Direkt zum Inhalt


3R an der UR

Das 3R-Prinzip ist der zentrale ethische Leitgedanke in der Forschung mit Tieren und steht für drei gleich wichtige Ziele: Tierversuche ersetzen (Replace), die Zahl der eingesetzten Tiere verringern (Reduce) und Belastungen für die Tiere minimieren (Refine). Es soll sicherstellen, dass Tierversuche nur dann stattfinden, wenn es keine geeigneten Alternativen gibt, und dass sie – wenn sie unvermeidbar sind – so tier- und ressourcenschonend wie möglich geplant und durchgeführt werden. Das Konzept der 3R ist grundlegend in der Gesetzgebung zu Tierversuchen in der EU verankert, wurde jedoch an vielen Stellen weiterentwickelt und ergänzt. In Regensburg liegt uns als viertes R insbesondere das „Rehoming“ am Herzen - also die Abgabe von Tieren aus dem Labor in Privathand, wenn es (tierschutz-)rechtlich möglich ist.

Replace (Vermeiden)

„Replace“ bedeutet, Tierversuche durch geeignete Alternativmethoden zu ersetzen, wann immer dies wissenschaftlich möglich ist. Die Verfügbarkeit von Ersatz- und Ergänzungsmethoden muss bei der Planung und Durchführung jedes versuchstierkundlichen Projektes eingehend geprüft werden. Dies ist auch gesetzlich verankert. Zum “Replacement” zählen zum Beispiel Untersuchungen an Zell- und Gewebekulturen, Organoid-Modelle, Computersimulationen oder andere Ansätze, die ohne lebende Wirbeltiere auskommen. An der Universität Regensburg kommen neben verschiedenen in vitro- und in silico-Methoden auch Versuche an Insekten oder Seeanemonen als Ersatz von klassischen Tierversuchen zum Einsatz.

Ausführliche Informationen zu Ersatzmethoden finden Sie auch bei “Tierversuche verstehen (externer Link, öffnet neues Fenster)”.

Reduce (Verringern)

„Reduce“ zielt darauf, die Anzahl der benötigten Tiere auf das notwendige Minimum zu begrenzen, ohne die wissenschaftliche Aussagekraft zu gefährden. Das wird unter anderem durch sorgfältige Versuchsplanung, geeignete statistische Planung, optimierte Methoden sowie durch gute Abstimmung und Nutzung vorhandener Erkenntnisse erreicht, damit Wiederholungen unnötiger oder bereits ausreichend beantworteter Fragestellungen vermieden werden.

Refine (Verbessern)

„Refine“ umfasst alle Maßnahmen, die Schmerzen, Leiden, Angst oder dauerhafte Schäden für Tiere verhindern oder so weit wie möglich reduzieren. Dazu gehören Maßnahmen bei der Tierhaltung und vor, während und nach der Durchführung von Versuchen.

Für alle Versuche müssen im Tierversuchsantrag die Maßnahmen zur Schmerzlinderung beschrieben werden. Für die Anwendung von Narkose- oder Schmerzmedikamenten gibt es genaue Protokolle, die eingehalten und dokumentiert werden müssen. Je nach Versuch werden die Tiere zusätzlich zur Versorgung durch das Tierpflege-Personal bis zu viermal pro Tag von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern kontrolliert. Schmerzmedikamente werden soweit möglich über das Trinkwasser verabreicht, damit die Tiere keinen zusätzlichen Stress durch Injektionen haben.

Im Versuch selbst dürfen nur Methoden verwendet werden, die auf dem neuesten Stand der Wissenschaft und so wenig invasiv wie möglich sind. Hochmoderne Bildgebungsverfahren ermöglichen zum Beispiel eine genaue Kontrolle von Versuchsverläufen ohne zusätzlichen Eingriff und in stressfreier Kurznarkose. Durch intensive Forschung können zudem in manchen Fällen invasive Verfahren durch weniger belastende Messungen ersetzt werden wie bei der Bestimmung der Nierenfunktion bei der Maus (Transcutaneous measurement of renal function in conscious mice (externer Link, öffnet neues Fenster)).

Verpflichtender Bestandteil eines jeden Tierversuchsantrags sind zudem sogenannte „Score Sheets“. Score Sheets listen die genauen Kriterien auf, nach denen die Tiere beurteilt werden müssen und beinhalten ein Punkteschema für eine objektive Auswertung. Darüber hinaus müssen klare Kriterien zur frühzeitigen Beendigung eines Versuchs definiert werden, wenn Belastungsgrenzen erreicht werden. Genauere Informationen zur Belastungsbeurteilung finden sich zum Beispiel in Empfehlungen der deutschen Gesellschaft für Versuchstierkunde (GV SOLAS): Möglichkeiten der Belastungsbeurteilung im Tierversuch (externer Link, öffnet neues Fenster).

Alle Käfige unserer Nager sind mit sogenanntem Enrichment ausgestattet. Dazu gehören neben der Einstreu Nestbaumaterialien und Röhren oder Häuser. Die Behausungen sind aus rotem Kunststoff, da sich die Tiere dort sicher fühlen. Je nach Bedarf erhalten die Tiere zusätzlich Nagehölzer, weitere Behausungen oder besonderes Futter. Beispielsweise beschäftigen sich Mäuse gerne damit, Sonnenblumenkerne in der Einstreu zu suchen.

Kaninchen werden nicht in Käfigen, sondern in rollbaren Behausungen in Bodenhaltung gehalten. Diese sogenannten Pens können für größere Tiergruppen verbunden werden, um den Kaninchen mehr Platz zu geben. Falls nötig, können jederzeit Zwischenwände eingezogen werden, um Tiere bei Unverträglichkeiten oder ähnlichem abzutrennen.

Enrichment im Käfig UR
Käfigschale mit verschiedenen Enrichment-Gegenständen - Tunnel, Haus, Nestlet

Rehome (Vermitteln)

Neben den eigentlichen 3R gibt es weitere “R”, z. B. das Rehoming. Unter Rehoming versteht man die Abgabe von gesunden Tieren aus einem Tierlabor in Privathand. Dies kennen viele von den sogenannten „Laborbeagles“, aber auch Nagetiere können vermittelt werden. Dabei muss allerdings beachtet werden, dass gemäß europäischer Gesetzgebung nur genetisch nicht veränderte Tiere abgegeben werden dürfen, so dass ein Großteil der bei uns gehaltenen Mäuse und Ratten dafür nicht in Frage kommt. Bei der Übernahme eines Tiers aus einem Labor muss einiges für eine gute Eingewöhnung im neuen zu Hause beachtet werden, daher geben wir unsere Tiere nur mit einem Schutzvertrag und nach Vorlage von Bildern aus dem neuen Zuhause ab. Für die Vermittlung kooperieren wir im Sinne des Tierschutzes auch mit dem Tierheim Straubing (externer Link, öffnet neues Fenster)

Wir haben nicht ständig Tiere zur Abgabe zur Verfügung, wenn Sie aber bereit wären, Mäuse oder Ratten aufzunehmen, können Sie sich gerne unter ztl(at)ur.de (öffnet Ihr E-Mail-Programm) melden. Wir setzen Sie gern auf unsere Warteliste!

nach oben