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Becketts deutsche Verlage

Beckett und die Manus Presse

Becketts Loyalität gegenüber seinen Verlegern war in persönlichen Beziehungen begründet. Während seine langjährige Korrespondenz und Freundschaft mit Siegfried Unseld bei Suhrkamp gut dokumentiert ist, ist über seine Verbindung zum Stuttgarter Verleger Roland Hänßel und dessen Manus Presse weit weniger bekannt. 2025 konnte die Universitätsbibliothek Regensburg mit großzügiger Unterstützung der Carl Friedrich von Siemens Stiftung Becketts Korrespondenz mit Roland und Waltraut Hänßel erwerben. Es handelt sich um 41 handschriftliche Briefe und Postkarten aus den Jahren 1965 bis 1989.

Die auf Originaldrucke in limitierter Auflage spezialisierte Manus Presse veröffentlichte insgesamt fünf Künstlerbücher nach Werken von Beckett, vier davon mit Grafiken von Hans Martin Erhardt, der 1964 das Bühnenbild für die Inszenierung von Play am Schillertheater entworfen hatte. Erhardt gestaltete Act Without Words (1965), Come and Go (1968), Bing (1970) und Watt (1971), während From an Abandoned Work (1967) von Max Ernst illustriert wurde. Becketts Korrespondenz mit Hänßel gibt nicht nur Aufschluss über die Zusammenarbeit zu diesen Künstlerbüchern, sondern bietet auch Einblicke in die Veröffentlichungs- und Übersetzungsprozesse anderer Werke. Einem Brief liegt ein Typoskript des Kurzstücks Breath bei, das Beckett Hänßel anbot, „vorbehaltlich der Zustimmung von Suhrkamp.“

Becketts tiefes Interesse an der bildenden Kunst wird in seinem Umgang mit Künstlerbüchern deutlich. Den beteiligten Künstlern gewährte er in der Regel große gestalterische Freiheit, da er diese Werke als eigenständige, visuelle Lesarten seiner Texte verstand. In Bing begleiten acht weiße Blindprägungen von Hans Martin Erhardt die deutsche Übersetzung und spiegeln Becketts Prosa bildlich wider: „Alles gewußt alles weiß nackter weißer Leib ein Meter Beine aneinander wie genäht“.

Weiterführende Literatur/Quellen: Hartel 2011; Mitchell 1987, 1999; Nixon 2011; Oppenheim 2011; Rathjen 2013.

Bibliographie

  • Beckett, Samuel. Bing. With original graphics by Hans Martin Erhardt, Manus Presse, 1970.
  • Hänssel, Roland, ed. Manus Presse 1961-1986. Eine Dokumentation, with Manus Presse 1987-1997. Manus Presse, [1997?]
  • Hartel, Gaby. ‘“Cher Ami” - “Lieber Samuel Beckett”: Beckett and His German Publisher Suhrkamp Verlag’. Publishing Samuel Beckett, edited by Mark Nixon, British Library, 2011, pp. 131–38.
  • Mitchell, Breon. ‘Seeing the Unsayable: Beckett and H.M. Erhardt.’ Beckett Translating/Translating Beckett, edited by Alan Warren Friedman et al., Pennsylvania State University Press, 1987, pp. 212–26.
  • ———. ‘Six Degrees of Separation. Beckett and the Livre d’Artiste.’ Samuel Beckett and the Arts: Music, Visual Arts, and Non-Print Media, edited by Lois Oppenheim, Garland, 1999, pp. 173–98.
  • Nixon, Mark, ed. Publishing Samuel Beckett. British Library, 2011.
  • ———. ‘“Silly Business.” Beckett and the World of Publishing.’ Publishing Samuel Beckett, edited by Mark Nixon, British Library, 2011, pp. 1–10.
  • Oppenheim, Lois. ‘Beckett and the Livre d’Artiste.’ Publishing Samuel Beckett, edited by Mark Nixon, British Library, 2011, pp. 187–204.
  • Rathjen, Friedhelm. ‘Unseld/Beckett. Fußnoten zu einer Verleger-Autor-Beziehung.’ Samuel Beckett und die deutsche Literatur, edited by Jan Wilm and Mark Nixon, transcript, 2013, pp. 105–19.
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