Inhaltliche Schwerpunkte
Lernen, Sprache und Kompetenzentwicklung
Wie entwickeln Kinder fachliche Kompetenzen – und welche Voraussetzungen benötigen sie für erfolgreiches schulisches Lernen?
Ein zentraler Forschungsbereich des Lehrstuhls beschäftigt sich mit Lern- und Kompetenzentwicklungsprozessen von Grundschulkindern. Dabei werden insbesondere die Heterogenität der Lernvoraussetzungen sowie sprachliche Anforderungen schulischen Lernens berücksichtigt.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Bildungssprache und sprachsensiblem Lernen. Untersucht wird unter anderem, wie bildungssprachliche Kompetenzen mit fachlichen Lernprozessen zusammenhängen und wie Kinder beim Erwerb dieser Kompetenzen unterstützt werden können. Dies betrifft sowohl grundschulpädagogische Fragestellungen als auch einzelne Lernbereiche wie Mathematik oder den Sachunterricht.
Daneben werden Prozesse des Schriftspracherwerbs untersucht. Im Projekt FlowBY – Von der bayerischen Druckschrift zur flüssigen, individuellen Handschrift wird beispielsweise ein neuer Ansatz des Handschrifterwerbs wissenschaftlich begleitet. Seit dem Schuljahr 2024/25 erproben 43 bayerische Grundschulen den direkten Übergang von der Druckschrift zu einer individuellen, flüssigen Handschrift.
Diversität, Inklusion und Übergänge
Grundschule ist eine Schule für alle Kinder. Fragen des Umgangs mit Diversität, unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und inklusiver Bildung bilden deshalb eine weitere zentrale Forschungslinie.
Im Fokus stehen sowohl die Voraussetzungen gelingenden gemeinsamen Lernens als auch die dafür erforderlichen professionellen Kompetenzen von Lehrkräften. Im Zusatzstudium „Inklusion – Basiskompetenzen“ werden theoriegeleitete und systematisch begleitete Praxiserfahrungen mit empirischer Forschung verbunden. In einer Interventionsstudie mit Experimental-, Kontroll- und Wartekontrollgruppen wird mit quantitativen und qualitativen Methoden untersucht, wie sich die Kompetenzen angehender Lehrkräfte für inklusive Bildung entwickeln. Die Forschungsergebnisse fließen unmittelbar in die Weiterentwicklung des Studienangebots ein.
Mit Diversität eng verbunden ist die Forschung zu Übergängen im Bildungssystem. Das Evaluationsprojekt FrüSch untersuchte gemeinsam mit der Universität Würzburg Bedingungen gelingender Übergänge von Kindern mit Unterstützungsbedarf aus dem vorschulischen Bereich in die Grundschule. Dabei wurden nicht nur die Kinder selbst, sondern auch Familien, Frühförderung, Schulen und weitere beteiligte Institutionen als Bestandteile eines Übergangssystems betrachtet.
Themenfelder
Inklusion · Heterogenität · Transitionen · Schuleingangsphase · multiprofessionelle Kooperation · Ganztag · individuelle Förderung
Sachunterricht und naturwissenschaftliches Lernen
Der Sachunterricht stellt einen wichtigen fachdidaktischen Schwerpunkt der Forschung am Lehrstuhl dar. Im Zentrum steht die Frage, wie Kinder tragfähige Vorstellungen über Phänomene ihrer Lebenswelt entwickeln und zunehmend wissenschaftsorientiert denken und handeln können.
Forschungsarbeiten beschäftigen sich insbesondere mit dem Aufbau naturwissenschaftlicher Konzepte, mit Modellierungsprozessen sowie mit geeigneten Unterstützungsmaßnahmen beim Experimentieren und Problemlösen. Untersucht wurden beispielsweise der Einsatz von Analogien und Modellen zum Aufbau anschlussfähiger naturwissenschaftlicher Vorstellungen sowie Möglichkeiten einer kognitiv aktivierenden Lernunterstützung.
Ein zunehmend wichtiger Bereich ist dabei die Verbindung von naturwissenschaftlichem Lernen und digitalen Medien. Forschungsarbeiten widmen sich der digitalen Unterstützung von Experimentierprozessen, dem Lernen mit digitalen Lernumgebungen sowie Robotiksystemen im technischen Sachunterricht.
Themenfelder
naturwissenschaftlicher Sachunterricht · Experimentieren · Modellieren · Analogien · Conceptual Change · technische Bildung · Robotik · digitale Lernunterstützung
Demokratie, Gesellschaft und nachhaltige Entwicklung
Grundschule hat die Aufgabe, Kinder auf die Teilhabe an einer demokratischen, medial geprägten und nachhaltigen Gesellschaft vorzubereiten. Deshalb bilden politische Bildung, politische Medienbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) einen weiteren Schwerpunkt der Forschung.
Das Projekt PoliMeR – Politische Medienbildung Regensburg verbindet politische Bildung mit Medienbildung. Lehramtsstudierende und Grundschullehrkräfte entwickeln in Tandems Unterrichtsangebote, erproben diese gemeinsam in Grundschulklassen und reflektieren deren Umsetzung. Die Maßnahmen werden wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Ziel ist insbesondere die Entwicklung fachlicher, politikdidaktischer und medienpädagogischer Kompetenzen von Lehrenden.
Weitere Arbeiten befassen sich mit politischen Themen im Sachunterricht, mit Demokratiebildung sowie mit Fragen nachhaltiger Entwicklung. Dabei werden gesellschaftswissenschaftliche Perspektiven des Sachunterrichts mit Fragen der Professionalisierung von Lehrkräften verbunden.
Themenfelder
politische Bildung · Demokratiebildung · politische Medienbildung · Medienkompetenz · Gesellschaftswissenschaften · BNE · Mehrperspektivität
Digitalisierung und neue Lernwelten
Digitale Medien verändern sowohl die Lebenswelt von Kindern als auch Unterricht, Schule und Lehrkräftebildung. Der Lehrstuhl untersucht deshalb digitale Technologien nicht isoliert, sondern unter der Frage, welchen Beitrag sie zur Gestaltung hochwertiger Lern- und Bildungsprozesse leisten können.
Die Forschung reicht vom Einsatz digitaler Medien im Sachunterricht über Erklärvideos, digitale Unterstützungsformen beim Experimentieren und Robotik bis zur Gestaltung digitaler Lernumgebungen in Schule und Hochschule.
Im Projekt Digitaler Campus wurden beispielsweise domänenspezifische digitale Kompetenzen von Hochschullehrenden und Lehramtsstudierenden sowie deren Bedeutung für die Gestaltung digital gestützter Lehr-Lern-Prozesse untersucht und gefördert. Ziel war eine durchgängige Kompetenzentwicklung von der Hochschullehre über die Lehrkräftebildung bis zum schulischen Unterricht.
Themenfelder
digitale Bildung · Medienkompetenz · digitale Lernumgebungen · Erklärvideos · Robotik · digitales Experimentieren · Hochschuldidaktik
Professionalisierung und Lehrkräftebildung
Die Entwicklung professioneller Kompetenzen von Lehrkräften verbindet zahlreiche Forschungsbereiche des Lehrstuhls miteinander.
Gefragt wird danach, welches Wissen und welche Fähigkeiten Lehrkräfte für einen lernwirksamen, inklusiven, sprachsensiblen, demokratischen und digital gestützten Grundschulunterricht benötigen und wie diese Kompetenzen in Studium, Fortbildung und beruflicher Praxis aufgebaut werden können.
Untersucht werden unter anderem Kompetenzen beim Erklären, bei der Lernunterstützung und der Gestaltung inklusiver Lerngelegenheiten. Forschungsprojekte verbinden dabei universitäre Lehrveranstaltungen mit konkreten Praxiserfahrungen und deren wissenschaftlicher Begleitung.
Auch die Internationalisierung der Lehrkräftebildung wird als Möglichkeit der Professionalisierung untersucht. Internationale Begegnungen und Erfahrungen werden daraufhin betrachtet, welche Impulse sie für die Entwicklung angehender Grundschullehrkräfte geben können.
Themenfelder
Professionalisierung · Lehrer · Erklären · Lernunterstützung · Theorie-Praxis-Verzahnung · Fortbildung · Hochschuldidaktik · Internationalisierung
Forschung verbindet
Die einzelnen Forschungsschwerpunkte des Lehrstuhls stehen nicht nebeneinander, sondern sind eng miteinander verknüpft. Übergreifend prägen insbesondere fünf Perspektiven das Forschungsprofil:
Kompetenzorientierung
Forschung richtet sich auf die Entwicklung von Kompetenzen bei Kindern, Studierenden und Lehrkräften.
Diversität
Unterschiedliche sprachliche, soziale und individuelle Voraussetzungen werden als grundlegende Bedingung schulischen Lernens berücksichtigt.
Professionalisierung
Die Frage nach der Qualität von Schule wird mit der Frage verbunden, welche professionellen Kompetenzen Lehrkräfte hierfür benötigen und wie diese entwickelt werden können.
Innovation
Neue gesellschaftliche und technologische Entwicklungen – von Digitalisierung und KI über politische Medienbildung bis zu neuen Formen der Handschriftentwicklung – werden empirisch untersucht und für Schule und Lehrkräftebildung erschlossen.
Theorie-Praxis-Transfer
Viele Forschungsprojekte entstehen in enger Zusammenarbeit mit Schulen, Lehrkräften, Studierenden und außerschulischen Partnern. Forschung dient dabei nicht allein der Beschreibung pädagogischer Prozesse, sondern soll wissenschaftlich fundierte Beiträge zur Weiterentwicklung von Unterricht, Schule und Lehrkräftebildung leisten.
Empirisch forschen – Schule gemeinsam weiterentwickeln
Das Forschungsprofil des Lehrstuhls ist damit durch die Verbindung von Grundschulforschung, Sachunterrichtsdidaktik und Professionalisierungsforschung geprägt. Im Mittelpunkt stehen Bildungsprozesse von Kindern und die Frage, wie Lehrkräfte und Bildungsinstitutionen diese unter den Bedingungen von Diversität, Digitalisierung und gesellschaftlichem Wandel bestmöglich unterstützen können.
Forschung wird dabei als gemeinsamer Prozess von Wissenschaft und Bildungspraxis verstanden: empirisch fundiert, interdisziplinär vernetzt und mit dem Ziel, Erkenntnisse für die Weiterentwicklung von Grundschule und Lehrkräftebildung nutzbar zu machen.