Deine Kommilitonin im Jahr 1946-1947
Ruth Klüger wurde 1931 in Wien geboren und überlebte als Kind mehrere Konzentrationslager, darunter Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau und Christianstadt. 1945 gelang ihr die Flucht.
Im Sommersemester 1947 begann sie mit nur 15 Jahren ihr Studium an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Regensburg, einer Vorgängereinrichtung der Universität Regensburg. Dort lernte sie den späteren Schriftsteller Martin Walser kennen, der ebenfalls an der Hochschule eingeschrieben war. Die beiden diskutierten über Literatur und Geschichte, und Walser unterstützte sie im Hörsaal. Diese frühe Begegnung war für Klüger prägend, doch die Beziehung entwickelte sich über die Jahre hinweg kritisch und endete schließlich im Streit über Walsers Umgang mit Antisemitismus und seine öffentlichen Äußerungen.
Kurz nach dem Studium emigrierte Klüger in die USA, wo sie an der University of California, Berkeley Bibliothekswissenschaften und Germanistik studierte. 1952 erwarb sie den Master of Arts, 1967 folgte die Promotion.
Als Professorin lehrte sie an renommierten Universitäten wie Princeton und der University of California, Irvine. Mit ihrer Autobiografie weiter leben. Eine Jugend (1992) wurde sie international bekannt.
Ruth Klüger war Gastprofessorin in Göttingen, Poetikdozentin in Tübingen und eine der bedeutendsten deutschsprachigen Autorinnen jüdischer Herkunft. Sie starb am 5. Oktober 2020 in Irvine, Kalifornien.
Was ist in ihrer Studienzeit an der PTH passiert?
Die Philosophisch-Theologische Hochschule Regensburg war nach dem Zweiten Weltkrieg mit einem starken Anstieg der Studierendenzahlen konfrontiert, was zu einem erheblichen Lehrkräftemangel führte. Um den Lehrbetrieb aufrechtzuerhalten, erlaubte das bayerische Kultusministerium ab 1947 ausnahmsweise die Beschäftigung von als „Mitläufer“ oder „Entlastete“ eingestuften Personen, sofern deren politische und persönliche Eignung nachgewiesen werden konnte. Dadurch konnten Lehrkräfte aus dem ehemaligen Lehrkörper der deutschen Universität in Prag gewonnen werden, die nach amerikanischen Entnazifizierungsrichtlinien eigentlich nicht mehr an deutschen Hochschulen hätten tätig sein dürfen. Die amerikanische Militärregierung zeigte besonderes Interesse an diesem Personenkreis, was zu Verzögerungen bei der Übermittlung der geforderten Informationen durch die Hochschule führte.
Universitätsarchiv
UAR, Rep. 002 (Philosophische Theologisch-Hochschule Studentenkartei), 2167
Bildnachweis
Foto: Amrei‑Marie, 2016.
Quelle: Wikimedia Commons (externer Link, öffnet neues Fenster),
Lizenz: CC BY‑SA 4.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/ (externer Link, öffnet neues Fenster)
Links
- Schröder, I. (2003). Die staatlichen philosophisch‑theologischen Hochschulen in Bayern von 1923 bis 1978(Dissertation, Ludwig‑Maximilians‑Universität München) (externer Link, öffnet neues Fenster)
- Garhammer, E. (o. J.). „Nicht mehr lernen, als ohne Gefährdung der Eigenständigkeit möglich ist“. Die Freundschaft von Martin Walser und Ruth Klüger während des Regensburger Studiums und ihr späteres Scheitern. (externer Link, öffnet neues Fenster)