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Dresden

Während er vom 29/01 bis 19/02/37 in Dresden war, besuchte Beckett neunmal die Gemäldegalerie, sowohl um die Sammlung Alter Meister und den Flügel mit moderner Kunst zu sehen. Im Laufe einer Woche im Februar wurde er zudem zweimal eingeladen, die private Sammlung Ida Bienerts zu besichtigen, in der sich unter anderem Werke der Künstler des Bauhaus wie Wassily Kandinsky befanden. Kandinskys Träumerische Improvisation beeindruckte Beckett besonders. Bienert schenkte Beckett den Katalog ihrer Sammlung „on condition that I show it to no one in Germany“ (15/02/37), da der Katalog von Will Grohmann, einem jüdischen Kunsthistoriker, zusammengestellt worden war. Das Werk Kandinskys und Grohmanns kritische Interpretation davon würden später ihren Weg auf die Seiten von Becketts zweitem Roman Watt (1953) finden.

Ein weiteres Gemälde, das seine Spuren in Becketts Werk hinterließ, war Zwei Männer in Betrachtung des Mondes. Die Komposition des Bildes spiegelt sich wider in Warten auf Godot und die Abwesenheit optischer Tiefe für die Beckett sich den Begriff „bémolisé“ aus der Musiktheorie leiht, sollte sich als zentrale Komponente seines Denkens über die Beziehung zwischen Kunst und Wirklichkeit herausbilden.

Wassily Kandinsky, Träumerische Improvisation (1913) bpk | Bayerische Staatsgemäldesammlungen
Caspar David Friedrich, Zwei Männer in Betrachtung des Mondes (1819/20) Albertinum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden | Foto: Elke Estel

Watt wondered how long it would be before the point and circle entered together upon the same plane. Or had they not done so already, or almost? And was it not rather the circle that was in the background, and the point that was in the foreground? […] And he wondered what the artist had intended to represent (Watt knew nothing about painting).

(Watt, Chapter II)

Pleasant predilection for 2 tiny languid men in his landscapes […], that is the only kind of romantic still tolerable, the bémolisé. 

14/02/37

A country road. A tree. […] The light suddenly fails. In a moment it is night. The moon rises at back, mounts in the sky, stands still, shedding a pale light on the scene. VLADIMIR: At last! (Estragon gets up and goes towards Vladimir, a boot in each hand. He puts them down at edge of stage, straightens and contemplates the moon.)  

(Waiting for Godot, ACT I)
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