Dissertation
Verkörperte Geschichte – Strategien der Konfrontation: Gesellschaft, Gender und Disability
im Werk von Luce d‘Eramo (1925–2001)
Luce d’Eramo (1925-2001) war eine italienische Schriftstellerin, Journalistin und Intellektuelle. 1944 meldete sie als 18-Jährige als freiwillige ausländische Fremdarbeiterin in Deutschland und verbrachte ein Jahr in verschiedenen NS-Arbeits- und Konzentrationslagern (Arbeitslager der IG Farben Frankfurt-Höchst, KZ Dachau). Nach einem Unfall in Mainz im Februar 1945, der ihre Wirbelsäule verletzte, kehrte sie als körperbehinderte Frau nach Italien zurück und saß fortan im Rollstuhl. Über diese Erlebnisse verfasste sie ab den 1950er Jahren zahlreiche narrative, journalistische wie essayistische Texte, wie u.a. den autobiographischen Roman Deviazione (1979). Zeitlebens widmete sie sich kontroversen Themen und den Phänomen ihrer Zeit. Damit ist sie eine zwar noch unbekannte, aber wichtige intellektuelle Stimme für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Die Dissertation untersucht systematisch einen gewichtigen Teil der journalistischen und narrativen Interventionen von d’Eramo und analysiert sie vor dem Hintergrund des italienischen Erinnerungsdiskurses zum Zweiten Weltkrieg im Hinblick auf die gesellschaftskritische Erzählweise, genderspezifisches Erinnern und das Zusammenwirken mit Diversitätsdiskursen (Gender und Disability). Dafür steht die Rolle und Funktion von Körperbildern als ‚verkörperter Anomalie‘ für die literarische Auseinandersetzung mit der faschistischen Vergangenheit besonders im Fokus.
Forschungsinteressen
Italienische Literatur des 20. Jahrhunderts
Erinnerungskultur Italiens
Gender Studies, Disability Studies
Vorträge
- Horizonterweiterung durch Transkulturalität. Luce d’Eramo als Intellektuelle zwischen Italien und Deutschland, 18. September 2025, Netzwerktagung "Horizonte" zum 10-jährigen Bestehen der Kulturwissenschaftlichen Gesellschaft, Universität Regensburg.
- 1925-2025: Luce d’Eramo aus Sicht der Transkulturalität, 17. Juni 2025, Reliés par-delà les frontières. Art et médias comme catalyseurs de tissages transculturel, Universität Regensburg
- Disability-Diskurse und verdrängte Erinnerung in Deviazione (1979) und Una strana fortuna (1997) von Luce d’Eramo (1925-2001), 5.6.2025, Tagung "Praktiken der Hervorbringung von Behinderung in Kunst und Literatur", Köln
- Remembering Fascism by Narrating Diversity: Memory, Gender and Disability in Luce d'Eramo's writings on World War II, 29. April 2025, Work in Progress-Session I "Memory and Literature", online
- '(A)Normale Poetik‘ und disability als Tabu. Wie das Schreiben von Frauen über Behinderung den italienischen Kanon des Novecento erweitert, 27. März 2025, Forum Junge Romanistik, Friedrich-Schiller-Universität Jena
- Strategien der Konfrontation: Narrativik und intellektuelle Interventionen von Luce d’Eramo, 16. Juni 2023, Tag des wissenschaftlichen Nachwuchses, Universität Regensburg
Mitgliedschaften
- seit Juni 2020: Mitglied im Promotionskolleg der Philosophischen Fakultäten (PUR) der Universität Regensburg
- Juli 2020-Juni 2025: Mitglied des Direktoriums und Promovierendenvertreterin im Promotionskolleg der Philosophischen Fakultäten (PUR)
- Deutscher Italianistikverband (DIV)
- Deutscher Romanistikverband (DRV)
Lehre
Sommersemester 2026
36059 PS La novella italiana - Die italienische Novelle von Baccaccio bis zur Gegenwart, Di 12-14 Uhr
Lisa Finn-Hampel
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
- E-Mail Adresse: lisa.finn-hampel(at)ur.de (öffnet Ihr E-Mail-Programm)
- Tel: +49 943 941 3595 (startet einen Telefonanruf, wenn Ihr Gerät dies zulässt)
- Standort: PT, 3.3.31
- Wichtige Informationen: Sprechstunde: Dienstag, 15-16 Uhr (nach vorheriger Anmeldung per E-Mail)
Fotograf: Patrick Artmann