Direkt zum Inhalt


Beckett in Deutschland

Am 28/09/36 brach Beckett von Cooldrinagh, wo er aufgewachsen war, auf nach Cóbh (Cork), wo er sich am nächsten Tag auf der S.S. Washington einschiffte. Nach einem Zwischenstopp in Le Havre kam er am 02/10/36 in Hamburg an und besuchte, über die folgenden sechs Monate, mehr als 20 Städte im Zuge einer Reise vom Norden in den Süden Deutschlands. Am 04/04/37 flog er von München aus zurück auf die Britischen Inseln.

Die Gründe, die Beckett zu seiner Reise bewegten, waren verschiedene: um sich aus einer kreativen Trägheit zu befreien, um möglicherweise einen neuen Karriereweg einzuschlagen, um zurückzukehren in ein Land mit dem er sowohl glückliche als auch schmerzhafte Erinnerungen verband. Sein hauptsächliches Ziel war aber wohl das einer Bildungsreise. Während seiner Zeit in Deutschland befasste Beckett sich mit so viel Kunst und Architektur, wie ihm möglich war und er war gleichermaßen interessiert an Bildhauerei und Malerei des Mittelalters, den Werken der Alten Meister von der Renaissance bis ins 18. Jahrhundert und moderner Kunst.

Für jeden Tag seiner Reise hielt Beckett fest, wo er entlangspazierte, aß, trank und Bücker kaufte, was er las, wen er traf, worüber er mit diesen Menschen sprach und was er insbesondere über die Kunst, die er sah, dachte. All dies schrieb er in sechs Notizbüchern auf: den German Diaries.

Das Augenmerk der Tagebücher und dieses Moduls liegt auf den bildenden Künsten. Sowohl die Orte, die Beckett besuchte und die Künstler und Künstlerinnen mit deren Werken er sich im Laufe seiner sechs Monate in Deutschland auseinandersetzte sind zu zahlreich, um sie all zu nennen. Modul B wirft Schlaglichter auf fünf Stationen der Reise – Hamburg, Berlin, Dresden, Nürnberg und Regensburg – und ausgewählte Kunstwerke.

Die sechs Notizbücher der German Diaries wurden nach Becketts Tod im Jahr 1989 entdeckt. Gegenwärtig ist nur das Kapitel über Hamburg als vollständiges Transkript veröffentlicht. Zitate aus den Tagebüchern, die in den Segmenten dieses Moduls zu Berlin, Dresden und Nürnberg verwendet wurden, entstammen der editorischen und wissenschaftlichen Arbeit, die in den vergangenen drei Jahrzehnten an den Manuskripten geleistet wurde. Die in diesem Modul gezeigten Inhalte stehen somit in der Schuld der grundlegenden Forschung zu den German Diaries von Conor Carville, James Knowlson, Mark Nixon und Erika Tophoven.

Die Gesamtausgabe der German Diaries, herausgegeben von Mark Nixon und Oliver Lubrich, erscheint in Kürze beim Suhrkamp Verlag.

Die Universitätsbibliothek Regensburg bedankt sich bei Mark Nixon für die Bereitstellung des Transkripts des Regensburg-Kapitels der Tagebücher, sowie dem Suhrkamp Verlag für die Erlaubnis, die daraus wiedergegebenen Abschnitte in Modul B zu präsentieren.

Weiterführende Quellen: Carville 2018; Fehsenfeld/Overbeck 2009; Knowlson 1996, 2009; Nixon 2010, 2011; DLA Marbach 2017; Quadflieg 2006; Quadflieg/Tophoven 2003; Radlmaier 2011; Tophoven 2005.

Bibliographie

  • Beckett, Samuel. Alles kommt auf so viel an. Das Hamburg-Kapitel aus den  ‘German Diaries,’ 2. Oktober - 4. Dezember 1936 in der Originalfassung, translated by Erika Tophoven, Raamin-Presse, 2003.
  • ---. Murphy. Routledge, 1938.
  • ---. Ohio Impromptu. In Collected Shorter Plays of Samuel Beckett. Faber and Faber, 1984.
  • ---. Waiting for Godot. Faber, 1956.
  • ---. Watt. Olympia Press, 1953.
  • Fehsenfeld, Martha Dow and Lois More Overbeck (eds.). The Letters of Samuel Beckett: Vol 1, 1929-1940. Cambridge University Press, 2009.
  • Carville, Conor. Samuel Beckett and the Visual Arts. Cambridge UP, 2018.
  • Knowlson, James. “Beckett and Seventeenth-Century Dutch and Flemish Art.” Samuel Beckett Today / Aujourd’hui, vol. 21, 2009, pp. 27-44.
  • ---. Damned to Fame: The Life of Samuel Beckett. Simon & Schuster, 1996.
  • Nixon, Mark. „Chronology of Beckett’s Journey to Germany 1936-1937.” Journal of Beckett Studies, vol. 19, no. 2, 2010, pp. 245-72.
  • ---. Samuel Beckett’s German Diaries 1936-1937. Continuum, 2011.
  • Nixon, Mark and Dirk van Hulle. German Fever: Beckett in Deutschland. Edited by Literaturmuseum der Moderne and Deutsches Literaturarchiv Marbach, Deutsche Schillergesellschaft, 2017.
  • Quadflieg, Roswitha. Beckett was here. Hamburg im Tagebuch Samuel Becketts von 1936. Hoffmann und Campe, 2006.
  • Radlmaier, Steffen. Beckett in Bayern: Ich bin froh, wenn ich hier weg bin. Kleebaum, 2011.
  • Tophoven, Erika. Becketts Berlin. Nicolai, 2005.
nach oben