Der Leibniz-WissenschaftsCampus (LWC) „Europa und Amerika in der modernen Welt“, eine gemeinsame Einrichtung der Universität Regensburg (UR) und des Regensburger Leibniz-Instituts für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS), fördert unter anderem innovative, multidisziplinäre Early-Career-Forschung. Das jüngste Law & Borders Research Network vereint Forschende mit einem Hintergrund in Rechtswissenschaften und Border Studies.
Die Sprecherinnen des Netzwerks, Dr. Marie Beyrich (Fakultät für Rechtswissenschaft, Universität Regensburg) und Dr. Mélanie Sadozaï (DIMAS, Universität Regensburg), begrüßten am 11. Juni über 50 Personen zu einer interaktiven und spannenden Auftaktveranstaltung in Regensburg.
Neben Beyrich und Sadozaï gehören
- Dr Ariane Bachelet, Universität Paris 1, Frankreich
- Karst Berkenbosch, University of Leuven, Belgien
- Felix Bruckner, KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, Zentrum Erinnerungskultur, Universität Regensburg
- Laura Amy Disley, Queen Mary University, London, UK
- Paschalina Garidou, Radboud University, Niederlande
- Dr Niamh Keady-Tabbal, Maynooth University, Irland
- Luuk Winkelmolen, Radboud University, Niederlande
zum „Law & Borders Research Network“.
Der Leitgedanke des Projekts ist, dass das Recht Grenzen nicht nur auf dem Papier zieht. Es gestaltet und regelt sie und schafft damit auch Schwellen, die das Leben derjenigen verändern, oft erschweren, die sie überschreiten oder an ihnen leben.
Grenzen sind in diesem Sinne keine statischen Linien, sondern sich wandelnde Rechtskonstrukte, die beeinflussen, wer sich unter welchen Bedingungen und mit welchen Konsequenzen (über sie hinweg) bewegen darf.
Forschungsschwerpunkte des Netzwerks liegen auf der bayerisch-böhmischen Grenze, den Kanalinseln sowie Georgien und Abchasien.
Die Auftaktveranstaltung eröffneten Professorin Dr. Anne Brüske (Direktoriumsmitglied des LWC, Universität Regensburg) und Dr. Paul Vickers (Manager des LWC). Der Eröffnung folgte ein inspirierender Vortrag von Professor Dr. Henk van Houtum (Radboud-Universität, Nimwegen) mit dem Titel „Between Monad and Nomad: Law, Bordering, and Lines of Flight“.
Grenzen: Von Linien auf dem Papier zur alltäglichen Realität
Traditionell wurden Grenzen als politische Markierungen verstanden. Kritische Forschende haben diesen Ansatz jedoch infrage gestellt und die Aufmerksamkeit auf die gelebten Dimensionen von Grenzen gelenkt. Dennoch wurde bislang nur partiell untersucht, wie rechtliche Rahmenbedingungen festlegen, wer unter welchen Umständen und mit welchen Rechten Grenzen überschreiten darf.
„In unserer Arbeit nehmen wir das Recht als Ausgangspunkt des Alltagslebens. Grenzen sind für die Menschen von Bedeutung: Sie nehmen Gestalt an in regelmäßigen Begegnungen, im Zugang zu Arbeit oder Sozialleistungen und in lokalen Erinnerungen an vergangene Trennungen“, erklären Marie Beyrich und Mélanie Sadozaï und fügen hinzu: „Geografie, Politik und Kultur spielen weiterhin eine entscheidende Rolle, doch das Recht bildet heute oft den entscheidenden Rahmen, durch den diese anderen Faktoren kanalisiert und greifbar gemacht werden.“
Die Methode der Early-Career-Forschenden ist das sog. Border Lab: Es umfasst immersive, feldbasierte Begegnungen in Regionen, in denen Recht, Politik und Alltag auf besondere Weise aufeinanderprallen.
Der Leibniz-WissenschaftsCampus wird das Netzwerk bis 2028 unterstützen.
Weitere Informationen
Die Eröffnungsveranstaltung wurde zusätzlich von der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Regensburg und der Koordinationsstelle Chancengleichheit der UR unterstützt.
Zur Webseite des Netzwerks (externer Link, öffnet neues Fenster)
UR Research Dynamics in the Global World (externer Link, öffnet neues Fenster)
Kontakt aufnehmen
Dr. Marie Beyrich
marie.beyrich@ur.de
Dr. Mélanie Sadozaï
melanie.sadozai@ur.de