Zwangsläufig sind die Tagebücher auch eine Aufnahme Deutschlands und seiner Kunstszene unter dem nationalsozialistischen Regime. Mehr als einmal wurden Becketts Versuche, Kunstwerke zu besichtigen, die als „entartet“ eingestuft worden waren, oder ein verbotenes Buch zu kaufen, vereitelt. Obwohl er Politik und Slogans der Nazis zuweilen mit Verachtung kommentierte, hält er sich mit politischen Aussagen insgesamt zurück: möglicherweise ein Zeichen der spürbaren Nervosität hinsichtlich regimekritischer Aussagen, die viele seiner neuen deutschen Bekanntschaften empfanden, so auch die Kunstsammlerin und Malerin Margaritha Durrieu.
Becketts Stimme ist in den Tagebüchern häufig zynisch und unterhaltsam und an mancher Stelle fällt es nicht schwer, sich in ihn hineinzuversetzen. Jedoch entstammt dies nicht selten der Tatsache, dass Beckett im Laufe seiner Reise häufig zutiefst unglücklich war. Er wurde geplagt von Geldproblemen, angeschlagener Gesundheit und einer Schreibblockade. Während seines Aufenthalts in Hamburg besuchte er den Friedhof Ohlsdorf „because I thought a poem would be there,“ doch die Worte blieben ihm fern. Ebenso konnte er keine Fortschritte mit Journal of a Melancholic machen, welches ihn des Öfteren beschäftigte, jedoch nie fertiggestellt werden sollte.
Die German Diaries sind ein Einblick in Becketts Gedanken und seine Wahrnehmung eines historischen Augenblicks, im Großen ebenso wie im Kleinen. Ihr Schwerpunkt jedoch liegt auf Kunst und Architektur. Leser und Leserinnen „could be forgiven for thinking that they were written by an art critic, and not a creative writer“ (Nixon).