Die kontinuierlich steigende Zahl an Schüler:innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf stellt seit Jahren eine zentrale Herausforderung für das deutsche Bildungssystem dar. Auch im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung zeigt sich ein signifikanter Anstieg der sogenannten Förderrelation: Bundesweit hat sich diese von 0,6 % im Jahr 1994 auf 1,4 % im Jahr 2022 mehr als verdoppelt. In Bayern wurde in den Jahren 2023 und 2024 zudem ein sprunghafter Zuwachs festgestellt, der sich wohl weder durch demografische Entwicklungen noch durch die bislang stetig, aber moderat steigenden Förderrelationen hinreichend erklären lässt.
Ziel des Projekts ist die empirische Analyse des sprunghaften Anstiegs der Schüler:innenzahlen im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung in Bayern sowie möglicher Ursachen. Es wird untersucht, inwiefern diagnostische Praktiken, institutionelle Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Entwicklungen zu dieser Dynamik beitragen.
Mittels quantitativer sowie qualitativer Methoden werden statistische Trends, Kohortenmerkmale sowie personen- und umweltbezogene Aspekte des Feststellungsprozesses analysiert und trianguliert.
Die Arbeitspakete umfassen im Einzelnen:
- Profunde statistische Analysen zur Entwicklung der Schüler:innenzahlen im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung in Bayern
- Repräsentative Kohortenanalysen zur Beschreibung individueller Merkmale und Unterstützungsbedarfe
- Dokumentenanalysen und ergänzende Diagnostik zur Prüfung der personenbezogenen Zuschreibungskriterien
- Interviews mit Fachkräften und weiteren Stakeholdern zur Bedeutung umweltbezogener und systemischer Faktoren
- Triangulation aller Daten zur Ableitung konsistenter Erklärungs- und Handlungsperspektiven
Rahmendaten & Kontakte
Förderung
Das Vorhaben wird durch das bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus gefördert.
Finanzierung
09/2025 - 08/2028
Projektleitung
Prof. Dr. Wolfgang Dworschak, Prof. Dr. Christoph Ratz (JMU (externer Link, öffnet neues Fenster)), Prof. Dr. Peter Zentel (LMU (externer Link, öffnet neues Fenster))
Projektdurchführung
Henrik Frisch (externer Link, öffnet neues Fenster) (JMU), Susanne Seddigh (externer Link, öffnet neues Fenster) (LMU), Waltraud Röscher (externer Link, öffnet neues Fenster) (UR)