Am Tag nach seiner Ankunft in Berlin, am 12/12/36, kaufte Beckett ein Heft mit 12 Eintrittskarten für das Kaiser-Friedrich-Museum. Er löste zehn ein und besuchte zudem die anderen Museen der Museumsinsel, die Nationalgalerie und das Tell Halaf Museum, meist mehr als einmal. Wie schon in Hamburg fand er Sammlungen moderner Kunst für die Öffentlichkeit geschlossen, so auch die im Obergeschoss des Kronprinzenpalais. Wie zuvor konnte er dennoch einige moderne Werke besichtigen. Einen großen Teil seiner sechs Wochen in Berlin verbrachte Beckett jedoch in Sammlungen der Kunst der Renaissance. Wie eng sich seine Auseinandersetzungen mit Kunst mit seiner Perspektive auf die Welt um ihn herum verwoben, wird deutlich, wenn er Szenen seiner Spaziergänge durch deutsche Städte in der Sprache niederländischer Landschaftsmalerei beschreibt, oder seinem Neujahrsabend „an atmosphere of van Brueghel the Younger“ (31/12/36) verleiht.
In seiner literarischen Arbeit klingen die Eindrücke seiner Bildungsreise ebenso nach. Im Kaiser-Friedrich-Museum brachte er dem flämischen Barockmaler Adriaen Brouwer besonders viel Aufmerksamkeit entgegen und die Motive des „Brouwer, dear Brouwer“ (05/02/37) tauchen wieder auf in den Charakteren und Szenen in Warten auf Godot, während der Mann im Fenster in der linken oberen Ecke von Pieter Bruegels Die Niederländischen Sprichwörter sich in ein Kabinett von Figuren einreiht, in denen Beckett sich wiedererkannte, die ihn inspirierten (Walther von der Vogelweide, siehe Modul C) und die er erdachte (Belacqua in Mehr Prügel als Flügel, 1934).