundtable zum Thema “Publizieren und Finanzieren” für den wir Frau Dr. Heidrun Hamersky (GS OSESUR) und Herrn Dr. Gernot Deinzer (UR Data Hub) gewinnen konnten.
Frau Dr. Hamersky legte den Fokus ihrer Präsentation auf die Veröffentlichung gedruckter Verlagsmonografien und zeigte den Ablauf der Einreichung eines Dissertationsprojekts inklusive der Regularien für die Gutachten und der zeitlichen Fristen bis zur Erlangung des Doktortitels auf. Die wertvollen Hinweise zu den Vorgaben aus der Promotionsordnung stießen auf großes Interesse im Publikum. Auch die von ihr vorgestellte Verlagskalkulation, wie sich die Kosten für eine gedruckte Veröffentlichung zusammensetzen sowie die Hinweise, welche (uni-internen und externen) Förderungsmöglichkeiten es gibt, boten den Teilnehmenden wertvolle Einblicke.
Herr Dr. Deinzer schloss hieran mit einem aufschlussreichen Beitrag zur rechtlichen Grundlage jeder Veröffentlichung an: dem Urheberrecht. Als Experte für diesen Bereich fokussierte er im Weiteren die Möglichkeiten einer digitalen Publikation. Dabei stellte er den UR Publishing Service vor, der Promovierenden eine kostengünstige und niedrigschwellige Kombination aus digitaler und gedruckter Veröffentlichung jenseits großer Verlage bietet.
Die beiden Vorträge stellten eine perfekte Ergänzung dar und beleuchteten die Vor- und Nachteile verschiedener Publikationsformen. Alle individuell gelagerten Fragen wurden in einer anschließenden, von Prof. Katelijne Schiltz moderierten, Fragerunde beantwortet.
Panel I
Russländisch, russischsprachig, nicht-russische Russen? Zu den Übersetzungsstrategien von zeitgenössischen Schriftstellern aus dem Südkaukasus, die auf Russisch schreiben
Elisa Mucciarelli (Slavistik) machte im ersten Panel den inhaltlichen Auftakt. Anhand eines georgischen und eines aserbaidschanischen Autors zeigte sie in ihrem Vortrag, wie sich die vielschichtige Identität von Personen aus dem Südkaukasus in Texten niederschlägt und widerständige Praktiken gegen das russische Selbstverständnis darstellen kann. Sie untersucht ihre literarischen Beispiele auf Aushandlungen und Abgrenzungen von gemeinsamer Sprache und gegenteiligen politischen Haltungen, die sich als Detail in der Beschreibung von Alltagssituationen verstecken können. Dabei stellt sich Elisa Mucciarelli der Herausforderung, implizite Andeutungen in den voraussetzungsvollen Formulierungen offen zu legen.
Aloys Sprenger, koloniale Übersetzungen und Wissenschaft
Paul Schillinger (Geschichte) zeigte in seinem Vortrag Übersetzung als epistemischen Vorgang auf. In seiner Dissertation setzt er sich mit der Arbeit von Aloys Sprenger (1813-1893) auseinander, den Schillinger als “Go-Between”, als Mittelsperson zwischen unterschiedlichen imperialistischen Systemen und Sinnbild für die tiefe Verflochtenheit von Wissensproduktion und kolonialen Systemen versteht. Er arbeitet dabei die Dissonanzen des Wirkens des österreichischen Orientalisten zwischen Sprachförderung und Etablierung von Urdu als Sprache der Wissenschaft und gleichzeitiger imperialistischer Sichtweise heraus. Paul Schillinger zeigte an konkreten Textstellen auf, dass Sprengers Übersetzungen arabischer Texte ins Englische nicht nur Übertragungen darstellen, sondern eine Neuanordnung von Wissen.
Panel II
Zu den Sternen. Glasdiapositive und ihre Wege zur Vermittlung astronomischen Wissens
Torsten Bendl (Wissenschaftsgeschichte) sprach über mediale Wissensvermittlung im 19. und frühen 20. Jahrhundert durch Glasdias, die ein beliebtes Vermittlungsmedium zur Popularisierung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse der Astronomie darstellten. In seinem Vortrag zeichnete er die Wege nach, die von der Entstehung einer wissenschaftlichen Fotografie am Ort ihrer Aufnahme in der Sternwarte hinein in den Hörsaal führen. Damit verdeutlichte er die Kommunikation von Wissen als elementaren Teil wissenschaftlichen Arbeitens und beleuchtet Verbreitungswege bildlicher Wissenschaftsdaten vor den Zeiten des Internets. Als zentral versteht Bendl dabei drei Akteursgruppen: Wissenschaftler:innen, Unternehmen und Vortragende, deren Verflechtungen er in seinem Vortrag herausarbeitete.
Der beunruhigende Gast. Eine semantische Untersuchung der Angst im römischen häuslichen Kontext
Elena Maria Eusebi (Geschichte) führte szenisch in die Ängste der antiken Römer um ihr Haus, in ihrem Haus und vor ihrem Haus ein. Sie stellte die ersten Ergebnisse ihrer semantischen Untersuchung zum lateinischen Angstbegriff vor, mit der sie der Frage nachgeht, wie antike Römer Angst im häuslichen Kontext begriffen; vor wem und um was die Römer Angst haben und wen und was sie schützen wollen.
Elena Maria Eusebi zeigte dabei die Vielzahl an Quellen auf, die sie für ihre Untersuchung heranzieht und die die praktischen Reaktionen der Römer auf diese häuslichen Ängste zeigen (von materiellen, über kulturellen bis zu spirituellen Praktiken).
Panel III
The language of sexual abuse reporting in the newspapers of four World Englishes
Katharina Holler (Englische Linguistik) arbeitete in ihrem Vortrag zu den sprachlichen Konstruktionen in Medienberichterstattungen zu sexuellen Übergriffen zunächst das Verbrechen als ein geschlechterspezifisches heraus. Die Untersuchung in ihrer Dissertation wird eine textgestützte qualitative und quantitative Auswertung, wobei ihr englischsprachige Medienerzeugnisse aus Singapur, Indien, Großbritannien und den USA als Datengrundlage dienen. Sie fokussiert dabei u.a. die Frage, wer in den Berichterstattungen zu Wort kommt, aber auch welche Wortwahl (von einer Kriminalisierung bis zu einer Vermenschlichung und Verharmlosung) vorzufinden ist und verfolgt damit das Ziel, ideologische Potenziale offenzulegen.
Famous boosters im digitalen Wahlkampf? Strategische Kooperation zwischen Politikern und Prominenten in Deutschland und den Vereinigten Staaten
Jakob Berg (Politikwissenschaft) stellte die Ergebnisse eines Papers vor, welches als Auskopplung aus seiner Dissertation entstanden ist. Mit einer Big-Data-Analyse konnte er u.a. belegen, dass eine Unterstützung durch Prominente die Interaktion mit politischen Posts auf Instagram um 44% steigert. Dabei stellte er einen Vergleich zwischen den USA - in denen politisches Endorsement von Prominenten stärker verbreitet ist - und Deutschland an. Jakob Berg nutzt damit die Forschungslücke im deutschsprachigen Raum, in dem es bisher nur kleinere Effektstudien gab, aber das Big-Data-Potenzial von Social Media Postings weitestgehend ungenutzt blieb.
Q&A: Tipps für die Disputation
Den Abschluss der Tagung stellte eine offene Gesprächsrunde mit drei Direktoriumsmitgliedern des PUR dar: Frau Prof. Katelijne Schiltz (Musikwissenschaft), Frau Prof. Mirja Lecke (Slavische Literaturen und Kulturen) und Frau Prof. Angela Ganter (Alte Geschichte) diskutierten gemeinsam, was eine gute Verteidigung ausmacht und gaben Einblicke, wie diese abläuft. Sie beantworteten außerdem die zahlreichen Fragen der Promovierenden - zum Ablauf, zum Aufbau des Vortrags, zu den Formalia - und gaben wertvolle Tipps, wie man sich passend auf die eigene Disputation vorbereitet.
Programm (Kopie 4)
09:00-09:15h | Einlass
09:15–09:30h | Begrüßung: PROF. DR. KATELIJNE SCHILTZ
09:30–10:30h | Roundtable
DR. HEIDRUN HAMERSKY (Geschäftsführung GS OSES) und & DR. GERNOT DEINZER (Open-Access-Beauftragter) “Publizieren und Finanzieren: Von der Dissertation zur Veröffentlichung”
Beide Keynote Speaker:innen setzen mit ihren Impulsvorträgen unterschiedliche Schwerpunkte und informieren über die wichtigsten Schritte in der Publikation und Finanzierung der Dissertation. Eine anschließende, von Prof. Schiltz moderierte Diskussionsrunde bietet Raum für individuelle Fragen an die Expert:innen.
Dr. Heidrun Hamersky:
Wie wird aus einer Dissertation eine Publikation? Der Impulsvortrag bietet Orientierung auf dem Weg von der Einreichung der Dissertation bis zu ihrer Veröffentlichung. Er beleuchtet die wesentlichen Schritte nach der Abgabe, stellt verschiedene Publikationswege vor und gibt einen Überblick über Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten für anfallende Publikationskosten.
Dr. Gernot Deinzer:
Wie lässt sich eine Dissertation sichtbar und zugleich kostengünstig veröffentlichen? Der Impulsvortrag stellt Strategien zur Publikation von Dissertationen vor. Im Fokus stehen dabei die Sichtbarkeit und Kosten
einer Veröffentlichung sowohl als gedrucktes Buch als auch in digitaler Form.
- - -
10:30 – 11:00h | Kaffeepause
11:00 – 12:00h | Panel I (Chair: Viola Melzner)
ELISA MUCCIARELLI (Slavistik) “Russländisch, russischsprachig, nicht-russische Russen? Zu den Übersetzungsstrategien von zeitgenössischen Schriftstellern aus dem Südkaukasus, die auf Russisch schreiben”
"Ja, ich könnte mich als Russe bezeichnen – aufgrund meiner Kultur, meines Schicksals. Doch die russischen Machthaber des späten 20. Jahrhunderts entschieden selbst, wer und inwiefern russisch war. Diejenigen, die es nicht genug waren, nannten sie russischsprachig, und mit diesem einfachen linguistischen Trick erklärten sie das Problem für gelöst.“ So reflektiert Denis Gutsko in seiner auf Russisch geschriebenen Erzählung Apsny abuket: Der Geschmack des Krieges (2002) über seine eigene vielschichtige Identität und die Vergangenheit seiner Eltern. Geboren 1969 in Tbilisi, der Hauptstadt Georgiens, aufgewachsen in einer russischsprachigen ukrainischen Familie und später nach Russland emigriert, ist Gutsko nicht der einzige Schriftsteller aus einem südkaukasischen Land, der nach dem Zerfall der Sowjetunion und den wiederholten ethnischen Kriegen der frühen 1990er-Jahre in seinen Texten die eigene Positionalität in einem multiethnischen und mehrsprachigen Kontext in den Vordergrund stellt. Andere zeitgenössische Autoren aus der Region, die sowohl auf Russisch als auch auf Georgisch, Aserbaidschanisch oder Armenisch schreiben und veröffentlichen, sich gleichzeitig in verschiedenen Buchmärkten orientieren und den Ansprüchen einer diversen Leserschaft gerecht zu werden versuchen, sind mit ähnlichen Fragen rund um ihr (fehlendes) ‚Russischsein‘ konfrontiert.
Dieser Beitrag zielt darauf ab, deren Strategien der sprachlichen und kulturellen Übersetzung zu beleuchten. Wie werden ihre Texte für den russischen Markt geändert, angepasst, geschrieben und/oder umgeschrieben? Wo wird die lokale Kultur übersetzt, und wo bleibt sie opak und schwer greifbar? Und wie reflektieren die Autoren selbst über den Umgang mit der russischen Sprache und die Wechselbeziehungen zwischen Russland und dem multiethnischen Südkaukasus?
- - -
PAUL SCHILLINGER (Geschichte) “Aloys Sprenger, koloniale Übersetzungen und Wissenschaft”
Der österreichische Orientalist Aloys Sprenger (1813-1893) spielte in der Etablierung von Urdu als Sprache der Bildung und Wissenschaft im britischen Indien eine wichtige Rolle. Sein Name erscheint noch gelegentlich im Diskurs der Gegenwart, jedoch sind systematische Studien seiner Arbeit eher selten.
Dieser Vortrag situiert Sprenger innerhalb der Historiographie von Übersetzungen und Wissensproduktion. Anhand von Beispielen in Sprengers Werk zeige ich, wie Übersetzung keine neutrale Übertragung zwischen Sprachen ist, sondern ein gestaltendes, epistemisches Verfahren.
- - -
12:00 – 13:00h | Mittagspause
13:00 – 14:00h | Panel II (Chair: Rebecca Koller)
TORSTEN BENDL (Wissenschaftsgeschichte) “Zu den Sternen. Glasdiapositive und ihre Wege zur Vermittlung astronomischen Wissens”
Damit naturwissenschaftliche Erkenntnisse Wirkung entfalten, reicht es nicht, dass sie produziert werden. Ein elementarer Teil wissenschaftlichen Arbeitens ist die Kommunikation von Wissen. Dazu wurden auch im 19. und frühen 20. Jahrhundert Vermittlungsformen und Medien benötigt. Wollte man Wissen in möglichst breite Kreise verbreiten, also popularisieren, war der öffentliche Vortrag ein beliebtes Mittel der Wahl. Um ihn anschaulich zu gestalten, griff man häufig auf das 1850 patentierte Medium des Glasdias zurück. Doch stellt sich die Frage: Wie kam der Vortragende an sein Material? Immerhin gab es kein Internet, wo eine schier unendliche Auswahl an Bildern hätte heruntergeladen werden können.
Am Beispiel der Astronomie beleuchte ich, auf welchen Wegen eine wissenschaftliche Photographie vom Ort ihrer Aufnahme, in diesem Fall der Sternwarte in den Hörsaal gelangte. Dabei mache ich im Besonderen drei Akteursgruppen aus: Wissenschaftler – Unternehmen – Vortragende. Im Vortrag stelle ich vor, wie die drei Gruppen miteinander verflochten waren. Besonders zeige ich, wie Unternehmen an Aufnahmen gelangten, die sie dann wiederum bewerben und verkaufen, also in eine Ware umwandeln konnten. Zudem stelle ich nicht-kommerzielle Möglichkeiten für Vortragende vor, an Diapositive zu gelangen. Damit zeige ich, wie die zunehmende Wissenschaftspopularisierung um die Jahrhundertwende zu neuen Verflechtungen zwischen Wissenschaft(-lern), Unternehmen und der Öffentlichkeit führte.
- - -
ELENA MARIA EUSEBI (Geschichte) “Der beunruhigende Gast. Eine semantische Untersuchung der Angst im römischen häuslichen Kontext”
“Eine schlichte, ländliche Behausung, mit einfacher Hand errichtet – das war ein Zuhause im Einklang mit der Natur, in dem man gut leben konnte, ohne Angst vor ihm oder um es zu haben. Heute dagegen werden die meisten unserer Ängste von unseren Häusern selbst hervorgerufen” (Sen. Epist. 90.43, Übers. E. M. Eusebi). So beklagt sich Seneca bei seinem Freund Lucilius. Kurz zuvor hatte er sich über einige seiner Zeitgenossen lustig gemacht, die beim kleinsten Knarren in ihren prunkvollen Wohnhäusern zusammenzucken und schließlich voller Panik zwischen den Gestalten ihrer Wandmalereien umherlaufen.
Zugegeben: Seneca selbst war in seinen Wohnverhältnissen kaum ein Vorbild an Einfachheit. Aber die eigentliche Frage ist eine andere: Warum sind Häuser überhaupt die Quelle der meisten Ängste? Welche Ängste verbanden die Römer mit ihrem Wohnraum? Wie wurde das Gefühl der Angst von den Mitgliedern der römischen familia wahrgenommen und ausgedrückt?
Diese Studie betrachtet Emotionen als Vorgänge, die im Menschen durch bestimmte Situationen ausgelöst werden und biologisch, kulturell sowie individualbiographisch bedingt sind. Sie werden durch soziale Kontexte, Normvorstellungen und Werturteile geprägt (GANTER 2022, Neuer Wein in alten Schläuchen?). Auch die internen Bräuche kleinerer Gemeinschaften beeinflussen die Art und Weise, wie Menschen Emotionen erleben. Die römische familia prägt somit einen “emotional style”, den ihre Mitglieder teilen (GAMMERL 2012, Emotional styles).
Um Angst im römischen Wohnraum aus einer emischen Perspektive zu verstehen, ist der erste Schritt eine semantische Untersuchung der Begriffe metus, timor, terror, pavor und formido in lateinischen Texten, die den häuslichen Kontext betreffen. Die zu beantwortenden Fragen lauten: Wer empfindet Angst im römischen Haus? Wer oder was löst Angst aus? Wen oder was versucht man zu schützen? Welche körperlichen Symptome und praktischen Reaktionen werden hervorgerufen?
Obwohl diese semantische Untersuchung lediglich den Auftakt zu einer umfassenderen Studie bildet, verfolgt dieser Beitrag das Ziel, ihre Ergebnisse vorzustellen. Das Wohlergehen der Kinder steht im Mittelpunkt der Sorgen einer römischen Familie: Mutter und Vater empfinden dieses Gefühl jedoch unterschiedlich und teilen es fast nie miteinander; zudem scheint die Besorgnis der Erwachsenen je nach Geschlecht des Kindes erheblich zu variieren. Interessant sind auch die Ängste, die den Kindern selbst zugeschrieben werden. Entgegen den Erwartungen beschreiben die Angstbegriffe nur in seltenen Fällen äußere Bedrohungen für den Wohnraum; vielmehr scheint dieses Gefühl die Grundlage für die Macht- und Kontrollhierarchien innerhalb der familia zu bilden.
- - -
14:00 – 14:30h | Kaffeepause
14:30 – 15:30h | Panel III (Chair: Viola Melzner)
KATHARINA HOLLER (Englische Linguistik) “The language of sexual abuse reporting in the newspapers of four World Englishes”
Die dieser Arbeit zugrunde liegende Annahme, dass Sprachgebrauch in Text und Diskurs gesellschaftlich geteilte Überzeugungen und Wahrnehmungen von Wirklichkeit (Ideologien) transportiert und reproduziert, ist ein zentraler Bestandteil der Critical Stylistics und der Critical Discourse Analysis. Besonders wirkmächtig wird Ideologie, so Jeffries (2010), wenn sie so weit naturalisiert ist, dass sie nicht mehr als Ideologie wahrgenommen, sondern als selbstverständlich und natürlich empfunden wird.
Das vorgestellte Dissertationsprojekt baut auf dieser Annahme auf und versucht, potenzielle Ideologien sowie deren sprachliche Manifestationen in der medialen Konstruktion sexueller Übergriffe in vier englischsprachigen Ländern zu identifizieren und zu analysieren. Im Fokus steht die Frage, wie Täter:innen, Opfer sowie Straftaten sprachlich konstruiert werden und inwiefern bestimmte sprachliche Entscheidungen potenziell durch extralinguistische Faktoren , wie Täter:innen- und Opfergeschlecht, die Qualität der Zeitung oder den kulturell-geografischen Kontext, beeinflusst werden.
Da sexueller Missbrauch und gesellschaftliche Vorstellungen darüber, wie sexueller Missbrauch typischerweise aussieht, nicht unabhängig von gesellschaftlichen Konzepten von Geschlecht und Sexualität existieren, liegt der Schwerpunkt des Projekts auf dem möglichen Einfluss des Täter:innengeschlechts auf sprachliche Entscheidungen in der Berichterstattung. Im nächsten Schritt soll untersucht werden, ob und inwiefern sich dieser potenzielle Gender Bias zusätzlich in Abhängigkeit vom Opfergeschlecht, der Zeitungsqualität sowie zwischen den vier untersuchten Ländern unterscheidet.
Die methodische Herangehensweise kombiniert qualitative und quantitative Analysen eines selbsterstellten Korpus, das aus etwa 320.000 Wörtern besteht und gleichmäßig auf alle Unterkategorien verteilt ist. Darüber hinaus ist, sofern methodisch sinnvoll und umsetzbar, der ergänzende Einsatz von Sentimentanalyse mithilfe vortrainierter Python-Modelle vorgesehen.
- - -
JAKOB BERG (Politikwissenschaft) “Famous boosters im digitalen Wahlkampf? Strategische Kooperation zwischen Politikern und Prominenten in Deutschland und den Vereinigten Staaten”
Prominente spielen in den USA als Influencer vor allem über die sozialen Medien eine zunehmend wichtige Rolle in der politischen Kommunikation. Diese Studie im Zeitraum von 2011 bis 2025 untersucht, ob vergleichbare Muster in Deutschland auftreten und wie sich die Beteiligung von Prominenten auf die Performanz politischer Inhalte auf der Social-Media-App Instagram während des Wahlkampfs zur Bundestagswahl 2025 auswirkt. Grundlage der Big-Data-Analyse sind zwei Datensätze mit 330.562 Posts deutscher und US-amerikanischer Prominenter sowie 149.460 Beiträge von 2.618 Kandidierenden und 270 politischen Parteien im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2025.
Mittels maschineller Klassifikation und inferenzstatistischer Modelle werden vier Hypothesen geprüft: (1) Politische Kommunikation durch Prominente in Sozialen Medien unterscheidet sich zwischen Deutschland und den USA; (2) die Art der politischen Darstellung durch deutsche Prominente (themenbezogen, parteipolitisch oder personenbezogen) beeinflusst die Performanz politischer Beiträge unterschiedlich; (3) politische und nicht-politische Promi-Posts erzielen unterschiedliche Performanzwerte; und (4) Beiträge von Politiker:innen profitieren von erkennbarer Unterstützung durch Prominente. Die Ergebnisse zeigen, dass politische Inhalte nur 1,7 % der deutschen Promi‑Posts ausmachen, gegenüber 3,3 % in den USA. Inhaltsbezogene politische Kommunikation ist am verbreitetsten, senkt die Interaktionsrate ((Likes + Kommentare) / Followerzahl) jedoch um 14 %, während personenbezogene Inhalte diese um 21 % verringern.
Obwohl politische Posts von Prominenten insgesamt schlechter performen, weisen Mixed‑Effects‑Modelle einen kleinen positiven account‑internen Effekt auf (+5 %). Am deutlichsten erweist sich die Wirkung bei Politiker:innen: Unterstützung durch prominente Personen erhöht die Reichweite ihrer Beiträge um rund 44 %. Die Ergebnisse zeigen, dass politische Kommunikation durch Prominente in Deutschland selten und kontextsensibel ist, gleichzeitig jedoch erhebliche Potenziale bietet, wenn Politiker:innen strategisch mit prominenten Persönlichkeiten kooperieren.
- - -
15:30 – 16:00h | Kaffeepause
16:00 – 17:00h | Q&A: Tipps für die Disputation
Fragerunde mit Hinweisen, wie die Disputation gelingt.
Frau Prof. Katelijne Schiltz, Frau Prof. Mirja Lecke und Frau Prof. Angela Ganter werden im offenen Gesprächsformat diskutieren, was eine gute Verteidigung ausmacht, Einblicke geben und Fragen zu Do's and Dont's beantworten.
- - -
Ab 17:30h | Gemeinsames Abendessen in der L'Osteria (Watmarkt 1)