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Rückschau 2025

In unserer Rückschau finden Sie eine Auswahl bisheriger Ausstellungen und Veranstaltungen an der Universitätsbibliothek im Jahr 2025.

Unbelastet? Die Münchner Osteuropaforschung in der Kriegs- und Nachkriegszeit

Juli bis Oktober 2025, Ausstellung

München und Regensburg zählen zu den führenden Standorten der deutschen Osteuropaforschung. Wissenschaftler beschäftigen sich hier mit Geschichte, Politik, Sprachen, Religion und den Kulturen der vielseitigen Region Osteuropa. Im 20. Jahrhundert, wie heute besteht diese Auseinandersetzung in einem Spannungsfeld zwischen intrinsischem wissenschaftlichem Interesse und einem politischen Nutzen.

Während der Zeit des Nationalsozialismus trugen Osteuropaexperten mit ihrer Forschung zur Vorbereitung und Rechtfertigung des Zweiten Weltkriegs und des Holocaust bei. Einige von ihnen engagierten sich als Geheimdienstoffiziere im besetzten Europa, produzierten Propaganda, beteiligten sich an Kunstraub und erlebten Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung. – Damit waren Osteuropaforscher Teil des deutschen Vernichtungskriegs.

Das Kriegsende unterbrach zeitweise viele dieser Karrieren. Mit dem beginnenden Kalten Krieg gewann Expertenwissen zu Osteuropa erneut politische Bedeutung. München wurde ein Zentrum dieser antikommunistischen „Gegnerforschung“ und prägte die Politik in der jungen Bundesrepublik.

Die Tätigkeit der prägenden Osteuropaforscher fällt jedoch in eine Zeit des politischen Totalitarismus. Selbst die eifrigsten Wissenschaftler wurden zu Handlangern des NS-Regimes, verbreiteten Propaganda und engagierten sich aktiv bei der Besetzung Osteuropas. Gleichwohl konnten die meisten Forschenden nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Arbeit ungehindert fortsetzen.

Ist die Osteuropaforschung unbelastet? Die Ausstellung des Elitestudiengangs Osteuropastudien widmete sich einer Frage, die von der Forschungsgemeinschaft jahrzehntelang bewusst verdrängt wurde. Sie nahm die bayerischen Osteuropaforscher genauer unter die Lupe und beleuchtete ihre Funktion in der NS-Zeit – darunter ihre Rolle beim Kunstraub und der Leitung von NS-Organisationen. Überprüft wurde außerdem, wie die damals etablierten Netzwerke bis heute nachwirken und welche Schlüsse für die Gegenwart gezogen werden können.

Eine Ausstellung des Elitestudiengangs Osteuropastudien (LMU München/Universität Regensburg).

Lesung mit Lukáš Cabala

13.06.25, Lesung

Lukáš Cabala schrieb seinen ersten Roman Satori in Trenčín im Jahr 2020. Er wurde für den Anasoft Litera Award nominiert und das Buch gewann die Auszeichnung Debüt des Jahres. Später veröffentlichte er zwei weitere Romane, die seine Trilogie des magischen Realismus abschließen: Frühling in Jekaterinburg (2021) und Erinnerst du dich an Trenčín? (2023). Letzteres wurde im Jahr 2024 für den Anasoft Litera Award und den René-Preis nominiert und im Jahr 2025 für den Preis der Europäischen Union für Literatur.

2025 veröffentlichte Lukáš Cabala zwei Bücher: Der Sommer lag in der heißen Luft und das Kinderbuch Leben im Himbeergebirge.  

Bei der Lesung wurden Auszüge aus den Büchern Erinnerst du dich an Trenčín? und Der Sommer lag in der heißen Luft in zwei Sprachen (Slowakisch und Deutsch) vorgelesen.

(Un-)sichtbar? Ein Blick auf Gender in Sprachen weltweit

Juni bis Juli 2025, Ausstellung

Die Ausstellung „(Un-)sichtbar? Ein Blick auf Gender in Sprachen weltweit“ der AG Diversity des Zentrums für Sprache und Kommunikation war von Juni bis Juli 2025 in der Zentralbibliothek der Universität Regensburg zu sehen. Sie zeigte, wie Gender sprachlich sichtbar (oder unsichtbar) ist – im Deutschen wie in zahlreichen anderen Sprachen weltweit. Die Ausstellung bot mehrere Interaktionsmöglichkeiten und wurde von einem vielfältigen Rahmenprogramm mit Vorträgen, Diskussionsrunden und einer Lesung begleitet.

Strafprozesse filmen: eine Herausforderung für die Gesellschaft

Mai bis Juli 2025, Ausstellung

Mit der Ausstellung wandte sich das französische Nationalarchiv erstmals Film-Quellen aus dem Justizbereich zu. Sie ermöglichte, die moralisch-ethische Bedeutung der Verhandlungen nachzuvollziehen, ausgewählte Gerichtsprozesse in Auszügen kennenzulernen und sich mit deren Bedeutung für die Geschichte der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit zu beschäftigen, insbesondere mit der Frage, ob und mit welchem Ziel Strafgerichtsprozesse von hoher gesellschaftlicher Relevanz mitgefilmt werden sollen.

In Regensburg wurden sechs Filme mit einprägsamen Szenen internationaler Prozesse gezeigt:

  • Hauptkriegsverbrecherprozesse in Nürnberg (1945/1946)
  • Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem (1961)
  • Prozess gegen Klaus Barbie (1987)
  • Prozess gegen Paul Touvier (1994)
  • Prozess gegen Maurice Papon (1998)
  • Prozess gegen vierzehn Täter der Pinochet-Diktatur (2010)

Es handelt sich um Prozessfilme mit Bezug zum Zweiten Weltkrieg – gegen Klaus Barbie, Paul Touvier und Maurice Papon. Hinzu kommt ein Prozess im Zusammenhang mit der chilenischen Diktatur. Sie stehen in der Tradition der beiden weltweit erstmals gefilmten Prozesse von historischem Belang: des Prozesses gegen NS-Täter in Nürnberg und des Prozesses gegen Adolf Eichmann in Jerusalem.

Kennen Sie Moldova?

Mai 2025, Eröffnung der Europawoche und Fotoausstellung

Gemeinsam mit dem Botschafter von Moldova, S.E. Herrn Aureliu Ciocoi, weiteren Gästen, Studierenden sowie der interessierten Öffentlichkeit wurde die Europawoche feierlich eröffnet.

Die Fotoausstellung des Künstlerkollektivs "Raw Moldova" lud dazu ein, das Land in all seinen Facetten zu entdecken. Die Fotografien zeigten authentisch und unverblümt Szenen des Alltags in urbanen und ländlichen Regionen. Jedes Bild erzählte eine eigene Geschichte und gab den Blick frei auf das Leben abseits touristischer Routen.

Rassismus in Kinderbüchern

Mai 2025, Ausstellung

Die Ausstellung „Rassismus in Kinderbüchern“ beleuchtete problematische Darstellungen in klassischen und modernen Kinderbüchern und stellte Werke für Kinder vor, die sich mit Rassismus und Diskriminierung befassen. Es sollte ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, wie einerseits rassistische Klischees reproduziert werden und welchen Einfluss sie auf die Wahrnehmung von Vielfalt und Identität haben. Andererseits zeigte eine sorgfältige Auswahl an Beispielen diskriminierungsarme Texte und einen möglichen Umgang mit dem Thema auf. Die Ausstellung war vorrangig an Eltern und Interessierte gerichtet und sollte dazu anregen, sich mit den eigenen Denkmustern auseinanderzusetzen.

Filmreiseführer Madrid und Umgebung

24.04.25, Vortrag

Madrid ist zwar der filmische Mittelpunkt Spaniens, aber wer weiß schon, dass dort die Kulissen für Doktor Schiwago standen, Clint Eastwood seinen ersten Film mit Sergio Leone drehte oder Richard Lesters Musketiere aufeinandertrafen? Ist die große Bedeutung der Metropole für das Kino der 1960er und 1970er Jahre bis heute weitgehend unbekannt, so machte Pedro Almodóvar ab den 1980er Jahren Madrid auch international sichtbar, bis es schließlich mit der Netflix-Produktion Haus des Geldes ein Weltpublikum in seinen Bann zog. Ob Wolkenkratzer oder Szenelokale, ob königliche Paläste oder romantische Gärten, die Wandelbarkeit der spanischen Hauptstadt ist ebenso verblüffend wie der landschaftliche Reichtum und das architektonische Erbe ihres Umlands. Wenn die Granitfelsen von La Pedriza und die Steppenlandschaft der Dehesa de Navalvillar Madrid zu einem Zentrum der Westernproduktion machten, so eignen sich die Paläste und Burgen von Aranjuez oder Segovia bis heute für historische Stoffe. Von Madrid aus ist es zudem nicht weit bis zu bedeutenden Städten wie Toledo und Salamanca, so dass die Metropole einen idealen Standpunkt für Film- und Fernsehproduktionen bietet. Auch der berühmte Filmfriedhof aus Zwei glorreiche Halunken ist am besten von der Hauptstadt aus zu erreichen ebenso wie die pilzartigen Steinformationen bei Cuenca, zwischen denen Conan der Barbar seine Muskeln spielen ließ, ganz zu schweigen von der herrlichen Burg Zafra, wo Jon Schnee aus Game of Thrones das Licht der Welt erblickte. Der Filmreiseführer lädt ein auf eine Fahrt zu den Orten filmischer Fantasien, von denen man meist nicht weiß, dass sie im Herzen Spaniens liegen.

Ein Blick in Sterne und Geschichte - die Volkssternwarte Regensburg

04.04.25, Nacht der Bibliotheken: Vortrag und Ausstellung

In einem Vortrag von Torsten Bendl (wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Juniorprofessur für Public History und Doktorand der Wissenschaftsgeschichte der Universität Regensburg) sowie einer kleinen Ausstellung erfuhren Interessierte Wissenswertes über die Anfänge der Volkssternwarte Regensburg (externer Link, öffnet neues Fenster), der ältesten Volkssternwarte Süddeutschlands. Martin Nafz (Volkssternwarte Regensburg) stellte ein freies Astronomieprogramm vor. Zudem konnten Besucher Teleskope ausprobieren, sich über die Funktionsweise von Amateurteleskopen informieren und Meteoriten bestaunen.

Kantabrien im Kino

März bis April 2025, Ausstellung

Kantabrien und das Kino sind seit jeher eng miteinander verbunden. Mehr als 100 Jahre sind vergangen, seit dieses Land zum ersten Mal in einem Film zu sehen war. Seitdem haben viele Regisseure Kantabrien gewählt, um ihre Geschichten zu erzählen: Mario Camus, Manuel Gutiérrez Aragón, Alejandro Amenábar, Daniel Sánchez Arévalo... Sie haben in Kantabrien einen Ort gefunden, der in kurzer Entfernung alle Landschaften bietet, die man für einen Filmdreh braucht: Meer, Strände, Berge, üppige Wälder, grüne Wiesen, einzigartige Dörfer und Städte. Diese von der Cantabria Film Commission produzierte Ausstellung lud zu einer visuellen Reise durch einige der Landschaften ein, die bereits Teil der Filmgeschichte geworden sind. Es war eine Ausstellung, die im Rahmen des jährlichen Empfangs, welcher das Spanische Filminstitut - ICAA und die Botschaft von Spanien aus Anlass der Internationalen Filmfestspiele Berlin - BERLINALE gemeinsam veranstaltete, 2023 eröffnet wurde, und die in Regensburg gezeigt wurde.

Ungehört – Die Geschichte der Frauen. Flucht, Vertreibung, Integration

Januar bis Februar 2025, Ausstellung

Die Ausstellung „Ungehört – die Geschichte der Frauen. Flucht, Vertreibung, Integration“ beleuchtete die soziale, wirtschaftliche und kulturelle Leistung der Frauen und ihre Rolle bei der Integration der geflüchteten, vertriebenen oder später auch zwangsausgesiedelten Familien, die 1945 und danach in die westlichen Besatzungszonen Deutschlands, darunter Bayern gekommen sind. Im Zentrum der Ausstellung standen exemplarisch die Biografien von sechs Zeitzeuginnen, die aus verschiedenen Regionen des östlichen Europas stammen: aus Mähren, aus Oberschlesien, aus Pommern, aus der Batschka (Donauschwaben) und Ostpreußen. Vor dem Hintergrund des historischen Zeitstrahls tauchten die Besucher in die einzelnen Entwicklungsphasen der Zeitzeuginnen anhand wesentlicher lebensbiografischer Stationen ein und erkannten dabei Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der Bewältigung von Flucht, Vertreibung und Integration. Die Ausstellung widmete sich den späteren Jahren des Zweiten Weltkriegs sowie den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren bis in die 1970er Jahre. Zentrale Fragen der Ausstellung waren: Welche Leistungsfähigkeit wurde den Frauen abverlangt? Welche Handlungsmöglichkeiten und -räume konnten sie wahrnehmen, um sich in Deutschland bzw. in Bayern eine neue Existenz aufzubauen? Welche Integrationsstrategien entwickelten sie? Welche Bedeutung hat das „Erbe der Flucht und Vertreibung“ für die zweite und dritte Generation?

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