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Aktuelles: In/ter/dependence: Jahreskonferenz 2026 des Leibniz-WissenschaftsCampus Regensburg

Von 17. bis 19. Juni 2026 untersuchen Forschende aus aller Welt in Regensburg Freiheit, Souveränität und Abhängigkeit im globalen Kontext.

18. Juni 2026, von Dr. Tanja Wagensohn

  • Philosophie, Kunst-, Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften
  • Rechtswissenschaft
  • Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften
  • Forschung
  • Internationalisierung
  • Konferenz, Tagung, Symposium

Wie haben Kämpfe um Freiheit und Souveränität immer wieder neue Formen von Abhängigkeit, Ausgrenzung und Ungleichheit hervorgebracht? 

Dieses Paradox, das die moderne Geschichte bis heute prägt, diskutieren internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei der Jahreskonferenz 2026 des Leibniz-WissenschaftsCampus (LWC) „Europa und Amerika in der modernen Welt“ vom 17. bis 19. Juni 2026 in Regensburg. Die Forschenden kommen u. a. von Regensburger Partner-Universitäten in Kansas, Arizona, Toronto, Łódź oder Ann Arbor. Sie vertreten Disziplinen von Geschichts- und Kulturwissenschaft über Soziologie und Ethnografie bis hin zu Rechts- und Politikwissenschaft.

Ausgehend vom 250. Jubiläum der US-amerikanischen Unabhängigkeit untersucht die Tagung mit dem Titel „In/ter/dependence: Transitions of Power, Frictions of Freedom”, wie Momente politischer Selbstbestimmung – von der Amerikanischen Revolution über Dekolonisierungsprozesse bis hin zur Entstehung neuer Staaten nach dem Zusammenbruch von Imperien und dem Ende des Kommunismus in Europa – politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Ordnungen verändert haben. 

UR / Elias Wiedemann
Eröffnung der Jahrestagung 2026 des Leibniz-WissenschaftsCampus Regensburg.
UR / Elias Wiedemann
Die LWC-Jahrestagung 2026 organisierten (v. r.) Dr. Birgit Bauridl-Hebel, Dr. Carmen Dexl und Dr. Paul Vickers.
UR / Elias Wiedemann
Professor Dr. Ulf Brunnbauer, Wissenschaftlicher Direktor des IOS und Sprecher des LWC.
UR / Elias Wiedemann
Professor Dr. Mita Banerjee
UR / Elias Wiedemann
Öffentliche Podiumsdiskussion mit (v. r.) Professor Dr. Ben Chappell, Professorin Dr. Marta Vicente, Dr. Marie Beyrich, Dr. Livia de Souza Lima, Professor Dr. Ulf Brunnbauer, Professorin Dr. Marike Janzen.
UR / Elias Wiedemann
Professor Dr. Udo Hebel, Präsident der UR.
UR / Elias Wiedemann
Get-together bei der LWC-Jahrestagung 2026.
LWC/LSC

"Mit dem Ausgangspunkt 250 Jahre amerikanische Unabhängigkeit leistet die Tagung nicht nur einen wichtigen Beitrag zu einer kritischen, multiperspektivischen und dekolonialen Diskussion von Geschichte und Erinnerung. Als Kooperation von REAF und LWC demonstriert sie zudem das transnationale Potential und die internationale Sichtbarkeit der interdisziplinären Area Studies in Regensburg", erläutert LWC-Direktoriumsmitglied Dr. Birgit Hebel-Bauridl, Managing Director des Regensburg European American Forum (REAF). 

Amerikanistin Hebel-Bauridl konzipierte die die Tagung gemeinsam mit Historiker Professor Dr. Ulf Brunnbauer, Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS), Dr. Carmen Dexl (American Studies, Universität Regensburg) und Dr. Paul Vickers (LWC-Geschäftsführer). Unterstützt wird die Konferenz von der Universitätstiftung Hans Vielberth.

„Der LWC und seine jährliche Tagung bringen regelmäßig renommierte internationale Forschende aus verschiedenen Disziplinen zusammen und unterstreichen damit, worum es bei herausragender Forschung und Wissenschaft geht: Interdisziplinarität, Internationalisierung und Innovation“, sagte der Präsident der Universität Regensburg, Professor Dr. Udo Hebel, in seiner Eröffnungsrede. Er betonte, dass "themenorientierte, multidisziplinäre und interdisziplinäre Forschung" zukunftsorientierte Forschung sei, insbesondere wenn es um die großen Herausforderungen und Fragen unserer Zeit gehe.

Über (Un-)Abhängigkeit und Freiheit

Unabhängigkeit wird häufig als Triumph der Freiheit verstanden, brachte jedoch oftmals neue Hierarchien, Abhängigkeiten und Ausschlüsse hervor. Die Tagung widmet sich diesen Spannungsverhältnissen in unterschiedlichen historischen und geografischen Kontexten und fragt zugleich nach den Verbindungen zwischen Souveränitätsbestrebungen und Kategorien wie Race, Geschlecht, Klasse und Macht.

„Die Freiheit der einen bedeutet oft die Unfreiheit der anderen. Das trifft auf die Unabhängigkeit der USA genauso zu wie auf Unabhängigkeitsbewegungen anderswo, etwa in Ost- und Südosteuropa. Mit der Tagung wollen wir aufzeigen, dass echte Freiheit nur universal zu denken ist“, betont der Wissenschaftliche Direktor des IOS und Sprecher des LWC Ulf Brunnbauer.

Indem die Konferenz untersucht, wie Freiheit und Abhängigkeit in unterschiedlichen historischen und politischen Kontexten ausgehandelt wurden und werden, eröffnet sie neue Perspektiven auf zentrale Herausforderungen der Gegenwart – von demokratischer Resilienz und Wissenschaftsfreiheit bis hin zu Ungleichheit, Konflikten und konkurrierenden Ansprüchen auf Souveränität. Sie lädt damit dazu ein, darüber nachzudenken, was Unabhängigkeit in der Vergangenheit bedeutete, was sie heute bedeutet und für wen sie bis heute ein unvollendetes Projekt geblieben ist.

„Gerade in einer Zeit globaler Krisen und gesellschaftlicher Polarisierungen braucht es Räume für differenzierte und multiperspektivische Diskussionen. Die Konferenz eröffnet einen transnationalen und interdisziplinären Dialog über Freiheit, Souveränität und Abhängigkeit in Vergangenheit und Gegenwart und macht die Verflechtung historischer Entwicklungen und aktueller Herausforderungen sichtbar", so Dr. Carmen Dexl, Akademische Rätin a. Z. am Lehrstuhl für Amerikanistik.

Dr. Paul Vickers (LWC-Geschäftsführer) resümiert: „In einer Zeit, in der der internationale Dialog zunehmend unter Druck gerät, ist es wichtiger denn je, Wissenschaftler über Grenzen hinweg zusammenzubringen. Wir freuen uns sehr, Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt, darunter viele von unseren Partneruniversitäten, willkommen zu heißen. Gemeinsam wollen wir die vielschichtigen Chancen und Widersprüche der Unabhängigkeit aus verschiedenen Perspektiven beleuchten.“

Vortrag zu Floridas „Villages“

Eröffnet wure die Konferenz am 17. Juni 2026 an der Universität Regensburg mit einer öffentlichen Keynote von Prof. Dr. Mita Banerjee (externer Link, öffnet neues Fenster) (Johannes Gutenberg-Universität Mainz). Die renommierte Vertreterin der interdisziplinären American Studies und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des LWC beleuchtete auf Grundlage ihrer Forschungen in den Aging Studies die Vereinigten Staaten im Jahr ihres 250-jährigen Bestehens durch die Linse von The Villages, einer bekannten Seniorenwohnanlage in Florida. 

Die oft als „Disneyland für Erwachsene“ bezeichnete Gemeinschaft dient dabei als aufschlussreicher Mikrokosmos des gegenwärtigen Amerika und zeigt, wie Vorstellungen eines erfolgreichen Alterns der Nation mit Idealen individuellen erfolgreichen Alterns wohlhabender Ruheständlerinnen und Ruheständler verknüpft sind.

Podiumsdiskussion: Akademische Freiheit heute

Am 17. Juni 2026 findet zudem die öffentliche Podiumsdiskussion „The (In)Dependence of Knowledge? Academic Freedom Today“ statt. Forschende aus Regensburg und der University of Kansas, mit der die Universität Regensburg eine strategische Partnerschaft verbindet, diskutieren über den Zustand der Wissenschaftsfreiheit in einer Zeit wachsender politischer und gesellschaftlicher Herausforderungen auf beiden Seiten des Atlantiks. 

Moderiert wurde die Diskussion von Professor Dr. Ben Chappell (University of Kansas). Es diskutieren Professor Dr. Ulf Brunnbauer (IOS / LWC / UR), Dr. Marie Beyrich (UR), Professorin Dr. Marike Janzen (University of Kansas), Dr. Livia de Souza Lima (DIMAS, UR) und Professorin Dr. Marta Vicente (University of Kansas). Ein Beitrag zur Diskussion auf dem UR SciencBlog ist in Vorbereitung.

Vortrag zur Geschichte Schwarzer Frauen

Am 18. Juni 2026 wird die Konferenz am Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS) fortgesetzt. Die zweite öffentliche Keynote hält Professorin Dr. Amrita Chakrabarti Myers, Ruth N. Halls Professor of History and Gender Studies an der Indiana University Bloomington. 

In ihrem Vortrag „Dangerous Characters: Black Women, Constructions of Freedom, and White Violence in the Post-Civil War South“ (externer Link, öffnet neues Fenster) greift sie auf ihre vielfach ausgezeichneten Forschungen zur Geschichte Schwarzer Frauen zurück und untersucht die umkämpften Bedeutungen von Freiheit nach dem Ende der Sklaverei. Die Forschung der Wissenschaftlerin verdeutlicht, wie eng Emanzipationsprozesse mit fortdauernden Strukturen rassistischer Gewalt und Ausgrenzung verbunden waren.

Konferenz-Panels

In den Panels der beiden Konferenztage stehen unter anderem die globalen Nachwirkungen der US-Unabhängigkeit in Regionen wie Indien und Lateinamerika, umstrittene Souveränitäten und Prozesse der Staatsbildung, die Bedeutung von Umwelt und Ressourcen für politische Autonomie sowie die Rolle internationaler Organisationen, militärischer Macht und transnationaler Kooperation bei der Aushandlung von Freiheit und Abhängigkeit im Mittelpunkt. 

Weitere Informationen

LWC-Jahreskonferenz ‘In/ter/dependence: Transitions of Power, Frictions of Freedom’: 

  • Eröffnung, Keynote 1, Podiumsdiskussion: 16:30 - 19:45 Uhr, 17. Juni, in H24, Vielberth-Gebäude der Universität Regensburg
  • Panels und Keynote 2: 18. und 19. Juni in Raum 319, IOS, Altes Finanzamt, Landshuter Str. 4, Regensburg

Programm (externer Link, öffnet neues Fenster)

Der Leibniz-WissenschaftsCampus (LWC) (externer Link, öffnet neues Fenster)ist eine gemeinsame Forschungsplattform der Universität Regensburg (UR) und des Leibniz-Instituts für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS) und wird von 2019 bis 2028 durch die Leibniz-Gemeinschaft gefördert. 

UR Research Dynamics in the Global World (externer Link, öffnet neues Fenster)

Kontakt aufnehmen

Dr. Paul Vickers

Geschäftsführer
Leibniz-WissenschaftsCampus
E-Mail. paul.vickers@ur.de

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